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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Bericht über die Fahrt von Kap San Lucas nach Santa Rosalia. 411 
In der Nacht vom 17, zum 18, Januar hatten wir zwischen 9* und 10* 30" p 
dreimal ein 5 bis 8 Sekunden andauerndes Seebeben; die ersten beiden Male 
ziemlich hart, als ob das Schiff über den Grund liefe. Es war in 24° 50’ N-Br 
und 109° 30‘ W-Lg. Wir lotheten 30 Faden, ohne Grund zu finden, peilten die 
Pumpen, aber das Schiff war dicht. Um 0" 30“ a verspürten wir noch ein See- 
beben. Je mehr wir uns der Küste von Kalifornien näherten, desto nördlicher 
holte auch an diesem Tage, dem 18., der Wind, bis er zuletzt NzW war. Gegen 
5" p wurde es ganz still und blieb so während der Nacht bei sternklarem Himmel 
und starkem Thau. Das Vollschiff und ein Gaffelschoner waren bei uns. Um 
8b a des 19. Januar kam leichter Wind aus südöstlicher Richtung durch, der den 
Tag über anhielt, aber in der folgenden Nacht langsam westlicher zog. Nach 
Sonnenuntergang wieder klarer Himmel und sehr starker Thau. 
Am 20. Januar hatten wir den Tag über flaue Briese aus NW bis Nord. 
Keine Dünung im Wasser; diesige feuchte Luft, aber oben ganz klar, bei Nacht 
oft so klar, dafs die Leute auf- oder untergehende Sterne für Dampferlichter an- 
sahen. Bei Tag waren wir dicht unter Santa Catalina. Das mitsegelnde Voll- 
schiff und der Schoner waren während der Nacht verschwunden. Abends 6 Uhr 
standen wir wieder unter Santa Catalina. Als wir gewendet hatten, holte der 
Wind bis WNW herum und gab uns, zugleich bis Stärke 4 zunehmend, eine 
etwas günstigere Gelegenheit. 
Der 21., 22. und 23. Januar brachten uns ziemlich frischen Wind aus NW 
bis NWzW, der zeitweilig zur Stärke 6 bis 7 anwuchs und spät abends am 22. 
bis WzN holte. Wir kreuzten zwischen der Insel Carmen und Guaymas. Es 
schien, als ob, je schmieriger die Luft und je mehr Cirren am Himmel, desto 
mehr Wind kam. Das Land bei Punta Lobos an der Festlandküste vertonte sich 
sehr merkwürdig. Die Berge sahen aus wie Festungen oder Burgen mit einzelnen 
Flaggen darauf — eine Art Fata Morgana. Der Berg La Giganta war in sehr 
grofser Entfernung noch hoch emporragend deutlich zu sehen. In der Peilung 
Insel Tortuga West und Berg La Giganta SzW sieht die Insel nicht sehr hoch 
aus. In der Nacht zum 24. Januar hatten wir den Wind beständig NWzW his 
NWzN 5 bis 7. Um 6'/%® a peilte das Feuer von Guaymas, das sehr gut brennt, 
NNO in der Kimm und die Insel San Pedro Nolasco NW'!/N. Das Land nörd- 
lich vom Feuer ist sehr hoch und weit sichtbar, und auch die Berge an der 
Steuerbordseite der Einfahrt von Guaymas sind weit zu sehen. 
Am Mittag des 24. sahen wir den Rauch von Santa Rosalia und wendeten 
um 2° p, die Insel Tortuga in NNW. In dieser Peilung sieht die Insel wirklich 
wie eine Riesenschildkröfe aus. San Marco, das verschiedene Hügel und Höcker 
hat, erscheint aus der Ferne nicht sehr hoch. Abends 8a wendeten wir wieder 
dicht unter Tortuga. Der Wind war NW 3, holte später mehr westlich bis West, 
wurde dann aber sehr flau und zuletzt ganz still mit Regenwetter. Am 25. Januar 
morgens noch still, später jedoch Zug aus SO. Sehr bedeckt, hin und wieder 
Regentropfen, sehr intensives Morgenroth. Um 7"a peilte Tortuga SW*/4S und 
Las Virgenes WSW. Schon tagelang hatte das Gewölk aus SW gezogen. Jetzt’ 
da wir uns bis .hier hinaufgequält hatten und wir Santa Rosalia mit Nordwest- 
wind gut besegeln konnten, erhielten wir den Wind von der Südseite. Das war zu 
toll. Um 9" 30” a sahen wir wieder den Rauch von Santa Rosalia in SW. Der 
Wind, vorher SO, schralte zur selben Zeit ab bis SSW, so daß wir den. Be- 
stimmungsort jetzt recht im Winde hatten, Später war die Briese sehr flau und 
mallend, das Wetter dick und sehr regnerisch. 
Um 4"p hatten wir uns Santa Rosalia bis auf 15 Sm genähert und konnten 
schon den grofsen Schornstein erkennen. Abends sahen wir die vor Anker 
liegenden Schiffe und später die sehr hellen elektrischen Feuer. Es blieb fast 
die ganze Nacht still, nur hin und wieder kam ein flauer Zug aus W, S und 
NO. Am nächsten Morgen fanden wir, dafs uns der Strom seit dem vorher- 
gegangenen Abend 10 Sm nordwestlich vertrieben hatte. Auf den Bergen lagen 
Wolken. Wir trieben mit sehr flauer Briese aus NNO auf Santa Rosalia zu, auf 
einen frischeren Wind hoffend. Während der ganzen Nacht hatten wir die elek- 
trischen Feuer gesehen. Um 8a am 26. Januar sahen wir auch die Unterschiffe 
der auf der Rhede ankernden Fahrzeuge. Aber kein Lootse liefßs sich sehen. 
Wäre dies ein englischer oder amerikanischer Platz, so wären sicherlich Lootse 
und Sochleppdampfer schon gestern längseite gewesen. An einem von so vielen
	        
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