Die Witterung an der deutschen Küste im Mai 1901.
Der Monat Mai charakterisirte sich in seinen Monatswerthen durch zu
hohen Luftdruck und zu hohe Temperatur, während die registrirten Wind-
geschwindigkeiten und meist auch die Niederschlagsmengen kleiner als die viel-
jährigen Mittel waren, und die Bewölkung an der Nordsee-Küste meist über, an
der Östsee-Küste unter den normalen Werthen lagen. Stürmische Winde wurden
gar nicht und steife Winde nur ganz vereinzelt beobachtet.
Von den zu Zeiten der Terminbeobachtungen notirten Windrichtungen
traten die nordwestlichen und nördlichen bis östlichen durch Häufigkeit hervor,
während südliche Richtungen verhältnifsmäfsig selten vorkamen.
Die Morgentemperaturen lagen im Osten, mit Ausnahme des 5., 6., und
21. bis 23., fast durchweg über den normalen Werthen, während relativ kühle
Morgen an der Nordsee am 4. bis 8., 15. bis 25. und 28. auftraten. In ihrem
Gange von Tag zu Tag zeigten die Morgentemperaturen, abgesehen von kleineren
Schwankungen, nur wenige längere Zeiträume umfassende Schwankungen, mit
niedrigsten Temperaturen um Mitte der I. Dekade, am 18. bis 20. (Ostsee bis
23. und 24.) und 28. oder 29., und höchsten Werthen zu Anfang des Monats
(Nordsee vielfach am 3.), am 10. bis 12., am 27. und am letzten Monatstage.
Die Temperatur schwankte an der Küste zwischen dem Minimum von
Memel, :—0,7°, und dem Maximum von Swinemünde, 24,2°, also um 24,9°,
während auf den Stationen die kleinste Schwankung in Borkum gleich 17,1° und
die gröfste, gleich 24,4°, in Memel beobachtet wurde. Die aus den Aenderungen
der Temperatur von Tag zu Pag für die drei Beobachtungstermine ohne Rücksicht
auf deren Vorzeichen als Mittel berechnete interdiurne Veränderlichkeit der
Temperatur lag mit ihren gröfsten Beträgen zwischen 22° und 3,0° und zeigte
die gröfsten Beträge meist am Nachmittage und die kleinsten nahe gleich häufig
am Morgen und Abend,
Die Niederschlagsmengen des Monats liefßsen infolge der Gewitterregen
stellenweise bedeutende mehr lokale Verschiedenheiten hervortreten; sie über-
stiegen von der Weser-Mündung bis Wismar meist, über dem übrigen Gebiete
dagegen nur vereinzelt 40 mm. Als höchste Beträge ergaben sich 79 mm für
Tönning und 80 mm für Hamburg gegenüber 11 mm in Borkum und Wustrow
und nur 9 mm in Darsserort.
Läfst man den Niederschlagstag um 8" a Ortszeit des gleichnamigen
Kalendertages beginnen und sieht man von geringfügigen und vereinzelten
Niederschlägen ab, so fielen diese im Mai an der Küste über gröfserein Gebiete
am I. an der Nordsee, am 6, ostwärts bis Mecklenburg, am 7. ostwärts bis
Pommern, am 8, bis 10. an der ganzen Küste, am Il. ostwärts bis Mecklenburg,
am 15. an der schleswig-holsteinschen Küste, am 19. an der Ostsee, am 22, und
23. an der preufsischen Küste, am 24. an der mittleren Ostsee-Küste, am 25,
ostwärts bis zur Elbe, am 26, ostwärts bis Pommern, am 27, an der Ostsee, am
28, an der preufsischen Küste, am 29. an der Ostsee, am 30. ostwärts bis
Pommern und am 81. an der ganzen Küste. Demnach waren wesentlich frei von
Niederschlägen der 2. bis 5., 12. bis 14., 16. bis 18., 20. und 21. — Sehr er-
ziebige, in 24 Stunden 20 mm übersteigende Niederschläge fielen am 26. in
Hamburg (26), Süderhöft (28), Tönning (30) und Travemünde (21), am 27. in
Colbergermünde (25) und am 8l in Brake (22). Ausgebreitete Gewitter traten
auf am 1. an der schleswig-holsteinschen Küste, am 7. an der Nordsee, am 8.
ostwärts bis zur Elbe, am 9. ostwärts bis Pommern, am 10. von der Oder ost-
wärts, am 11. von der Elbe bis Rügen, am 26. ostwärts bis Mecklenburg, am 27.
von Rügen ostwärts, am 29. von Mecklenburg ostwärts, am 30. an der Nordsee
und am 31. von der Elbe ostwärts. — Ausgebreiteter Nebel wurde beobachtet
am 10. an der mittleren Ostsee, am 12. an der Nordsee, am 24. und 25, an der
mittleren Ostsee, am 27. an der Nordsee, am 28. an der mittleren und östlichen
Ostsee und am 30. von Elbe bis Rider wie an der östlichen Ostsee.
Als heitere Tage, an denen die als arithmetisches Mittel aus den drei
Beobachtungen am Tage berechnete Bewölkung nach der Skala 0 bis 10 kleiner
als 2 war, charakterisirten sich über gröfseren Gebieten der I, von Mecklenburg
ostwärts, der 2. und 3. an der ganzen Küste, der 4. und 12. an der Ostsee, der
13. und 14. an der ganzen Küste, der 15. von der Oder ostwärts, der 16. an der
ganzeu Küste, der 18. von Mecklenburg ostwärts, der 21. und 22, an der ganzen
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