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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

us den wissenschaftlichen Ergebnissen der Polarfahrt des „Matador“. 
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Ich. traf am 5. September 1900 die ersten Treibeismassen auf 75° 30‘ N-Br. 
Der in den Tagen vorher stets aus nördlicher Richtung wehende Wind hatte 
dieselben soweit südlich getrieben. Die Schollen lagen lose, so dafs der „Matador“ 
teicht durchsegelte. Einzelne derselben enthielten erdige Bestandtheile. Beim Weiter- 
segeln fand ich die westspitzbergischen Gewässer bis auf vereinzelt umhertreibende 
Gletscherbrocken und Schollen vollständig eisfrei. Die Packeisgrenze im Norden von 
Spitzbergen wurde am 13. September 28 Sm nordnordöstlich von Cloven Cliff, der 
Nordwestecke Spitzbergens, auf etwa 80° 3‘’N-Br und 12°2‘0-Lg angetroffen. Südlich 
von diesem vollständig unsegelbaren Packeise befand sich ein mehrere Seemeilen 
breiter Streifen offenen Wassers, welcher sich, der Packeisgrenze folgend, in ost- 
nordöstlicher Richtung bis ungefähr nach 17° 13‘ O-Lg erstreckte. In demselben 
befanden sich auch Treibeismassen von zum Theil meilenweiter Ausdehnung, aber 
dieselben konnten umsegelt werden oder waren sgegelbar. Im Süden dieses 
offenen Wassers befanden sich unübersehbare Eismassen, Es war nicht zu er- 
mitteln, wie weit dieselben sich nach Süden erstreckten. 
Am 21. September gelangten wir in die Nähe der Walden-Insel. Auf 
dem Wege dorthin wurde sehr viel Treibeis angetroffen, so dafs ich, um nicht 
eingeschlossen zu werden, häufig dorthin zurück ging, wo wir hergekommen 
waren. Solche kleineren Kursänderungen habe ich auf der Karte nicht eingetragen. 
Vor der Küste Spitzbergens lag südlich von der Walden-Insel ein mehrere See- 
meilen breiter, vor den Sieben-Inseln ein !/a bis 2 Sm hreiter Eissaum. Zwischen 
der Walden-Insel und den Sieben-Inseln, also dort, wohin ich eigentlich wollte, 
befanden sich lose liegende Schollen, welche einem Dampfer ein Durchkommen 
gestattet hätten. Wie weit derselbe hätte kommen können, entzieht sich meiner 
Beurtheilung.- Von einem Wasserhimmel war im Osten nichts. zu sehen. Ein 
Weiterkommen mit einem Segelschiff war vollständig ausgeschlossen, und ich 
segelte deshalb nach Norden, wo noch offenes Wasser vorhanden war. 
Um 8: p am 21. September befanden wir uns 3 Sm südsüdwestlich von 
der Ross-Insel, der nördlichsten der Sieben-Inseln. Die Treibeisgrenze, die, wie 
oben bemerkt, westlich an den Sieben-Inseln entlang führte, zog sich. noch etwa 
1 Sm weiter nach Norden und bog dann etwa 2 Sm nach Westen um; im Westen 
befanden sich ebenfalls Eismassen. Von 8 bis 12*p bildete sich dort, wohl in- 
folge des: Südoststurmes, mehr offenes Wasser. Ich liefs deshalb um 1* nachts 
an der Eisgrenze entlang steuern und, nachdem das Schiff etwa 5 Sm in dieser 
Richtung zurückgelegt hatte, das Ruder „hart St. B.“ legen und drang ins Packeis 
ein und zwar in eine dort vorhandene, nach NNO verlaufende Rinne. 
Das Fahrwasser erweiterte sich öfter seenartig und verengte sich dann 
wieder. Die umhertreibenden Schollen waren nicht grofs, aber zahlreich. Die 
gröfsten hatten. etwa 40m Länge. Am 22. September abends 9* kamen die 
Sieben-Inseln in SSW aus Sicht. Wir trieben danach scheinbar in nordwestlicher 
Richtung. Die Schollen waren während dieser Zeit fortwährend in Bewegung. 
Die Auf- und Niederbewegungen waren nur sehr schwach, aber die Schollen 
trieben in verschiedenen Richtungen durcheinander. Die nicht hoch aus dem 
Wasser ragenden . und nicht tief gehenden trieben am langsamsten. An ihnen 
vorbei: trieben die mehr Windfang bietenden Schollen. ungefähr in der Richtung 
des Windes, der damals als Südoststurm wehte. Wieder in anderer Richtung 
and zwar meistens nördlicher, trieben einzelne Gletscherbrocken, mehrjährige 
Schollen oder solche, die dadurch einen gröfseren Tiefgang erhalten hatten, dafs 
sich infolge‘ von: Pressungen ein wüstes: Trümmerwerk von Eisblöcken darauf 
gelagert oder andere Schollen darunter geschoben hatten. Diese waren offenbar 
im Bereich der unter dem Polarstrom sich verlierenden Ausläufer des Golfstromes. 
Wir befanden uns’ hier zweifellos am nördlichsten Ende des an der Oberfläche 
Biefsenden Golfstromes. Am 24. September mittags ‚schlossen sich die Schollen 
dicht zusammen und lagen schliefslich ganz fest um das Schiff herum‘ und gegen- 
einander gedrängt. . 
Durch den nach nördlicher Richtung laufenden Golfstrom*) und den Südost- 
sturm, welcher vom 21. 6*p bis 25. September mittags wehte, waren wir in den 
Polarstrom getrieben und nach Westen „versetzt, dorthin, wo der Golfstrom 
„ 1) Nach den neueren Anschauungen wird die nördliche Strömung längs der Westküste von 
Spitzbergen nicht mehr als eigentlicher Golfstrom bezeichnet. Anm. d. Red.
	        
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