Wedemeyer, A.: San Francisco.
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Hawaii-Inseln, Australien, Panama, Britisch Columbia und mit Hamburg über die
Häfen Mittelamerikas monatlich durch die Dampfer der Kosmos- und der Ham-
burg—Amerika- Linie. Zahlreiche Eisenbahnen vermitteln den Personen- und
Güterverkehr zwischen San Francisco, dem Hinterlande und den Oststaaten; San
Francisco ist Endpunkt der Western Union und der Postal Telegraph Co,
Industrie. San Francisco ist reich an industriellen Unternehmungen.
Hervorzuheben sind die Eisengiefsereien, Schiffs- und Maschinenbauanstalten und
‚Reparaturwerkstätten, Zuckerraffinerien, Gerbereien, Bierbrauereien, Schuh- und
Stiefelfabriken und Konservenfabriken. Seefischerei wird von vier Fischdampfern
und einer grofsen Flotte kleiner Segler betrieben; die Fischerei ist fast ganz in
Händen von Italienern und Griechen.
Schiffsausrüstung, .Vorräthe von australischen, englischen und Vancouver-
Kohlen sind stets reichlich am Orte. Die Kohlen werden auf der Rhede in
Leichterfahrzeugen geliefert, auch sind mehrere Kohlenlager an den Landungs-
brücken vorhanden, von denen Schiffe sehr leicht und billig Kohlen erhalten
können. Neuerdings sind mehrere Kohlenhulks in TThätigkeit, die mit Dampf-
winden 400 bis 500 t Kohlen täglich abgeben können. Der Preis ist durch-
schnittlich 7 bis 12 $ die Tonne. Die größten Kohlenhändler sind Wm. G. Staf-
ford & Co., Richard B. Chandler und John Rosenfeld Sons: ;
Frischer und Dauerproviant jeder Art ist stets reichlich vorhanden;
Brot, Hülsenfrüchte, Gemüse, Früchte, Fleisch sind wohlfeil, während andere
Lebensmittel verhältnifsmäfsig theuer sind. Trinkwasser liefern an fast allen
Landungsbrücken die „Spring Valley Waterworks“, auf der Rhede kann man
Trinkwasser aus Wasserbooten erhalten; im ersteren Falle zahlt .man für
1000 Gallonen 1,25 $, im letzteren 5$. Das Flufswasser kann, wenn der Wasser-
stand des Flusses sehr hoch ist, zum Kochen verwandt werden; um es trinkbar
zu machen, mufs es abgekocht werden.
Andere Schiffsausrüstung ist jederzeit reichlich zu haben. Hanfsegeltuch
soll schlecht und theuer sein; es dürfte daher das bessere und billigere Baum-
wolltuch vorzuziehen sein.
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Deutscher Generalkonsul ist A; Rosen-
thal, das deutsche Konsulat liegt Ecke Sacramento- und Battery-Strafse, Eingang
Sacramento-Strafse 318. Agent des Germanischen Lloyd ist Henry Mohns.
Schiffsbesichtiger Kapt. Lüder Höpken wohnt Market-Strafse 29. Die meisten
deutschen, englischen und amerikanischen Seeversicherungs- Gesellschaften sind
am Orte vertreten. Deutsche Schiffsmakler sind Charles Ed. Heise & Co.,
Battery 510. Agent der Kosmos - Linie ist J. D. Spreckels & Bros. Co.
Agenturen des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg— Amerika-Linie befinden
sich Montgommery-Strafßse 118 und California- Strafe 401. Ein Deutscher,
Charles H. Cattermole, Ecke Davis- und Broadway, besorgt vielfach für die
deutschen Schiffe den Ankauf von Proviant. Bei gröfßseren Ankäufen empfiehlt. es
sich, das Konsulat um Rath zu fragen.
Das Hafenamt („Board of State Harbor Commissioners“) hat seine Ge-
schäftsräume im neuen Fährhause, Ende Market-Strafse. Hafenpolizeiamt liegt
Sacramento-Straße 30: Beim KEinlaufen eines fremden Schiffes kommen zwei
Polizisten längsseit, um, falls der Kapitän es wünscht, zur Aufrechterhaltung der
Ordnung an Bord zu gehen. Lootsenamt hat seine Geschäftsräume Battery-
Straße. 506. Zollbehörde hat ihren Sitz Ecke Battery- und Washington-Strafse.
Viele deutsche Aerzte--sind in der Stadt ansässig. Mehrere Krankenhäuser
sind am Orte; die deutschen Schiffe pflegen ihre Kranken nach dem Hospital
der deutschen Unterstützungsgesellschaft zu senden, das 1 $ den Tag berechnet.
Städtische Krankenhäuser sind das Aufnahme- Hospital (Receiving-Hospital) in
der Market-Strafßse und das United States Marine-Hospital, das aufserhalb der
Stadt liegt und 1% den Tag berechnet. Das Seemannsheim (Sailors Home) liegt
Ecke Main- und Harrison-Strafse. Freie Leseräume mit Bibliotheken sind Mariners
Church und Free Reading Room, die Bibliothek der Seemannsmission und die
öffentliche städtische Bibliothek in der City Hall.
157 Entweichungen von Seeleuten fanden 1900 auf deutschen Schiffen
statt; die Seeleute werden gröfstentheils von den Schlafbaasen, gegen‘ deren Un-
wesen schwer anzukämpfen ist, mitgenommen. Das Anheuern der Seeleute ge-