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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1901
Küste, der 23. ostwärts bis zur Oder, der 24. an der Nordsee und der 25. von
Rügen ostwärts,
In den ersten Tagen lag die Küste im Bereiche hohen Luftdruckes; das
Maximum lag zunächst über Skandinavien, dann über dem Ozean im Nordwesten
und verlagerte sich weiter nach den Britischen Inseln und erstreckte sich am 4,
vom Ozean bis nach Russland. Die leichten Winde drehten während dieser Tage
aus nordöstlicher nach nordwestlicher Richtung, und es herrschte meist heiteres
und trockenes Wetter.
Nachdem am 5, der Luftdruck fast über dem ganzen Gebiete gefallen war
und sich das Hochdruckgebiet im Westen südwärts zurückgezogen hatte, lag bis
zum 9, eine Depression vom Ozean über Centraleuropa ausgebreitet, die zeit-
weise zusammen mit einer Depression über Russland fast ganz Europa bedeckte
und tiefe Minima über dem Kanal-Gebiete mit Ausläufern über Norddeutschland
zeigte; diese Tage brachten zunächst dem Westen der Küste und am 8. bis 10.
der ganzen Küste Regenfälle und verbreitete Gewitter.
Ein am Morgen des 8, Mai im Nordosten von Russland vordringendes
Hochdruckgebiet breitete sich bis zum 11. langsam über Skandinavien und die
Nordsee aus, so dafs die Depression südwärts zurückgedrängt wurde. Als am
12. wieder ein Hochdruckgebiet vom Ozean vordrang, bildete sich wieder ein
umfangreiches Hochdruckgebiet aus, das bis zum I4, von Norden und später von
Nordwesten her bis zu den Alpen ausgebreitet lag; nachdem am 11. noch Regen-
fälle über der westdeutschen Küste stattgefunden hatten, herrschte am 12. bis 14.
bei leichten meist östlichen bis nördlichen Winden wieder trockenes, vorwiegend
heiteres Wetter.
In den folgenden Tagen bis zum 19. reichte das Hochdruckgebiet vom
Ozean über die Westhälfte Centraleuropas, während Depressionen im Süden und
Nordosten lagen und die Letztere zeitweise Skandinavien wie den Süden der
Ostsee umfafste; die Winde wehten, vielfach frisch, aus Nord bis West und am
19. vielfach aus SW. Diese Tage charakterisirten sich, mit Ausnahme des 15.
und 19., die stellenweise Regen brachten, durch trockenes und bis zum 16. wie
am 18. meist heiteres Wetter.
Am 20. entwickelte sich abermals ein intensives Hochdruckgebiet, das bis
zum 24. ganz Europa mit Ausnahme des Südens bedeckte und auch noch am
folgenden Tage die Küste umfafßste; der Kern höchsten Druckes lag bis zum 22.
über dem mittleren Ostsee-Gebiete und verlagerte sich dann nach dem Ozean
nördlich ‘yon Schottland. Bei meist schwachen und nordöstlichen Winden
herrschte am 21. und 22. an der ganzen Küste und am 23. ostwärts bis zur
Oder heiteres Wetter, und Regenfälle traten nur am 22. bis 24. über kleine
Gebiete an der Ostsee auf.
Nachdem am 26, und 27. eine gleichmäßige veränderliche Druckvertheilung
über Centraleuropa bestanden hatte, die entsprechend leichte veränderliche Winde
an der Küste bedingte, bestand am 28. und noch am Morgen des 29, ein Gebiet
relativ hohen Luftdruckes über Kontinentaleuropa, das leichte Winde aus west-
lichen Richtungen an der Küste im Gefolge hatte. Eine über dem Ozean heran-
nahende tiefe Depression breitete sich in den letzten Tagen über der Nordwest-
hälfte Europas aus und führte etwas frischere südwestliche Winde an der
westdeutschen Küste herbei. Nachdem am 26. noch Regenfälle ostwärts bis
Pommern aufgetreten waren, blieben diese am 27. bis 29. auf die Ostsee be-
schränkt, gewannen dann aber an Ausdehnung, und es bestand am 31, wieder
an der ganzen Küste regnerische Witterung.
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