Zur Kunde der Westküste von Mexiko.
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Berg Tacana 40 Sm weit gesehen. Gleichzeitig wurde ein anderer, scheinbar
gleich hoher und ähnlich geformter Berg gesehen, der in der Karte nicht ver-
zeichnet war und etwas östlicher liegt. Bevor die Ortschaft in Nordnordwest-
peilung gesichtet wurde, war: ein vor ihr liegender Dampfer in Sicht, . Nachts
würde man den Ort, von dem vom Ankerplatz aus zwölf Hütten zu sehen sind,
nicht finden, weil dort kein Feuer brennt.
Der Ankerplatz befindet sich recht vor dem Orte. Des oben erwähnten
Dampfers wegen mufsten wir zunächst östlich von der Ortschaft ankern. Wir
ankerten auf 10 m (5!/a Faden) Wassertiefe in den Peilungen: Hafenamt (Haus
mit Flagge) m/w. N8°O, Berg Tacana N 31°O, und der nicht in der Karte an-
gegebene Berg N53°0 (Mifsweisung -+ 6°.) Später lagen wir 2 bis 3 Kblg.
westlicher, etwa !/a Sm vom Lande entfernt, wo die Wassertiefe über Schlickgrund
ebenfalls 10 m betrug, so dafs das Schiff von der äufseren Tonne frei schwaite.
Von diesem Ankerplatze peilten die äufsere Tonne und der Rest der Landungs-
brücke in. Eins in m/w. N69°O, das Hafenamt N 47°O, und die nördlichste
Hütte N 29°O0.
Der Strom setzte während unseres Aufenthaltes auf der Rhede von San
Benito beständig mit etwa 1 Sm Geschwindigkeit nach SO. Wassertiefe und
Grund stimmten mit den Angaben der Karte überein. .
Hafenanlagen giebt es eigentlich nicht. Von der hölzernen Landungs-
brücke, die früher eine kurze Zeit vorhanden war, steht nur noch ein kleines
Stück am Lande, Jetzt liegen in 2 bis 3 Kblg. Entfernung vom Strande je zwei
Tonnen, an denen Trossen befestigt sind, die bis ans Land reichen. Mit Hülfe
derselben werden die jetzt zum Löschen und Laden dienenden Leichter durch die
Brandung gezogen, doch kommt es vor, dafs dies bei schwerer Brandung nicht
möglich ist und dann tagelang kein Verkehr zwischen Schiff und Land stattfindet.
Auskunft für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat befindet
sich in der etwa 15 Sm landeinwärts liegenden Stadt Tapachula, wo auch die
Agenten der Schiffe wohnen. Die Schiffsboote wurden zum Verkehr mit dem
Lande von uns nicht benutzt. Bevor man mit dem Lande in Verbindung tritt,
mufs man den ärztlichen Besuch abwarten. Quarantäne-Einrichtungen
sind nicht vorhanden; der Gesundheitszustand war am Orte und auf dem
Schiffe gut, klimatische Krankheiten kamen nicht vor.
Wie in allen mexikanischen Häfen wird hier an Schiffspapieren verlangt:
1. Segelerlaubnifs; 2. ein Gesundheitspals von den mexikanischen Konsulaten
der Häfen, von denen das Schiff kommt und die es während der Reise berührt
hat; 3. Mannschaftsliste; 4. Proviantliste; 5. zwei vom mexikanischen Konsul
beglaubigte Manifeste, wovon eins versiegelt; 6. zwei Specialmanifeste; 7. ein
Generalmanifest sämmtlicher an Bord befindlicher Ladung.
Ein Zollbeamter beaufsichtigt das Löschen und Laden an Bord. Für jedes
Colli, das nach dem Manifest zu viel oder zu wenig gelöscht wird, ist eine Strafe
von 5 bis zu 100 $ zu entrichten.
Tonala.!)
Ansteuerung. Der in den Segelanweisungen als Landmarke angegebene
Berg Tres Picos ist nur zu erkennen, wenn er ganz frei von Wolken ist. Seine
ärei Spitzen sind nur sehr niedrig und befinden sich dicht nebeneinander. Die
östlich und westlich davon. gelegenen Berge sind scheinbar von gleicher Höhe.
Von SO kommend, bildet der 11 Sm ostsüdöstlich von Tonala befindliche steile
Abhang Soconusco Bluff eine gute Landmarke, denn er tritt dicht an die Küste
heran und ist auch nachts leicht zu erkennen, weil die andern Berge alle weiter
zurück liegen. Bei diesigem Wetter unter der Küste entlang steuernd, wurden wir durch
nordwestlichen Strom versetzt und erblickten bei Tagesanbruch in 4 Sm Entfernung
die WNW, 8 Sm vom Hafenorte entfernt liegende Tonala-Barre, deren südliche
Huk einem steilen Flufsufer ähnlich sieht. In 4 Sm Entfernung wurde die zer-
fallene Landungsbrücke und bald darauf die Ortschaft selber gesichtet. Einen
weiß gestrichenen, angeblich 12 Sm weit sichtbaren Zollschuppen giebt es am
1) ‚Annalen 1886, S. 442, 1887, S. 310. Engl. Adm.-Karte No. 1050: San Jose to Port
Angeles. Segelhandbuch für den Stillen Ozean, S. 575; West Coasts of Central America and United
States, London 1896, S. 103.