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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1901.
Vom 20. bis zum 23. April hielt sich der Wind zwischen Nord bis West, leichte
Briese und beständig hohe Nordwestdünung; Bar. an allen Tagen etwa 770 mm,
YTherm. 15° C. Den 24. frisch aus NNW; morgens, einige Zeit vor Sonnenauf-
gang, sahen wir die Küste von Kalifornien; nach Sonnenaufgang sehr diesig;
um 7'/2% M. Nord-Farallon in 0zS, 6 Sm ab, Bar. um 8° M. 768,8 mm, Therm,
14° C.; um 9° M. Kap Reyes in NNO, noch sehr diesige Luft. Um 10* M.
bekamen wir einen Lootsen, der uns bei der Quarantänestation zu Anker brachte.
Der Schlepper „Sea King“ war draufsen beim Schiffe; das Feuerschiff aufserhalb
der Barre war wegen Reparatur nicht auf der Station. Reisedauer von Santa
Rosalia bis San Francisco 30 Tage.
Aus den wissenschaftlichen Ergebnissen der Polarfahrt des
„Matador‘“ unter Führung des Kapt.-Leut. a. D. Oskar Bauen-
dahl, Herbst und Winter 1900/1901.
I. Theil. Ueber die Eisverhältnisse.
A. Vom 5. September bis 6. November 1900.
Derjenige Theil der Arktischen See, welcher zwischen dem Polarstrom
und der Westküste Spitzbergens, sowie zwischen dem Polarstrom und dem von
der Nordwestspitze bis etwa zu den Sieben-Inseln reichenden Theil der Nord-
küste dieses Landes liegt, kann während der Monate Juli, August und September
wohl mit Sicherheit zu den schiffbaren Gewässern gerechnet werden. Aber auch
während dieser Zeit befinden sich in den oben bezeichneten, besonders in den
nördlich von Spitzbergen gelegenen Gewässern Treibeismassen, die der Wind
sowohl vom Lande als auch vom Polarstrom weg und dorthin treibt. Nach
Dr. Wegener mußte z. B, im Jahre 1891 das Schiff des Grafen v. Zeppelin
im Smerenberg-Sund vor dem Eise nach Süden zurückweichen, und 1895 wurde
Kapt. Bade mit seinem Schiffe einen Tag in der Wijde-Bucht festgehalten, da
nördliche Winde Eis vor den Eingang der Bucht getrieben hatten.
Für die westspitzbergischen Gewässer beginnt die Schiffahrt häufig schon
früher und hängt hauptsächlich davon ab, zu welcher Zeit die von östlicher
Richtung durch Strom und Winde hergeführten Kismassen um das Südkap herum-
kommen, und in welcher Weise sie auf ihrem ferneren Wege nach Norden durch
Winde beeinflufst werden. Die Fangschiffe in Tromsö machen sich schon Anfang
Mai segelfertig. 1896 hat die „Gjöa“ schon im Mai Robben in den westspitz-
bergischen Gewässern gejagt. Ich habe diese sowie die folgenden Daten theil-
weise aus Dr. Wegeners Buch „Zum ewigen Bise“ entnommen. 1896 hat Mr.
Pikes sein auf der Dänen-Insel stehendes Haus schon am 16. Juni besucht. In
demselben Jahre und ebenfalls am 16. Juni traf die „Virgo“, welche Andree
nach Pikes-Haus bringen sollte, auf 77° N-Br unübersehbare Treibeismassen.
Sie lief..deshalb in den Horn-Sund ein. Am 20. gelangte sie bis zum Eisfjord
und am 21. nach ihrem Bestimmungsort, dem Virgo-Hafen bei der Dänen-Insel.
Verschiedene Bootsfahrten, welche durch den ganzen Smerenberg-Sund bis zur
Moffen-Insel gemacht wurden, ergaben, dafs derselbe zu der Zeit nicht durch Eis
gesperrt war... Im Jahre 1897 befanden sich das schwedische Kanonenboot
„Svensksund“ und der Dampfer „Virgo“ schon am 30. Mai vor dem Dänen-Gat,.
Kin seit mehreren Tagen wehender NNO hatte das Eis von der Küste ab-
getrieben... Der Smerenberg-Sund und das Dänen-Gat waren noch mit Treibeis-
massen bedeckt, welche jedoch ein langsames Vorwärtskommen der Schiffe er-
möglichten, Die „Ellida“, ein norwegisches Fangschiff, fand 1895 den Weg nach
Süden schon Mitte Oktober durch Eis versperrt, auch der Bel-Sund war schon
damit gefüllt, weshalb sie weiter nördlich nach dem Eisfjord segelte und in der
Advent-Bucht überwinterte, Im nächsten Jahre trieb das Eis schon im Mai aus
dem Eisfjord, so dafs sie mit eineın Boot nach dem Bell-Sund segeln konnten,
Sie fanden denselben aber noch mit Eis angefüllt.