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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Punta Arenas (Mag.). 
bergen. Die Vereinigung besitzt zur Zeit 7 Dampfer von 20 bis 260 t, 15 Prähme 
mit 750 t Tragfähigkeit und ferner eine Anzahl kleinerer Segelschiffe, Pumpen 
u. s. w. Vier Taucher mit dem nöthigen Material sind vorhanden. 
Quarantäne und Zollbehandlung. Die Quarantänebehandlung ist die in 
den chilenischen Häfen übliche. Von Papieren wird nur ein Gesundheitspafs 
verlangt. Andere Papiere sind nicht erforderlich, da Punta Arenas Frei- 
hafen ist. | 
Die Hafenanlagen von Punta Arenas beschränken sich auf zwei hölzerne 
Landungsbrücken, von denen die eine für Passagiere und die andere zum Löschen 
and Laden von Gütern bestimmt ist. Die erstere ist etwa 180 m lang und gehört 
der Regierung, während die letztere Eigenthum der Firma Stubenrauch & Braun 
ist und eine Länge von 160 m hat. Sie ist mit einem Dampfkrahn von 5t 
Hebekraft und einem Handkrahn versehen; zwei Schienengleise führen von der 
Brücke nach den Lagerhäusern und einem der Regierung gehörigen Kohlenschuppen, 
Die Brücke ist mit einer Wasserleitung versehen, die mit der Hauptleitung in 
Verbindung steht. Von der Regierung wird der Bau einer neuen Landungsbrücke 
geplant, da die Passagierlandungsbrücke schon ziemlich baufällig ist. 
Die Wassertiefe am Kopfe der Passagierlandungsbrücke beträgt bei 
Niedrigwasser 1,4 m und am Kopfe der anderen Landungsbrücke 1,75 m. Bei 
hohem Seegang werden die Köpfe der Landungsbrücken überfluthet; das Landen 
ist dann unmöglich. In diesem Falle wird an der Flaggenstange an der Wurzel 
der Landungsbrücke die Flagge F gehifst, zum Zeichen, dafs der Verkehr mit 
dem Lande unterbrochen ist. 
Laden. und Löschen geschieht mit Leichtern zum Preise von 5 $ die Tonne. 
Reparaturen. Es sind Einrichtungen zum Ausbessern von Schiffen vor- 
handen, allerdings zu hohen Preisen. Aufser einer Giefserei und Schmiede giebt 
es drei Patenthellinge, von denen die eine Schiffe bis 1000 Registertonnen auf- 
nehmen kann. Die Kosten für das Aufschleppen richten sich nach der Gröfse 
des Schiffes und nach der Vereinbarung. 
Hafenunkosten. Die Dispachegebühr für den Hafenkapitän beträgt 2 $, 
Ausklariren kostet 25 $, Ein- und Ausklariren für Segelschiffe von jeder Gröfse 
75 $. Für Laden und Löschen einschliefslich Benutzung der Landungsbrücke und 
des Dampfkrahns wird 5 $ die Tonne der gelöschten oder geladenen Güter be- 
vechnet. Die Benutzung der Passagierlandungsbrücke ist frei, 
Die Stadt Punta Arenas, von den Engländern Sandy Point nach der 
rvleichnamigen 2!/2 Sm nordöstlich davon gelegenen Huk genannt, ist die 8üd- 
lichste Stadt Chiles und gleichzeitig Südamerikas. Sie wurde im Jahre 1849 an- 
gelegt und entwickelte sich rasch. Durch die Revolution von 1877 theilweise 
zerstört, wurde sie in einigen Jahren wieder vollständig aufgebaut und zählte 
im Jahre 1882 gegen 300 Gebäude, die alle einstöckig waren und aus Holz be- 
standen. Jetzt hat die Stadt etwa 8000 Einwohner, unter denen die Ausländer 
überwiegen, und ist Heimathhafen von 11 Dampfern mit 1239 Registertonnen und 
16 Seglern mit 1328 Registertounen. Etwa 300 Deutsche, die einen deutschen 
Verein von ungefähr 70 Mitgliedern gegründet haben, sind am Ort ansässig. 
Die Stadt ist auf einem leichten Abhange erbaut und besteht aus einigen 
Strafsen, die sich fast parallel zum Strande hinziehen und etwa ebenso vielen, 
welche dieselben kreuzen und senkrecht zum Meere hinabsteigen. Die Strafsen 
sind breit und sandig, hier und da mit niedrigem Gras bedeckt; die Häuser, die 
meist aus Holz bestehen und mit Schiefer oder Ziegeln gedeckt sind, stehen in 
Quadraten zusammen. An der Nordseite der Stadt läuft der Rio de las Minas, 
dessen Wasser über ein Bett von Kies und Steinen fliefst und kristallhell ist. 
Die Bewohner von Punta Arenas treiben Schafzucht und Rinderzucht und 
etwas Goldwäscherei; die in der Nähe befindlichen Kohlenminen wurden vor 
längerer Zeit von einer chilenischen Gesellschaft bearbeitet, die zu diesem Zweck 
Maschinen herbeischaffte und eine 5 Sm lange Bahn und eine Landungsbrücke 
baute. Das Unternehmen ging jedoch an der Unfähigkeit der Leitenden sowie 
an dem geringen Werth der Kohle, die nur für Oefen verwendbar ist, zu Grunde. 
Handelsverkehr. Im Jahre 1897 liefen 194 Dampfer mit 399440 Register- 
tonnen und 16 Segler mit 4260 Registertonnen ein; davon waren 63 Dampfer 
mit 159 772 Registertonnen und 1 Segler mit 2000 Registertonnen deutsch. 
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