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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

318 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1901. 
entschraubt und lag aufsenbords. Der Kreuztopp wurde möglichst festgeschnürt, 
da dieser nicht durchs Schiff stofsen konnte. Der Fockmast hatte jedoch dem 
Schiffe ein Loch gemacht; es leckten 10 bis 14 Fufs über dem Kiel mehrere 
Nieten. Um dieses Leck zu dichten, machte der Zimmermann einen kleinen 
Kasten, welcher zwischen die Spanten pafste. Dieser wurde, in Ermangelung 
von Cement, mit Kreide, Mennige und Theer gefüllt und dann zwischen den 
Spanten gut festgekeilt. Als die Masse sich später verhärtete, gelang es, das 
Leck einigermafßsen zu verstopfen. 
Der Wind holte am nächsten Tage, dem 8. September, östlicher und wurde 
allmählich zum Passat. Wir gingen jetzt daran, das Schiff wieder möglichst 
manövrirfähig zu machen. Wo es am nothwendigsten war, wurde das Wrackgut 
weggekappt. Dann nahmen wir vom Kreuztopp die Obermarsraa, die Bramstänge 
ınd die beiden Bramraaen an Deck, fundirten den Stumpf des Fockmastes mit 
Fendern und anderen Holzstücken und errichteten hierauf die Kreuzstänge als 
Nothfockmast. Als Fock wurde ein Oberbramsegel angeschlagen, aufserdem 
wurden zwei Klüver nach dem Bugspriet geführt, welches stehen geblieben war. 
Die Bagienraa hatten wir frei gekappt. Dieselbe war noch in guter Ordnung. 
Der Grofsmast drohte jeden Augenblick zu stürzen und das Deck zu zerschmettern; 
wir batten deshalb alles Mögliche als Unterlage angebracht. Um ein Zertrümmern 
der beiden Rettungsboote zu verhindern, setzten wir beide über Bord und liefsen 
sie, jedes mit vier Mann besetzt, luvwärts vom Schiffe an Leinen treiben. Der 
Grofsmast wurde sodann mit sieben Gienen und einer Vertäukette gut befestigt. 
Nachdem wir im Ganzen sieben Segel angebracht hatten und der Passat 
durchgekommen war, setzten wir Segel und kappten den Treibanker, den wir 
inzwischen aus der besten Fock und einer fünfzölligen Manilaleine gemacht hatten. 
Es gelang uns, das Schiff zu halsen; wir steuerten, so gut das Schiff eben wollte, 
raumschots südostwärts mit der Hoffnung, vielleicht unterstützt von einer östlichen 
Strömung in die südamerikanische Dampferroute zu gelangen. Letzteres erwies 
sich nach einigen Tagen Segelns als unmöglich, und da der Passat auch wieder 
alle wurde, entschlossen wir uns, nach Westen abzuhalten und einen geeigneten 
Platz in Westindien aufzusuchen. Ich war ohne Karten und Segelanweisungen 
für diese Gegend und ließ deshalb längs des Parallels von Barbados steuern. 
Der Wind war während der Fahrt zwischen SO und NO, an verschiedenen Tagen 
hatten wir heftige Gewitterböen mit Regen. Das Lecken des Schiffes wurde viel 
weniger. 
Am 13. Oktober, 36 Tage nach unserer Havarie und nachdem 1700 Sm 
mit Noth und Mühe zurückgelegt worden waren, trafen wir, etwa 100 Sm von 
Barbados entfernt, den Hamburger Danıpfer „Karthago“ an, welcher uns am 
nächsten Tage nach der Rhede schleppte. Da die Reparatur, obschon sie zwei 
Monate in Anspruch nahm, in Barbados nur in ganz ungenügender Weise aus- 
geführt werden konnte, war „Ostara“ genöthigt, auch noch zur Reise nach 
Nordenhamm die Hülfe des englischen Schleppdampfers „Black Cock“ anzunehmen. 
Kapt. Danielssen vom Kosmos-Dampfer „Ammon“, der in der 
ersten Hälfte September 1900 sich auf einer Reise von Montevideo nach St, Vincent, 
K. V., befand, hatte an nahezu derselben Stelle, aber drei Tage später, ebenfalls 
einen schnell verlaufenden Sturm. Er berichtet darüber: 
„Der Sturm, über dessen Verlauf ich der Seewarte hiermit einen Auszug 
aus dem Schiffsjournal behändige, war ein kleiner, aber sehr interessanter Orkan. 
Derselbe war begleitet von sehr heftigem Regen. Wie das Journal ergiebt, 
müssen wir am 10. September um 11*a in der Nähe des Centrums gewesen sein, 
welches sich nordwestlich von uns befand, Um diese Zeit stieg die See aus NNO 
oft fast senkrecht in die Höhe, wurde jedoch von dem schweren Regen bald 
wieder niedergedrückt und im Ganzen ziemlich zurückgehalten. Nach dem Ein- 
tritt des niedrigsten Barometerstandes ging der Wind gegen den Zeiger der Uhr 
allmählich nach SO und Ost und so in den Nordostpassat über.“ 
Dem Journalauszuge zufolge befand Dampfer „Ammon“ sich am Mittage 
des 8. September auf 6° 9 N-Br und 28° 23‘ W-Lg. Hier holte der flaue Wind, 
der vorhergehend südwestlich gewesen war, nach NNW und NW — ein Vorgang, 
der meistens erst in 9° bis 10° N-Br eintritt und ein Zeichen war, dafs das 
Scheidegebiet niedrigsten Luftdruckes zwischen den beiden Passaten für die 
Jahreszeit ziemlich weit nach Süden verrückt war. In der Nacht nahmen Wind
	        
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