accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

1172 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1901. 
Frischer und Dauerproviant ist preiswerih zu haben. Trinkwasser wird 
beim Schleppen flufsabwärts aus dem Flusse vom Schlepper kostenlos in die 
Tanks gepumpt. Das Wasser ist gut. Andere Schiffsausrüstung ist zu 
hohen Preisen zu haben, 
Auskunft für den Schiffsverkehr. Deutscher Konsul ist Carl 
v. Wintzingerode. Das Konsulat liegt Ecke Taylor- und 1. Straße. Kranken- 
häuser sind am Orte; der Konsul hat mit verschiedenen Krankenhäusern feste 
Preise für Verpflegung von Seeleuten verabredet. 524 Mannschaftsent- 
weichungen von englischen Schiffen fanden im Jahre 1899 statt. Kapt. 
C. Wilhelmi berichtet darüber: „Es wäre zu wünschen, dafs dem Treiben der 
Boardingmasters ein Ende gemacht würde. Die Mannschaft wird auf alle er- 
denkliche Art zum Entweichen überredet, und verläßt wohl kaum ein Schiff den 
Hafen, ohne die Hälfte oder mehr von der Mannschaft verloren zu haben. Für 
jeden neu anzumusternden Mann mufßs man 55 $, im letzten Jahre (1900) sogar 
65 $ zahlen, worauf man beim Frachtabschlufs Rücksicht nehmen sollte. Es ist 
dem Kapitän nicht erlaubt, mit weniger Leuten auszulaufen, als er beim KEin- 
laufen an Bord hatte. Will er sich dieser Vorschrift nicht fügen, bekommt er 
keinen Mann und muß mit seinem Schiffe liegen bleiben.“ Der englische Konsul 
schreibt (Mai 1900), dafs in Zukunft wohl 600 A für einen Mann bezahlt werden 
könnten. Ein Schiff habe für 14 Mann 8540 M zahlen müssen. 
Matrosenheuer betrug 80 M auf grofser Fahrt und 100. auf Küsten- 
fahrt. Seekarten muß man von San Francisco kommen lassen. Einrichtungen 
zur Prüfung nautischer Instrumente sollen getroffen sein. 
Jamestown auf St. Helena. 
Bericht des Kapt. P. D. Vofs, Bark „Vidette“. 
Wie bekannt, ist Jamestown der einzige Hafen auf St. Helena, wohin 
Ladung verschifft wird. Die Rhede des Hafens ist gut und sicher. Der beste 
Ankerplatz ist querab von der Mole, etwas nördlich von dem dort befindlichen 
gelb angestrichenen Hulk; je näher dem Lande, desto besser ist es für das 
Löschen, denn da nur wenig Leichter dort vorhanden sind, die nicht mehr als 
5 bis 8 £ nehmen, so müssen dieselben öfter wieder zurück kommen. Wir 
ankerten dort auf etwa 11 Faden Wasser dicht hinter den dort liegenden 
Wasserbooten. 
Beim Ansegeln des Hafens, was meistens um das Nordende der Insel 
herum geschieht, thut man gut, wenn der Passat steif weht, die kleinen und 
Untersegel zu bergen, bevor man die Sugar Loaf-Huk umsteuert, denn man mufs 
stets bedenken, dafs, wenn diese Huk umsegelt ist (was so dicht wie möglich 
zu geschehen hat, damit man die Rhede auch anholt), der Ankerplatz auch nicht 
mehr fern ist. Als wir die Insel erreichten, wehte der Wind bei dichtem Regen 
80 steif, dafs wir vor den Marssegeln allein noch 10 Knoten liefen. An der Lee- 
seite der Insel stöfst der Wind dann oftmals aus den Schluchten bis zu Stärke 9. 
Gewöhnlich stellen sich bei Sugar Loaf- Huk schon viele Boote ein, die 
den Ankerplatz andeuten wollen. Eines Lootsen bedarf man aber keineswegs; 
man mufs sich vielmehr mit diesen Leuten nicht einlassen, da sie nachher 
Lootsengeld beanspruchen. 
Das Löschen geht ziemlich gut, d. h. wenn genügend Mannschaft vor- 
handen ist; die Kohlen werden in Säcken gelöscht. An Land kann man gut 
120 bis 150 tin Empfang nehmen. Der Arbeitslohn betrug 4 bis 44 sh. 
Langsamer dagegen soll das Löschen gehen, wenn sich die sogenannten Roller 
einstellen, die meistens in der Zeit von Ende Dezember bis April vorkommen; 
dann kann der Fall eintreten, dafs man in acht Tagen keinen Leichter erhält. 
Die Roller sind aber für ein auf der Rhede liegendes Schiff nicht gefährlich, 
denn die See bricht erst dicht unter Land und setzt dort Alles unter Wasser. 
In dieser Jahreszeit ist es wohl besser, ein paar Schiffslängen weiter ab zu liegen. 
Ballast ist schwer zu erhalten und kostet etwa 6sh die Tonne. Ich 
wollte aufser der für Iquique bestimmten Ladung noch etwa 30 t nehmen, aber 
in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes stand solche Brandung an Land, dafs 
an den Ufern, . wo meistens der Ballast genommen wird, kein Leichter laden 
konnte, und mußte folglich ohne diese 30 t segeln. Ist man nun aber genöthigt,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.