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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Augnst 1901.
Diese drei Kärtchen, die sich auf der Rückseite des Blattes befinden,
geben auch in grofsen Zügen den Zustand des Luftdrucks von zehn zu zehn Tagen
und die Temperaturvertheilung in Abweichungen vom vieljährigen Mittel für
Nordamerika, den Nordatlantischen Ozean und Europa.
Die eigentliche Lootsenkarte auf der Vorderseite enthält die Isobaren,
theilweise von Millimeter zu Millimeter. Die Lufttemperatur ist zur besseren
Uebersichtlichkeit in römischen Ziffern angegeben, z. B. + XII, — VI. Denkt
man gich die verschiedenen Punkte gleicher Temperatur durch Linien verbunden,
so kann man sich leicht ein Bild von der Einwirkung der Temperaturvertheilung
auf den Luftdruck und den Verlauf der Winde machen. Diese sind nach dem
amerikanischen System auf Grund ihrer relativen Häufigkeit für die einzelnen
Fünfgradfelder dargestellt. Die Länge und Richtung der Pfeile zeigt deutlich
die Windstärke; von den Winden sind nur solche eingetragen, deren durchschnitt-
liche Häufigkeit 8 °% oder mehr der beobachteten Gesammtzahl ausmacht. Jedes
dieser Quadrate weist vier Zahlen auf, von denen die in der linken oberen Ecke
die mittlere Temperatur des Oberflächenwassers, die in der rechten oberen Ecke
die mittlere prozentische Häufigkeit der Stürme, d. i. der Winde von der Stärke 8
oder mehr, angiebt. Die Zahl in der linken unteren Ecke zeigt uns die mittlere
Anzahl der Stunden mit Nebel und die in der rechten unteren Ecke die Durch-
schnittszahl der Stunden mit sonstigem Niederschlag — Regen, Schnee und
Hagel — in dem betreffenden Monat.
Selbverständlich sind die Passatgrenzen und die Bahnen der Wirbelstürme
verzeichnet, deren Centren von Tag zu Tag mit den entsprechenden Barometer-
ständen angegeben sind. Ebenso sind die Grenzen des Treibeiges und Nebels
bei den Neufundlandbänken durch die gebräuchlichen Zeichen ausgedrückt,
während passende Anınerkungen den Seemann von den verschiedenen Unglücks-
fällen in Kenntnifs setzen, die freilich schon geschehen sind, sich aber zu seinem
Schaden wiederholen können. Der kundige Verfasser der Karte hat sich nicht
allein darauf beschränkt, dem Seefahrer eine stumme Sammlung graphischer Dar-
stellungen zu geben, sondern er kommt ihm mit tausend Rathschlägen und Infor-
mationen entgegen, die zur Aufklärung der Kapitäne dienen, nicht nur vom
navigatorischen und meteorologischen Standpunkte aus, sondern auch vom kauf-
männischen. Es ist in der That ein schöner Erfolg, dafs jede Karte über den
meteorologischen Zustand des Atlantischen Ozeans auf Grund der früheren KEr-
fahrungen Auskunft giebt. Die zahlreichen Anmerkungen veranlassen den Kapitän
von Fall zu Fall, besondere Elemente der Karte zu betrachten, die gerade seine
unmittelbare Aufmerksamkeit erheischen, wie z. B. die Wassertemperatur in der
Nähe der amerikanischen Küste, die Trift des Eises in einer gewissen Breite und
die Wahrscheinlichkeit von Nebel und Sturm in den verschiedenen Gegenden,
die yon den Dampferwegen durchschnitten werden. Ebenso wird der Kapitän
angehalten, die gefährliche Nähe von Wracken und Wracktheilen zu vermeiden,
wie die von Eisbergen und KEisfeldern, die in ungewöhnlichen Breiten beob-
achtet worden sind.
Endlich finden wir umfangreiche und genaue Angaben über das Wetter
während des verflossenen Monats, zusammengestellt nach den Berichten der
Kapitäne. Andre schätzbare Informationen kaufmännischen Charakters sind den
Konsulatsberichten und Kapitänsfragebogen entnommen, welch letztere aufser
Angaben über Häfen auch Veränderungen an Leuchtfeuern, Hafenunkosten. Trink-
wasserversorgung und die Kosten desselben enthalten.
Alles dies giebt uns einen Einblick in die bewunderungswürdige Organi-
sation der Deutschen Seewarte in Hamburg, die seit 25 Jahren der eifrigen
Fürsorge Neumayers untersteht, und in die werthvolle Mitarbeit der Kaiser-
lichen Marine, Anderseits geht daraus deutlich hervor, dafs die deutsche
Handelsmarine, hervorragend durch ihre Initiative und den unerhörten Aufschwung,
ebenfalls Offiziere besitzt, die fähig sind, die Bedeutung der meteorologischen
Beobachtungen zu verstehen und intelligent genug, um für ein wissenschaftliches
Institut zu arbeiten, das es verstanden hat, sich in wenigen Jahren den Weltruf
des hydrographischen Institutes in Washington zu erwerben.
J. Herrmann.