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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1907
tiefen zeigen müsse. Selbst Dampfer mit geringem Tiefgange dürfen diese
Durchfahrt nur bei Hochwasser wagen und müssen sich dabei nahe der Insel-
küste halten und auf die nördlichste der drei Inselchen zu halten, die Mörsel
als „Flache Inselgruppe“ bezeichnet, bis sie klar von der mit Klippen besetzten
Huk an der Ostseite der Durchfahrt sind, d. h. bis der enge Pafs zwischen dem
Inselchen Pio sem und der Festlandshuk offen erscheint.
Ankerplätze. Das englische Handbuch empfiehlt, südöstlich von der Insel
Dau tschen auf 8 bis 11 m zu ankern; der Grund besteht aus Sand und Muscheln,
ist aber stellenweise felsig; man ankere in der Kreuzpeilung: Die Südkante von
Dau tschen in West und die Ostkante derselben Insel in Nz0!/40.
Vor Tschinampo liegt der beste Ankerplatz nach Mörsel mitten im Strom
oder auch etwas näher nach der südlichen Küste hin auf 18 bis 11 m Wasser.
Unter der Südküste vermeidet man den starken Ebbstrom mehr. An der
Tschinampo-Seite können nach Mörsel nur zwei Schiffe Ankerplätze finden, und
auch diese Plätze sind dem starken Ebbstrom ausgesetzt.
Gezeiten, Nach Kapt. Mörsels Bericht beträgt die Hafenzeit vor der
Outside-Insel (womit vermuthlich das Inselchen Sei tau vor der Westküste der
Insel Choda zu verstehen ist) 7* 45", die Fluthhöhe bei Springtide 6,4 m, bei
Niptide 4,3 m. Der Strom erreicht vor der Einfahrt 2 bis 3 Sm Geschwindigkeit.
Nach englischen Angaben ist die Hafenzeit der Insel Tau tschen 8° 14”; Fluth-
höhe bei Springtide 4,7 m, bei Niptide 2,7 m und Fluthhub bei Niptide 1,4 m.
Vor der Huk Hon bagu setzt der Ebbstrom mit 2!/4 Sm Geschwindigkeit bei
Springtide nach Süden. Auf der Rhede von Tschinampo erreicht der Ebbstrom
3 bis 4 Sm und in der Regenzeit noch größere Geschwindigkeit. Starker Strom,
43/4 Sm bei Ebbe und 2/2 Sm hei Fluth, läuft in der Enge an der Südseite des
Inselchens Pio sem. Vor der Westküste der Insel Daun tschen setzt der Ebb-
strom nach Süden, vor ihrer Nordküste nach Westen mit 2!/2 Sm Geschwindigkeit;
Ua Sm nördlich von der Nordwesthuk der Insel Dau tschen setzt der Fluthstrom
mit 2'/ Sm Geschwindigkeit nach NNO.
Tschinampo hat nach dem Bericht des Kapt. Mörsel verschiedene Nach-
theile als Hafenplatz. Der Ort liegt in einer Bucht, deren Strand bei Niedrig-
wasser auf mehr als !/a Sm Breite trocken fällt. Die Anlage von Dämmen,
Kaien oder Landungsbrücken würde mit sehr grofsen Kosten verknüpft sein und
würde auch infolge des starken Ebbstromes grofse Schwierigkeiten machen. Auch
für den Ausfuhrhandel hält Mörsel die Lage des Ortes nicht für günstig, weil
alle Waaren erst von weit hergeschafft werden müssen.
Tschel tau-Ankerplatz liegt etwa 32 Sm innerhalb der Einfahrt in die
Ping Yang-Föhrde und etwa 11 Sm oberhalb Tschinampo und bildet ungefähr
die Grenze der Schiffbarkeit der Ping Yang-Föhrde für grofse Schiffe bei jedem
Stande der Tide. Der Ankerplatz liegt etwa 1'/ Sm westlich von der Westhuk
Tetto jo der Insel Tschel tau in der Nähe der Südküste der Föhrde auf etwa
20 m Wasser. Bei der Insel Tschel tau münden der Taitong Kang von Norden
her und der Sai nei ko von Süden her in die Ping Yang-Föhrde.
Die Fahrt auf dem Taitong Kang machte Kapt. Mörsel zuletzt im
Jahre 1897 auf der Dampfpinasse des erwähnten russischen Kanonenbootes und
batte selbst etwas oberhalb von Tschinampo geankert. Nach englischen Angaben
können Fahrzeuge von 3 bis 3,7 m Tiefgang den Ort Posan bei Niedrigwasser
erreichen; die geringste Wassertiefe auf dieser Strecke beträgt etwa 4,5 m auf
einer Barre, die etwa 11 Sm oberhalb Tschel tau liegt. Bei Hochwasser können
Fahrzeuge von etwa 3 m Tiefgang den Ort Sek ho tscheng erreichen, der 7 Sm
oberhalb Posan liegt. Oberhalb Sek ho tscheng bis nach Ping Yang ist der
Flufßs bei Hochwasser nur für Fahrzeuge bis zu 2,4 m schiffbar. Die Hafenzeit
für Posan beträgt etwa 10* 30”, die Fluthböhe bei Springtide 6,2 m, bei Niptide
5,3 m. Bei Sek ho tscheng steigt die Springfluth 4,5 m und bei Ping Yang etwa
24 bis 2,7 m. Die Gezeitenströme erreichen 11/2 bis 2 Sm Geschwindigkeit,
zwischen Ping Yang und Posan und 2 bis 21/2 Sm zwischen Posan und Tschel
tau. In der Regenzeit wird der Fluthstrom nur bis etwa 10 Sm oberhalb Tschel
tau fühlbar.
Kapt. Mörsel berichtet über seine Fahrt auf der Dampfpinasse: „Wir
fuhren bei Niedrigwasser ab, und ich fand bald, dafs das Fahrwasser sich nur
wenig verändert hatte. Stellenweise war die Fahrrinne gestireckter als früher