Ann. d. Hydr. ete,, XXIX. Jahrg. (1901), Heft VIIL
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San Francisco.
Nach Berichten des Kaiserlichen Generalkonsulats in San Francisco, der Kapt., M. Schoemaker,
Schiff „Flottbek“, und H. Kruse, Schiff „Marie Hackfeld“, ergänzt nach englischen und ameri-
kanischen Quellen. Bearbeitet von A, Wedemeyer, Hülfsarbeiter der Seewarte.
(Hierzu Tafel 28.) .
Die Stadt San Francisco liegt an der Küste Kaliforniens auf der gleich-
namigen Halbinsel, die an ihrer Westseite vom Stillen Ozean, an der Nord- und
Ostseite von der San Francisco - Bucht begrenzt wird. Sie ist die gröfste und
wichtigste Seestadt der nordamerikanischen Westküste. Der Hafen ist ein natür-
licher Hafen, der den Häfen an der Ostküste an Gröfßse wenig nachsteht.
Die Einfahrt zum Hafen von San Francisco bildet das Goldene "Thor
(golden gate), ein natürlicher Sund, der die Verbindung zwischen dem Farallones-
Golfe und der San Francisco-Bucht herstellt. Das Land südlich von der Einfahrt
ist anfangs hügelig und unbewaldet, weiter südlich von einem hohen bewaldeten
Gebirgsrücken durchzogen. An der Nordseite der Bucht. erheben sich hohe Ge-
birgsketten, die von tiefen '’hälern und Schluchten durchschnitten werden: an
der Ostseite ist das Land hügelig, erst in beträchtlicher Entfernung landwärts
erstrecken sich die Contra Costa-Berge mit der Küste gleichlaufend. Zwei wasser-
reiche Flüsse, der Sacramento und der Joaquin, münden in die Suisun-Bucht, die
durch die Karquines-Strafse mit der San Pablo-Bucht, der Fortsetzung der San
Francisco-Bucht nach Norden hin, verbunden ist, und vermitteln den Verkehr zu
Wasser zwischen San Francisco und den getreidereichen Thälern Kaliforniens
und goldhaltigen Abhängen der Sierra Nevada.
Farallones - Golf!) heifßst die Bucht des Stillen Ozeans vor der Einfahrt
zum Hafen von San Francisco zwischen der San Pedro- und der Reyes-Huk, Die
Wassertiefen nehmen von Westen her sehr schnell ab; die. 2000 m-Grenze liegt
nur etwa 20 Sm aufserhalb der 200 m-Grenze. Die Tiefe des Golfes beträgt im
Westen etwa 100m und nimmt nach der Küste zu allmählich ab. Lothungen
geben daher über den Schiffsort guten Aufschlufs. ;
Landmarken im Farallones-Golfe. Bei klarem Wetter sind die hohen
Berge an der Küste und weiter landwärts schon auf Entfernungen von 50 Sm
von der Küste gut auszumachen. An der Nordseite des Golfes ist die Reyes-Huk
das auffallendste Hochland, dessen Umrisse eine unregelmäfsig gezackte Linie
bilden. Der höchste Theil liegt etwa ein Viertel der ganzen Länge von der
Westkante entfernt. Von Süden aus erscheint die Huk wie eine steile Granit-
mauer, die sich senkrecht aus dem Wasser erhebt und bis zu 180 m Höhe.in
200 m Entfernung ansteigt. Die Richtung dieses Hochlandes, 0zN—WzS, schlielst
eine Verwechselung mit einem anderen Theile der Küste aus, Von Westen aus
ist die Huk der dahinter liegenden hohen Berge halber nicht so leicht auszu-
machen, wenn nicht dichter Nebel über den zwischenliegenden Thälern lagert.
Von Nordwesten aus erscheint die Huk als eine lange blaue Insel, die gut frei
von der Reyes-Gebirgskette liegt; diese erstreckt sich von der Tomales-Huk süd-
ostwärts und erreicht in ihrem höchsten Gipfel 430 m Höhe. Gut auszumachen
sind auch an der Nordseite des Golfes das 670 m hohe Rofs- Gebirge und der
1330 m hohe, 30 Sm laudwärts liegende Helena-Berg. Der 1180 m hohe .Diablo-
Berg liegt ONO 30 Sm vom Goldenen '’hore. In Eins mit dem Goldenen Thore
sieht man ihn als einen pyramidenförmigen Gipfel, der über die Contra Costa-
Berge weit hinausragt. Von dem Tamalpais- oder Tafel- Gebirge sind von Süd
oder SW aus drei Gipfel deutlich erkennbar, von denen der westlichste am
höchsten, der mittlere am niedrigsten und der östlichste am schärfsten ist. Das
Gebirge ist mit Buschwerk und kleinen Bäumen bewachsen,. die ihm ein dunkles
Aussehen geben im Gegensatz zu den Grasflächen der benachbarten Hügel,‘ die
im Sommer sogar röthlich erscheinen. Die San Pedro - Huk an der Südostseite
i) Engl. Adın.-Karte No. 229: Point Pinos to Bodega Head.
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