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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

412 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1901. 
grofsen Segelschiffen besuchten Ort sollte sich ein Schleppdampfer doch bezahlt 
machen, zumal er ja zugleich einen regelmäfsigen Postdienst nach Guaymas be- 
sorgen könnte, was jetzt nur in sehr unregelmäfsiger und primitiver Weise 
geschieht. Endlich um 9"a kam ein Boot mit einem Lootsen, Mexikaner, ab, 
der uns nachmittags 1 Uhr auf der Rhede von Santa Rosalia zu Anker brachte. 
Es blieb den ganzen Tag dick von Regen und flauer Wind von NW. Man sagte, 
dafs man seit Jahren kein solches Regenwetter in dieser Jahreszeit gehabt hätte. 
Der 26. Januar war der 165. Tag unserer Reise von der Elbe, der 153. 
von Lizard, von denen 16 allein im Golf von Kalifornien zugebracht worden 
waren. Die Bark „Antuco“ hatte Anfang Januar, den Golf heraufkommend, oft 
günstigen Strom; er wurde sogar in einem Etmale bei Windstille 45 Sm nördlich 
versetzt. Denselben Strom fand das englische Schiff „Marion Josuah“. Auf dem 
Hamburger Vollschiffe „Ariadne“ wurde ebenso wie auf „Osorno“ im Ganzen nur 
wenig Strom beobachtet, weder südlicher noch nördlicher. „Antuco“ und „Ariadne“ 
machten gute Reisen. Sie nahmen beide die Route östlich der Kapverden, wo- 
durch sie bis zur Linie 20 Tage gegen „Osorno“ gewannen. Der Vorsprung, 
durch den sie auch nach Kap Horn früher gelangten, brachte ihnen wieder auch 
dort eine günstigere Gelegenheit, als wir antrafen. „Antuco“ machte mit Ost- 
wind einmal sogar 200 Sm in 24 Stunden. Schliefslich fanden sie sich im Golf 
30 viel mehr begünstigt, dafs sie von Kap San Lucas nach Santa Rosala sieben 
Tage weniger als „Osorno“ benöthigten. „Autuco“ machte die Reise in 128 Tagen, 
„Marion Josuah“ hatte 159 Tage Reise, ein englisches Schiff, das vor uns von 
England abgegangen war, ist noch nicht hier, 
Die Kollegen, welche den Golf in 7 bis 10 Tagen aufkreuzten, müssen 
entschieden mehr Glück gehabt haben als wir. Wir haben jedenfalls auch keine 
Gelegenheit unbenutzt gelassen, trotzdem hatten wir die lange Reise von 16 Tagen. 
Uebrigens sagten mir Schonerkapitäne, daß auch sie schon ähnlich lange Reisen 
gehabt hätten. Die mittlere Dauer von Kap San Lucas nach Santa Rosalia 
rechneten sie zu 8 bis 12 Tagen. Die beiden mit uns aufkreuzenden Schoner 
waren 4 bis 5 Tage vor uns angekommen, das Vollschiff einen Tag. Wir hatten, 
wie gesagt, nicht viel Gegenstrom; was uns am meisten Hindernifs bereitete, 
war die unruhige kurze, springende See, welche das Schiff aufhielt und ihm Ab- 
trift verursachte. Auch kreuzen mit Coke beladene Schiffe, da diese Ladung zu 
leicht ist und dem Schiffe keinen Druck gegen das Wasser giebt, wohl immer 
schlecht auf. Die Rechnung auf eine günstige Windänderung unter Land hat 
uns oft betrogen.) 
In Santa Rosalia soll ein richtiger Hafen gebaut werden, in welchem die 
Schiffe an den Molen löschen können, was eine bedeutend raschere Entlöschung 
derselben ermöglichen wird. Der Bau der Nordmole ist schon weit gefördert. 
Eine Südmole soll folgen. Zur Zeit liegen die Schiffe südlich von der Ansiedlung 
und der Nordmole auf 12 bis 15 Faden Wasser zu Anker. Die Rbede ist bei 
Sturm unsicher, Dies beweisen die am Strande liegenden Wracks, auch gröfserer 
Schiffe. Zuweilen weht es hier hart ans NW mit hoher See; da ist es rathsam, 
(Gienen bereit zu halten, um sie auf die Ankerketten zu schlagen, wenn das Schiff 
i) Die Anweisungen im Segelhandbuch der Seewarte für den Stillen Ozean besagen S. 573 
über das Aufkreuzen im Golf Folgendes, das sich auf die Erfahrung einer Reihe von Schiffsführern 
gründet: Beim Aufkreuzen im Golf von Kalifornien gegen die von November bis April herrschenden 
nordwestlichen Winde halten sich die meisten Schiffe unter der kalifornischen Küste, Einige, wie 
„Peiho“ und „Montana“ (siehe deren Berichte S. 562 des Segelhandbuches) haben es vortheilhafter 
gefunden, die Mitte des Golfs zu halten, weil sie unter der Küste die wechselnden Land- und See- 
winde nicht fanden, vielmehr abends den Wind noch nördlicher erhielten. Das Fehlen der Land- 
briese melden auch andere Schiffe, Vielleicht hatte dasselbe aber nur darin seine Ursache, dafs die 
Schiffe nicht zur richtigen Zeit unter Land standen. Es ist zu bedenken, dafs die Landbriese nicht 
am Abend, sondern gewöhnlich erst nach Mitternacht einsetzt und bis etwa 9 Uhr vormittags anhält, 
Die Seebriese beginnt meistens gegen 11 Uhr vormittags und hält oft bis in die Nacht hinein an, 
Nach den Rathschlägen der meisten Schiffsführer kann hier nur empfohlen werden, unter der kali- 
fornischen Küste aufzukreuzen. Das Schiff „Ferdinand“, das sich in der Nähe der Küste hielt, legte 
im Januar 1890 die Strecke von Kap San Lucas nach Guaymas in der ungewöhnlich kurzen Zeit 
von 7 Tagen zurück. Es möge hier noch bemerkt werden, dafs an den meisten Stellen, wo der 
herrschende Wind eine tägliche Drehung nach See am Nachmittag, nach Land am Morgen vornimmt, 
der kräftigste und am meisten aus See kommende Wind um 4 bis 5 Uhr nachmittags, der frischeste 
und am meisten aus Land kommende um Sonnenaufgang zu wehen pflegt, Je näher der Küste, desto 
größer pflegen die Richtungsunterschiede zu sein,
	        
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