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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

410 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1901. 
sahen wir die Sierra de la Victoria in WSW. Das Schiff lag NOzN vor, wir 
wendeten diesmal morgens nicht westwärts. Das viele Cirrus-Gewölk zog aus 
WSW. Am 13. holte der Wind, nachdem er die letzten 24 Stunden stetig NW 
4 bis 5 gewesen war, am Vormittag, abflauend, nach NzO 1, dann gegen Mittag 
wieder bis NNW und NWzN2, Die Dünung aus NW blieb trotz des flauen 
Windes, Das Gewölk zog aus NO, viele Cirren, leichte Regenschauer. Der _Vier- 
mastschoner hatte bis heute nicht viel mehr gewonnen wie wir. Mittagsbesteck 
23° 52‘ N-Br und 108° 25‘ W-Lg. Ein trauriges Resultat in drei Tagen. Um 3" p 
sahen das Gebirge von San Sebastian in NO0*420, wendeten westwärts. Um 11*p 
passirte uns noch ein Dreimastschoner, auch aufkreuzend. 
Am 14. Januar hielt der Wind sich zwischen NzW und NWzN in der 
Stärke 2 bis 4 abwechselnd. Tags über war es sehr bewölkt, nachts klar. Wir 
lagen westwärts bis Mitternacht, waren dann etwa 10 bis 12 Sm vom Lande, 
erhielten aber keine Landbriese. Wenn man keine Leuchtfeuer hat und wo das 
Vorland, selbst auch die Berge, meistens in Dies (Dunst des Landes) liegen, ist 
es nicht angebracht, mit veränderlichen Winden, oft Stille und mit starker 
Dünung, sich mit einem gröfseren Schiffe zu dicht unter Land zu begeben. 
Gaffelschoner können das eher wagen. Uebrigens blieben die beiden mitkreuzenden 
auch nicht dicht unter Land, sondern lagen manchmal weiter ostwärts wie wir, 
Da die Führer dieser holzbeladenen Schoner diese Gewässer kennen, sollten sie 
doch die beste Gelegenheit zum Aufkreuzen zu finden wissen. Der Mafsstab der 
von uns gebrauchten Karte Imray Sea 135 ist auch viel zu klein für das Auf- 
kreuzen hier. Giebt es keine mit größerem Besteck?!) 
14. Januar Wind NWzW 3, See abgenommen, schönes Wetter, Das 
Mittagsbesteck ergab 23° 58‘ N-Br und 108° 48’ W-Lg. Sage und schreibe: In 
24 Stunden Kreuzens 6 Sm Nord gemacht! Schöne Aussichten! Die Schoner 
waren jetzt weit luvwärts von uns, was in Anbetracht ihrer Takelung ja zu er- 
warten war. Je mehr wir uns der Westlandküste näherten, desto westlicher 
holte der Wind, bis WzS 3. Am 15. blieb der Wind während der Nacht NWzW 
bis WzN 2 und 1. Die Schoner waren aus Sicht, dafür sahen wir im Lee ein 
Vollschiff. Sahen die Berge von Unter-Kalifornien in SW. Der Strom hatte 
uns zurückgesetzt. Sehr bezogene Luft. Was man in Tagen mit Noth und Mühe 
aufgearbeitet hat, treibt man oft in Stunden mit Windstille und Gegenstrom 
wieder zurück. Sahen verschiedene Walfische und einige Schildkröten, auch 
kleinere Fische und viele graubraune Möven, von denen einige bei steifer Briese 
unter dem Zuge der Segel auf Deck fielen. 
Am 16. Januar kam nach langer Stille abends leiser Zug aus SO durch, 
der später nach SW und gegen Morgen auf Nord ging. Die Nacht war klar. 
Nach 9"a wurde es wieder ganz flau. Das Schiff war südöstlich von uns noch 
eben in Sicht. Mittags peilte Ceralbo-Insel zwischen WSW!/@W und WzN a. K., 
Kap Arena 5. Am 17. war der Wind NW bis NWzW 3 bis 5 und wurde auch 
nicht westlicher, als wir bei Mitternacht bis dicht unter Ceralbo liefen. Tags- 
über war der Himmel meistens bedeckt, nachts ganz sternklar. Sobald der Wind 
auffrischte, war auch gleich eine kurze See im Wasser. 
Nachdem wir während der zweiten Nachthälfte nach NO gesegelt waren, 
kamen gegen 8a am 18. Januar die Festlandberge in Sicht. Wir wendeten 
westwärts. Das mitsegelnde Schiff war nicht mehr zu sehen. Der Wind blieb 
NWzW bis NW, 5 bis 3. Das Kreuzen brachte uns nicht weiter. Das Schiff 
segelt nicht näher am Winde als auf 6'/2 Striche und treibt außerdem 1 Strich 
mit der kabbeligen See nach Lee. Wie soll man da aufkreuzen? Man läuft hin 
and her und gewinnt nichts. Große Raaschiffe können auch nicht wie Gaffel- 
achoner jede Stande oder auch nur alle zwei Stunden über Stag gehen; das 
würden auf die Dauer die schwachen leichten Besatzungen, die man jetzt hat, 
nicht wohl gutmachen können. Landwinde fanden wir his jetzt auch nicht. 
') Als die besten auf den neuesten Vermessungen basirten Karten des Golfs von Kalifornien 
sind wohl die vom Hydrographic Ofüce in Washington unter No. 620 und 621 herausgegebenen 
zu betrachten. Die erstere reicht bis etwas nördlich von 29° N-Br, Sie sind verbessert heraus- 
gegeben 1899 bezw. 1896. Ferner sind herausgegeben 1896 No. 619: „Gulf of California from 
29° 20° N. to the Head of tlıe Gulf“ und 1899 unter No. 1664: „Southern Part of Lower Cali- 
fornia“, Kapt. Albrand erwähnt in einem späteren Berichte selbst, dafs ihm die erwähnten Karten 
in San Francisco als die besten empfohlen worden sind.
	        
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