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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1901,
Zur Küstenkunde der Philippinen,
Nach „Notice to Mariners“ No. 694, 695, 731, 728, 729, 730. Washington 1901,
Rio Grande de Kagayan an der Nordküste der Insel Luzon.‘)
Die Barre des Kagayan-Flusses hatte auf der flachsten Stelle des Fahr-
wassers wenig mehr als 5,5 m bei Niedrigwasser. An ihrer Aufsenkante fällt
die Barre steil ab; man kreuzt sie in etwa !/z Sm Abstand vor dem alten Maste,
der als Landmarke auf dem Westufer des Flusses steht. Die 5,5 m-Fahrrinne
ist auf der Barre etwa 140 m breit und wird dann innerhalb der Barre im Flusse
doppelt so breit, mit Tiefen von 6,4 bis 7,6 m Wasser, die man bis 1% Sm
innerhalb der Mündung findet.
An der Westseite der Einfahrt erstreckt sich ein Flach ziemlich weit nach
Norden. Während des Nordostmonsuns bei frischer Briese sind sowohl dieses
Flach als auch die Barre mit ihrer Fahrrinne an der Brandung gut zu erkennen
und erleichtern die Einsteuerung in den Flufs. Nach Angabe der Lootsen ver-
schiebt sich die Barre, so dafs alle Anweisungen für das Kreuzen der Barre mit
grofser Vorsicht aufgenommen werden müssen. Kinige Tonnen sind ausgelegt,
aber sie sind schwer zu erkennen.
Der Kagayan-Flufs ist für Fahrzeuge mit geringem Tiefgange etwa
100 Sm zu jeder Jahreszeit und während der Regenzeit noch eine Strecke weiter
Aufsaufwärts schiffbar. Schiffe, die während des Nordost-Monsuns Schutz suchen,
müssen in den Fluß einlaufen und im westlichen Flufßsarme gegenüber der Stadt
ankern. Ihre Ladung wird bei Hochwasser durch die enge Durchfahrt zwischen
den Inseln nach der Stadt Aparri gebracht. Barkassen und Flufsdampfer müssen
3 Sm flufsaufwärts laufen, um aus dem einen Flufßsarme in den anderen zu ge-
langen. Bis zum Jahre 1900 konnten Fahrzeuge von 5,5 m Tiefgang in den
schmalen östlichen Flußsarm einlaufen und gegenüber dem Stadtkai ankern, aber
durch Stürme im Februar und März 1901 versandete dieser Flufßsarm so stark,
dafs sein Ausgang nach See zu jetzt hei Niedrigwasser ziemlich trocken fällt und
dafs man vor der Stadt nur noch 2,1 bis 3,7 m Wasser findet.
Aparri hat eine Bevölkerung von etwa 10 000 Eingeborenen und Chinesen.
Das Ortsgeschäft ist hauptsächlich in den Händen der letzteren; soweit bekannt,
sind bisher keine Versuche gemacht worden, um den Bedürfnissen der Schifffahrt
entgegen zu kommen. Aparri ist als Hafen wichtig wegen der grofsen Menge
Tabak, der im Kagayan-Thale gewonnen wird.
Inseln an der Südostküste der Insel Luzon.
Die Inseln Katanduanes, Panai und Matulin sind auf der amerikanischen
H. O.-Karte No. 1729 nicht richtig eingetragen; sie liegen 10 bis 12 Sm weiter
züdlich und einige Seemeilen weiter östlich. Die Matulin-Insel war in Eins mit
der Jot-Huk in der Peilung rw. S79° W (mw. WzS); da in der Nähe der
Matulin-Insel Klippen und Riffe liegen, mulßs man von ihr in gutem Abstande
bleiben. Nach dem Mittagsbesteck des U. S. S. „Vicksburg“ liegt die ganze
Nordküste Luzons zwischen der Insel Palumbanes und der Lamon-Bucht auf der
H. O.-Karte No. 1729 nicht richtig; sie liegt 5 bis 10 Sm weiter östlich und
3 bis 8 Sm weiter südlich. Im Allgemeinen stimmen die Peilungen und Ab-
stände längs dieser Küste, so dafs es nicht schwer war, die verschiedenen Halb-
inseln und Inseln zu bestimmen.
Vor der Küste der Insel Lahui liegt eine kleine zuckerhutförmige, sehr
auffällige Insel. Auch ein anderes Inselchen vor der Tambang-Huk ist eine sehr
gute Landmarke.
Man thut gut, sich innerhalb weniger als 1 Sm Abstand von der Insel
Makulabo zu halten, bis man auf die Tonao-Inselchen zusteuern kann, um das
anbestimmte Flach in der Umgebung der Dajikan-Inseln zu meiden. Das Land
ist längs der Küste hoch, und nicht, wie die Karte auzeigt, niedrig. Die Insel
Alabat war ihres hohen Landes wegen leicht zu erkennen, aber das Inselchen
I) Val, „Ann. d. Hydrogr. ete,.“, 1900, Seite 587, und 1901, Seite 255.