372 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1901,
NO den Abschlufs des sichtbaren Landes. Um die Untiefen vor der Shoal-Huk
sicher zu meiden, thut man gut, auf den Fischer - Berg zuzuhalten, bis die
deutlich ausgemachte Rhede von Schanhaikwan etwa NW peilt. In dieser Peilung
dampft man dann auf den Ankerplatz.
S. M. S. „Hertha“ fand auf der offenen Rhede von Schanhaikwan am
30. und 81. Januar 1901 starkes Eistreiben und beobachtete zeitweise Eisfelder,
Nebel und aufsteigende Wasserdämpfe gestatteten kaum 2 bis 3 Sm Sichtweite.
Wassertemperatur — 1,2° bis — 1,8°; Lufttemperatur — 11,6° bis — 12,4°; Wind
ONO bis NO, Stärke 6 bis 8.
Zeitbestimmung und Chronometerkontrole durch eine Höhendifferenz.
Von Dr. phil, Carl W. Wirtz, Lehrer an der Navigationsschule in Hamburg.
In der Abhandlung „Ueber ein Problem der sphärischen Astronomie und
seine Bedeutung für die Nautik“!) wurde gezeigt, wie man ohne grofsen Beob-
achtungs- und Rechenaufwand eine einwurfsfreie vollständige Ortsbestimmung
durch Beobachtung von Höhendifferenzen über der Kimm erhält und auf diese
Weise die Anomalien der letzteren aus dem Schlufsresultat eliminirt. Durch jene
Methode ergaben sich also bei bekannter Greenwich-Zeit beide geographische
Koordinaten des Schiffsortes.
Unter Beibehaltung des Princips der Elimination der Kimmtiefe bietet
sich nun auch eine recht einfache und ökonomische Zeitbestimmung dar, Der
Aufgabe können wir folgende Fassung geben: Aus der Höheudifferenz zweier
Sterne und der zugehörigen Zwischenzeit bei bekannter Polhöhe den
Uhrstand zu bestimmen.
Dieser Aufgabe kommt heute mehr denn früher eine besondere Wichtig-
keit für die Chronometerkontrole an Orten zu, welche kein Zeitsignal besitzen,
deren Länge aber gut gegeben ist. Denn in unserer Zeit fährt der Schiffsoffizier
schwerlich noch im Hafen zum Zwecke der Chronometerkontrole an Land und beob-
achtet über dem künstlichen Horizont; er ist vielmehr auf Messung von Kimmabständen
angewiesen, und die werden, wie 1. c. gezeigt, gerade in der Nähe der Küste erheb-
lichen Refraktionsanomalien unterworfen sein. Korrespondirende Höhen aber binden
einmal den Beobachter an bestimmte Momente, hängen ferner zu sehr von den Launen
der Witterung ab und machen endlich die unzulässige Voraussetzung, dafs die Kimm-
tiefe bei der Vor- und Nachmittagshöhe gleich gewesen. Der moderne Navigateur
will ein Verfahren, mittelst dessen er jederzeit innerhalb weniger Minuten eine
zuverlässige Standbestimmung auszuführen vermag. Das Verlangte leistet die
eben genanute Aufgabe: zwei Sterne, kurz nacheinander gemessen, bilden das
ganze Beobachtungsmaterial, ihr Höhenunterschied das eigentliche Element der
Rechnung. Nebenher ergiebt sich noch, wenn die Instrumentalfehler berichtigt
oder scharf ermittelt sind, der wirkliche Betrag der Kimmtiefe.
Die Bezeichnungen der früheren Arbeit werden im Folgenden unverändert
beibehalten. Die Beobachtung liefert die Gleichungen: .
sin h, = sing «sind, + cos go - cos d,+ cost,
sin (h, + Jh) = sing + sin d, A cos © + cos 0, + cos (t, +7),
aus denen sich die Unbekannten t, und h, ableiten lassen. Die indirekte Lösung
bietet auch hier vor der direkten manche Vortheile. Durch Differentiation nach
den gesuchten Gröfsen h, und t, entsteht:
ah, = dt, -cosm-sinA, |
dh, +d.Jh = dt, -cosp-sinA, J
Die Subtraktion beider Gleichungen (1) liefert:
d./h = dt, - cos g (sin A, — sin A,)
und daraus folgt als Verbesserung des angenommenen Uhrstandes:
dt, = do . SCC@ * SEC A * COseL Ar—
\ Siehe „Ann. d, Hyır. etec.“, 1901, Heft VII