Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Polarfahrt des „Matador“. - 421
der Nordwestecke Spitzbergens ist jedenfalls nicht mit Treibeis oder neu ge-
bildetem Jungeis bedeckt, wie man es nach Temperatur und Jahreszeit anzu-
nehmen berechtigt wäre, denn kurze Zeit nach dem Auftreten von Ost- oder
Südwind erscheint im Westen oder Norden stets ein ausgeprägter Wasserhimmel,
Auch kann eine derartige Brandung, wie sie beispielsweise am 14. Januar zu
hören war, nur entstehen, wenn gröfsere Flächen offenen Wassers das Aufkommen
von Seegang ermöglichen. Wenn längere Zeit Ostwind geweht hat, so ist nach
Westen hin kein Eis mehr zu sehen, was allerdings nicht viel. beweist, da die
Sichtweite bei der mangelhaften Beleuchtung sehr beschränkt ist.
19./1. Heute ist wieder Dünung zu bemerken. Der nordwestliche Wind
bat den Virgo-Hafen wieder voll Eis getrieben. 20./1. Das Eis im Hafen ist
fest zusammengefroren. Die zwischen den Schollen befindlichen Flächen sind
mit Jungeis bedeckt. Temperatur 9"p — 26,2°C, 21./1. Bei einem Marsch
nach unserer Hütte am Süd-Gat konstatirte ich folgende Eisverhältnisse: Der
Smerenberg-Sund und das Süd-Gat sind mit einer festen Eisdecke bedeckt. Am
Strande liegen Gletscherbrocken zerstreut. Nur im südwestlichen Theile des
Süd-Gats und östlich von der Moffen-Insel, dort, wo auf der Karte ein Anker
yezeichnet ist, ist offenes Wasser. Letzterer Theil mufß also der Dünung mehr
ausgesetzt gewesen sein als der Platz, wo der „Matador“ liegt. Demnach ist der in
der Karte als Ankerplatz bezeichnete Theil des Süd-Gats kein guter Ueber-
winterungshafen; .ein solcher müßte meiner Ansicht nach weiter östlich, dort, wo
der „Matador“ liegt, zu suchen sein. Dort ist das Eis nicht mehr aufgebrochen
and es ist auch wenig Dünung dort wahrzunehmen. Soviel ich das übersehen
kann, ist dieser Platz.der einzige im Smerenberg-Sund, Süd- und Dänen-Gat, wo
man ein Schiff mit ziemlicher Sicherheit zu erhalten im Stande ist, wenn man
so spät hier ankommt, dafs der südliche Theil des Smerenberg-Sundes schon mit
festem Eise bedeckt ist. Ist der Smerenberg-Sund noch eisfrei, so glaube ich,
daß ein Schiff am sichersten östlich von der Südostecke der Dänen-Insel liegt.
Dort wird wohl gar keine Dünung vorhanden sein. Den „Matador“ hat die
durch Südsturm hervorgerufene Dünung auch noch erreicht und auf den Strand
hinaufgeschoben. Für kleine Schiffe erscheint mir als ein idealer Ueberwinterungs-
hafen der kleine, in der Mitte der Ostküste der Dänen-Insel gelegene Hafen zu
sein. Derselbe hat aber den Nachtheil, dal er nur während kurzer Zeit eisfrei
sein wird. 21. und 22./1. Dünung im Hafen. 23./1. Es mufs irgendwo stark
yeweht haben, da nur dadurch die Dünung zu erklären ist. Auch der niedrige
Barometerstand läfst darauf schließen. Derselbe steht seit dem 18./1. 3*p
nach dem Barograph niedriger als 742 mm und ist am 19. während des Tages bis
auf 731mm und am 22,/1. bis auf 725 mm gefallen. Mit dem Eis im Virgo-
Hafen hat sich derselbe Vorgang wiederholt, wie am 18./1. Die Dünung hat
das Eis aufgebrochen. Es ist dann wie das vorige Mal nach Norden getrieben.
Ein Theil liegt dort noch, ein Theil ist herausgetrieben. Im: Süd-Gat war das
Eis bis zur Moffen-Insel aufgebrochen.
24. und 25./1. Virgo-Hafen ist eisfrei; Dänen-Gat zum Theil mit Schollen
bedeckt. Der am 24. und 25./1. ab und zu wehende südliche Wind hat das HEis
nach Norden gegen die Amsterdam-Insel getrieben. Ein Theil liegt dort noch,
ein Theil ist durch die Gezeitenströmung herausgeirieben. 26./1. Der seit heute
Nacht wehende Nordnordost und der niederfallende Schnee haben in den Virgo-
Hafen Schollen getrieben und ihn mit Schneeschlamm gefüllt. Auch der südliche
Theil des Dänen-Gats ist voll Eis getrieben. Während des heutigen Tages
Schnee und nördlicher Wind. Letzterer hat die Schollen vom Dänen-Gat wieder
in den Virgo-Hafen getrieben.
27./1. Der in den letzten Tagen (26. und 27./1.) wehende Nordnordost
hat das Eis wohl von der Westküste abgetrieben, so dafs der Fluthstrom, der
im Dänen-Gat nach Westen läuft, in der Lage war, die Schollen vollständig aus
dem Dänen-Gat und Virgo-Hafen heraus und nach See zu treiben. Auf diese
Weise ist wenigstens das Verschwinden des Eises zu erklären. Auf See ist das
Eis infolge der nordöstlichen Winde von der Westküste abgetrieben; so weit zu
sehen ist (die Dunkelheit gestattete allerdings nicht, weit zu sehen), ist das Meer
is auf vereinzelt umhertreibende Schollen eisfrei. Am Weststrand zog sich ein
etwa 10 m breiter Eissaum entlang, der mehr oder weniger steil abfiel und bis
zu 20 m Höhe erreichte. Das Eis war dort durch die Wellen aufeinander ge-