Aufsergewöhnliche Strahlenbrechung.
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als die Küste. Am 24. und 25, bereitet sich der Umschwung vor, am 26, hat
er sich vollzogen; das Binnenland ist dauernd und beträchtlich wärmer als
die Küste.
Am 1. Mai genügt die kurze Strecke von 100 Sm, um aus einer Temperatur
von 30,0° (Baltimore) zu einer von 14,4° (Atlantic City) zu gelangen. Am 3. Mai
besteht ein ähnlicher Gegensatz zwischen Raleigh mit 32,2° und Hatteras
mit 16,7°.
Die Gesammtwärmeschwankung betrag in den 11 Tagen in Hatteras 12,2°,
Atlantic City 14,5°, in Raleigh und Lynchburg 831,1° C.
Wenn die Thatsache, dafs Leuchtfeuer und ganze Küstenstrecken durch
starke Strahlenbrechung gehoben erscheinen, auch allgemein bekannt ist, so sind
doch die Fälle selten, wo zahlenmäfsige Angaben vorliegen, aus denen man
einigermafsen sichere Schlüsse ziehen kann, wie in diesem Falle. Es wäre
deshalb erwünscht, wenn ähnliche Beobachtungen häufiger eingesandt würden.
E. Knipping.
Ueber ein Problem der sphärischen Astronomie und seine
Bedeutung für die Nautik.
Von Dr. phil, Carl W. Wirtz, Lehrer an der Navigationsschule in Hamburg.
$ 1.
Durch die unlängst veröffentlichten Untersuchungen der österreichischen
Marineoffiziere über das Verhalten der Kimmtiefe!) fand eine früher vorwiegend
den Geodäten und Astronomen (Arago, Bäyer, Bessel,. Biot, Delambre,
Gaufs u. A.)?) geläufige Thatsache eine präcise Fassung, dafs nämlich jenes
wichtigste Reduktionselement nautisch-astronomischer Messungen bei Weitem nicht
die einfache Beziehung zur Augeshöhe aufweist, die den Rechnungen bisher stets
zu Grunde lag. Es existirt vielmehr auch eine starke Abhängigkeit der Kimm-
tiefe von der Differenz der Wasser- und Lufttemperatur einerseits und von Wind
und Wetter andererseits. Berücksichtigt man diese meteorologischen Daten nicht
— und das ist doch durchweg die Regel — so wird durch die Vernachlässigung
eine auf + 3‘ bis 5‘ zu veranschlagende Unsicherheit in die Messung einer Höhe
und somit in vermehrtem Grade in die gewonnene Schiffsposition hineingetragen.
Aber auch mit Aufwendung aller Sorgfalt an Bord zur Bestimmung der in Frage
kommenden, auf die Kimm einwirkenden Elemente würde man, so schliefst das
Referat des Herrn Kofs, keine höhere Genauigkeit als etwa + ° 4 wahrschein-
lichen Fehler beanspruchen dürfen.
Nun kommt es ja auf offenem Ozean in der Ortsbestimmung auf + 5
nicht an, so dafs hier das bisher eingeschlagene Verfahren (Zweihöhenproblem)
zureicht. Ein Anderes aber ist es, wenn es gilt, nach längerer Reisedauer wieder
Land anzusegeln und zu dem Zwecke zu einer scharfen Position zu gelangen.
Ob man sich da auf die von den österreichischen Offizieren abgeleitete „Kimm-
tiefentafel“ verlassen darf, welcher ein auf S. M. S. „Pola“ im Rothen Meere und
auf der Landstation Verudella bei Pola gesammeltes reiches Beobachtungsmaterial
zu Grunde liegt, kann füglich bezweifelt werden; denn unvorhergesehene Anomalien
der Kimm werden gerade in der Nähe von Land wegen der hier auftretenden
Luftdruck- und Temperaturscheide zwischen der über dem Wasser und der über
dem Lande lagernden Atmosphärenschicht zu befürchten sein. Ueberdies bleibt
die einwurfsfreie Bestimmung der geforderten Luft- und Wassertemperatur stets
eine schwierige Sache.
Wie unsicher nun auch die absolute Bestimmung oder vielmehr Voraus-
berechnung der Kimmtiefe sein mag, jedenfalls ist die Annahme erlaubt, dafs ihr
1) X. Kofs: „Kimmtiefenbeobachtungen.“ Pola 1900. 8% 10 Seiten, Vgl. Annalen,
Heft IV, Seite 162.
2) Schon bei der grofsen französischen Gradmessung hatte sich herausgestellt, dafs der in die
trigonometrische Höhenmessung eingehende Koefficient der terrestrischen Refraktion erheblichen
Schwankungen unterlag, die einen Gang mit der Tageszeit befolgten. Dieser Koefficient ist wesentlich
derselbe wie der an die geometrische Kimmtiefe anzubringende Reduktionsfaktor.
Ann. dd, Hydr. ete.. 1901. Heft YIL