138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
Januar bis April durch Eis geschlossen. Zwei praktische Punkte sind besonders
durch die Beobachtung der Eisverhältnisse beleuchtet worden: die günstigsten
Winterhäfen und die Prognose der Eisverhältnisse. Einerseits hat sich heraus-
gestellt, daß die Winterhäfen Finnlands wirklich an den Küstenstrichen liegen,
wo die geringsten Schiffahrtshindernisse vorhanden sind. Die Küsten der
Bottensee können bei entsprechenden Winden in eisreichen Jahren bis zum Juni
vom Eis blockiert sein, und auch im Innern des Finnischen Golfs vermehren
sich die Schiffahrtshindernisse. So bleibt Hangö an der Südwestküste der
günstigste Winterhafen, Die finnische Küste des Bottnischen Meerbusens ist der
schwedischen gegenüber gewöhnlich etwas im Vorteil, nur in der Bottenwiek
nicht. Eine Prognose der Eisverhältnisse ließe sich auf Grund des allgemeinen
Charakters des Winters und einiger hydrographischer Daten: Zustand des
Wassers bis in 70 m Tiefe und Wärmevorrat des Meeres, anstellen, doch fehlt
vor allem die Kenntnis der Vorgänge im zentralen Teil der Ostsee, so daß zur
Zeit eine Prognose nur zweifelhaften Wert haben dürfte,
Farbe und Durchsichtigkeit, Die Durchsichtigkeit des Meerwassers, die,
wie gewöhnlich, mit einer bis zur Grenze der Sichtbarkeit versenkten weißen
Scheibe bestimmt wurde, ändert sich mit der Jahreszeit. In der Bottenwiek ist
sie im Mai am größten (durchschnittlich 15 m). Gegen Norden, im Bereich der
Frühlingsschmelzwasser, wird sie geringer, Die anderen Meere haben ihre größte
Durchsichtigkeit im August, die Ostsee im November. Im Finnischen Golf
ist sie im November ebenso groß wie im Mai, in der Bottenwiek etwas geringer
als im Mai. Ein Parallelismus ist zwischen der Durchsichtigkeit und der Plankton-
verteilung zu konstatieren, Im Mai hat die Bottenwiek die geringste Menge
Plankton (vorwiegend Diatomeen) und größte Durchsichtigkeit, im November
dagegen die größte Menge (Copepoden und Diatomeen) und geringste Durch-
sichtigkeit.
Die Farbe des Meerwassers ist bedingt durch die Reflexion des Lichts
an den in den oberen Meeresschichten suspendierten Partikelchen und durch die
Absorption des Wassers. Die Bestimmung der Farbe ist nicht mit dem sonst
üblichen Xanthometer geschehen, sondern auf die Weise, daß man eine weiße
Scheibe bis zur Mitte der Sichttiefe versenkte und dann die Farbe der Scheibe
bestimmte. Der Eindruck ist derselbe wie der Anblick des Wassers aus einiger
Höhe, ohne den sonst beobachteten grauen Ton. Im allgemeinen bleibt die
Farbe an einem Orte während aller Jahreszeiten konstant. In der nördlichen
Ostsee bis zum Eintritt in den finnischen und bottnischen Busen ist stets eine
reine grüne Farbe beobachtet, mitunter mit einer geringen Neigung zum Blau,
In der Bottensee ist daneben ein gelblicher Ton wahrnehmbar. In der Bottenwiek
ist die gelbe Färbung vorherrschend, in der Mitte jedoch reines Grün. Nahe
den Küsten macht die grüne Färbung mehr und mehr einer gelben, braun-
gelben, braunen und endlich einer ausgeprägt rotbraunen Platz. Auch im
Finnischen Golf steigert sich der gelbe Ton gegen das Innere des Meerbusens,
Einen exakteren Ausdruck als die Beschreibung der Farbenempfindung
liefert die im Mai 1910 angestellte Untersuchung der Absorption der verschiedenen
Wasserproben in bezug auf die verschiedenen Farben, Nach dem Durchgang
eines weißen Lichtstrahls durch Wasser erscheint dieser bekanntlich durch die
auswählende Absorption des Wassers gefärbt. Das Wasser hat immer die Farbe,
die am wenigsten absorbiert wird. Die Figuren 1 und 2 geben das von einer
1 m dieken Wasserschicht durchgelassene Licht in Prozenten des einfallenden
Lichts für die verschiedenen Wellenlängen. In der Mitte der nördlichen Ostsee
(Fig. 1, F 75) werden nun die extremen Teile des Spektrums (Violett und Rot)
stärker absorbiert als die mittleren (Grün und Gelb). Jedoch wird Violett nicht
ganz so stark absorbiert wie Rot, wodurch der blaue Ton in der grünlichen
Färbung erklärlich wird, Im Bottnischen Meerbusen (Fig. 1; F7A id. Mitte
der Bottenwiek, F26 i. d. Mitte der Bottensee) sieht man das Maximum der
Durchlässigkeit im Gelb, Violett wird hier aber stärker absorbiert als in der
Ostsee. Die Absorptionsfähigkeit ist überhaupt gestiegen, die Durchlässigkeit
also gemindert. Noch auffälliger wird diese Erscheinung im Finnischen Golf