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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Polarfahrt des.„Matador“ 
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Schollen zu schweren Massen geworden war‘ und auch bei geringer Bewegung 
einen gewaltigen Druck ausübte. Der „Matador“ sank bei dieser Gelegenheit 
am 138. Oktober mit einem Ruck um die ?/s m, um die er gehoben war, ins 
Wasser. Dals der „Matador“ bis 13. Oktober zwischen einzelnen Schollen 
gehoben bleiben konnte, ist wohl ein guter Beweis dafür, dafs die Schollen 
durch eine stetig und gleichmäfsig wirkende Kraft zusammengedrängt wurden, 
die in dieser Art wohl nur ein Strom äufsern konnte. 
Ich erklärte mir das Aufkommen dieser Dünung dadurch, dafs im Süden 
offenes Wasser war und der Nordsturm einen nach Süden laufenden Seegang 
arzeugt hatte, welcher sich aber naturgemäfs auch nach Norden fortpflanzen mufste. 
Im Laufe des Vormittags verstärkten sich die Pressungen derart, dafs 
Alles zum. Ausschiffen klar gemacht wurde. Um 3*p arbeitete der „Matador“ 
wie in schwach bewegter See. Die Schollen waren zu kleinen Stücken zer- 
trümmert, wodurch die Gefahr für den „Matador“ verringert wurde. Es hatte 
sich jedenfalls mehr offenes Wasser gebildet, oder wir waren demselben näher 
getrieben. Am Abend des 13. Oktober flaute der Wind zwar ab, aber die 
Pressungen verstärkten sich trotzdem aus diesem Grunde und hielten auch 
während der Nacht und des folgenden Tages an. Es war eine böse Nacht vom 
13. bis 14. Oktober. Gegen 5"°p des 14. Oktober wurde die Brandung schwächer 
and hörte. um 8° p aufserordentlich schnell ganz anf. 
Am 14. Oktober hatten wir ab und zu Nebel. Wenn er sich verzog, 
erschien der Wasserhimmel, welcher am 10. Oktober südlich zu sehen war, in 
züdöstlicher Richtung. Ich schließe aus dem so unerwartet schnellen Aufhören 
der Dünung, sowie aus der veränderten Richtung des Wasserhimmels, dafs wir 
mittlerweile soweit westlich getrieben waren, dafs wir uns nicht mehr im Norden 
des offenen Wassers des Golfstromes befanden. Wo wir uns am 12. und 
13. Oktober befanden, hatte entweder ein nördlich verlaufender Ausläufer des 
Golfstromes eine sich ins Packeis hinein erstreckende Bucht eisfreien Wassers 
geschaffen, oder der Nordsturm hatte Packeismassen nach Süden abgetrieben, 
wodurch wir uns der Grenze desselben genähert hatten. Die Schollen blieben 
bis zur Nacht des 16. Oktober dicht gepackt liegen, auch während der inzwischen 
eingetretenen Windstillen, was allen bisherigen Erfahrungen widerspricht, wonach 
starke Winde ein festes Zusammendrängen der Schollen, Stillen aber ein Aus- 
einanderziehen, Bersten derselben und die Entstehung von Rinnen bewirken 
sollen. Es kann dies wiederum wohl nur die Folge der Einwirkung der Strom- 
verhältnisse sein. In der Nacht vom 15. und 16. Oktober ging der Wind nach 
Süden herum und wehte mit mittlerer Stärke (6). Trotzdem fingen die Schollen 
am 4" morgens an auseinander zu gehen, und zwar im Süden zuerst. Diese auf- 
fallende Erscheinung, dafs bei südlichem Wind die im Süden befindlichen Schollen 
nach Süden trieben, kann ich mir nur dadurch erklären, dafs sie ein nach Süden 
umbiegender Theil des Golfstromes, sobald sie in seinen Bereich kamen, von den 
nördlich davon befindlichen entfernte. Die Eisverhältniase waren von jetzt ab 
sehr veränderlich. Es bildete sich häufig offenes Wasser, Das meiste hatten 
wir am 18, Oktober. An diesem Tage ist es mir gelungen, 3 Sm in nordwest- 
licher. Richtung zurückzulegen. Dort aber versperrte ein 4 Sm langes Eisfeld, 
das Erhebungen bis zu 8 m Höhe hatte, den Weg. An seinen Enden schlossen 
sich kleinere Schollen an. Jenseits desselben nach Westen und Nordwesten 
waren viele offene Wasserstellen vorhanden. Ein Dampfer hätte hier wohl 
durchdringen können. 
Meine Hoffnung, dafs sich hier infolge Zurücktretens der grönländischen 
Küste nach Westen, wodurch den Eismassen eine gröfsere Fläche zum Ausbreiten 
zur Verfügung gestanden hätte, in Verbindung vielleicht mit der hier vollständig 
unbekannten Konfiguration des Meeresbodens und den Stromkombinationen offenes 
Wasser und Rinnen geschaffen würden, die ‚uns eine Erreichung der grön- 
ländischen Küste gestattet hätten, hat sich nicht erfüllt, obgleich die Verhält- 
nisse hier günstiger waren als während der übrigen Zeit unserer Trift, Während 
dieser Zeit war auch bei sturmartigem Winde — östliche haben wir allerdings 
nicht gehabt — keine Dünung“zu bemerken. Erst am 26, Oktober machte sich 
eine: schwache südsüdwestliche Dünung in der Nähe des offenen Wassers am 
Golfstrom bemerkbar.
	        
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