Punta Arenas (Mag.).
bergen. Die Vereinigung besitzt zur Zeit 7 Dampfer von 20 bis 260 t, 15 Prähme
mit 750 t Tragfähigkeit und ferner eine Anzahl kleinerer Segelschiffe, Pumpen
u. s. w. Vier Taucher mit dem nöthigen Material sind vorhanden.
Quarantäne und Zollbehandlung. Die Quarantänebehandlung ist die in
den chilenischen Häfen übliche. Von Papieren wird nur ein Gesundheitspafs
verlangt. Andere Papiere sind nicht erforderlich, da Punta Arenas Frei-
hafen ist. |
Die Hafenanlagen von Punta Arenas beschränken sich auf zwei hölzerne
Landungsbrücken, von denen die eine für Passagiere und die andere zum Löschen
and Laden von Gütern bestimmt ist. Die erstere ist etwa 180 m lang und gehört
der Regierung, während die letztere Eigenthum der Firma Stubenrauch & Braun
ist und eine Länge von 160 m hat. Sie ist mit einem Dampfkrahn von 5t
Hebekraft und einem Handkrahn versehen; zwei Schienengleise führen von der
Brücke nach den Lagerhäusern und einem der Regierung gehörigen Kohlenschuppen,
Die Brücke ist mit einer Wasserleitung versehen, die mit der Hauptleitung in
Verbindung steht. Von der Regierung wird der Bau einer neuen Landungsbrücke
geplant, da die Passagierlandungsbrücke schon ziemlich baufällig ist.
Die Wassertiefe am Kopfe der Passagierlandungsbrücke beträgt bei
Niedrigwasser 1,4 m und am Kopfe der anderen Landungsbrücke 1,75 m. Bei
hohem Seegang werden die Köpfe der Landungsbrücken überfluthet; das Landen
ist dann unmöglich. In diesem Falle wird an der Flaggenstange an der Wurzel
der Landungsbrücke die Flagge F gehifst, zum Zeichen, dafs der Verkehr mit
dem Lande unterbrochen ist.
Laden. und Löschen geschieht mit Leichtern zum Preise von 5 $ die Tonne.
Reparaturen. Es sind Einrichtungen zum Ausbessern von Schiffen vor-
handen, allerdings zu hohen Preisen. Aufser einer Giefserei und Schmiede giebt
es drei Patenthellinge, von denen die eine Schiffe bis 1000 Registertonnen auf-
nehmen kann. Die Kosten für das Aufschleppen richten sich nach der Gröfse
des Schiffes und nach der Vereinbarung.
Hafenunkosten. Die Dispachegebühr für den Hafenkapitän beträgt 2 $,
Ausklariren kostet 25 $, Ein- und Ausklariren für Segelschiffe von jeder Gröfse
75 $. Für Laden und Löschen einschliefslich Benutzung der Landungsbrücke und
des Dampfkrahns wird 5 $ die Tonne der gelöschten oder geladenen Güter be-
vechnet. Die Benutzung der Passagierlandungsbrücke ist frei,
Die Stadt Punta Arenas, von den Engländern Sandy Point nach der
rvleichnamigen 2!/2 Sm nordöstlich davon gelegenen Huk genannt, ist die 8üd-
lichste Stadt Chiles und gleichzeitig Südamerikas. Sie wurde im Jahre 1849 an-
gelegt und entwickelte sich rasch. Durch die Revolution von 1877 theilweise
zerstört, wurde sie in einigen Jahren wieder vollständig aufgebaut und zählte
im Jahre 1882 gegen 300 Gebäude, die alle einstöckig waren und aus Holz be-
standen. Jetzt hat die Stadt etwa 8000 Einwohner, unter denen die Ausländer
überwiegen, und ist Heimathhafen von 11 Dampfern mit 1239 Registertonnen und
16 Seglern mit 1328 Registertounen. Etwa 300 Deutsche, die einen deutschen
Verein von ungefähr 70 Mitgliedern gegründet haben, sind am Ort ansässig.
Die Stadt ist auf einem leichten Abhange erbaut und besteht aus einigen
Strafsen, die sich fast parallel zum Strande hinziehen und etwa ebenso vielen,
welche dieselben kreuzen und senkrecht zum Meere hinabsteigen. Die Strafsen
sind breit und sandig, hier und da mit niedrigem Gras bedeckt; die Häuser, die
meist aus Holz bestehen und mit Schiefer oder Ziegeln gedeckt sind, stehen in
Quadraten zusammen. An der Nordseite der Stadt läuft der Rio de las Minas,
dessen Wasser über ein Bett von Kies und Steinen fliefst und kristallhell ist.
Die Bewohner von Punta Arenas treiben Schafzucht und Rinderzucht und
etwas Goldwäscherei; die in der Nähe befindlichen Kohlenminen wurden vor
längerer Zeit von einer chilenischen Gesellschaft bearbeitet, die zu diesem Zweck
Maschinen herbeischaffte und eine 5 Sm lange Bahn und eine Landungsbrücke
baute. Das Unternehmen ging jedoch an der Unfähigkeit der Leitenden sowie
an dem geringen Werth der Kohle, die nur für Oefen verwendbar ist, zu Grunde.
Handelsverkehr. Im Jahre 1897 liefen 194 Dampfer mit 399440 Register-
tonnen und 16 Segler mit 4260 Registertonnen ein; davon waren 63 Dampfer
mit 159 772 Registertonnen und 1 Segler mit 2000 Registertonnen deutsch.
357