Bericht von Kapt. Warneke über einen aufsergewöhnlich schweren Sturm. 313
Hagel- und Schneeböen, doch böete sich das Wetter während der zweiten Nacht-
hälfte und am nächsten Tage so weit ab, dal wieder mehr Segel gesetzt
werden konnten.
Einen solchen schweren Sturm habe ich in dieser Gegend noch nicht
erlebt; da gehört wirklich ein starkes Schiff dazu, solche höhere Macht auszuhalten,
Die Gezeitenverhältnisse in der La Plata-Mündung und ihr Einflufs
auf die Bodengestaltung.
Nach „Estudios sobre puertos en la provincia de Buenos Aires“, ;
Von d, Herrmann, Hülfsarbeiter der Scewarte.
(Hierzu Tafel 27.)
Die Bodengestaltung in der La Plata- Mündung ist eine eigenthümliche.
Ein Blick auf die "Tafel 27 zeigt uns in dem äufseren Theile der Mündung eine
Gruppe ausgedehnter Sandbänke, die unter den Namen Englische, Archimedes-
und Rouen-Bank bekannt sind und mit der quer über den ganzen Strom reichen-
den Barre durch einen Streifen geringerer Wassertiefen zusammenhängen. Zwischen
dieser Gruppe von Sandbänken und der Küste zu beiden Seiten bemerken wir
zwei grofßse Einsenkungen oder Tiefe, die auf der Tafel 27 mit A und B be-
zeichnet sind und verhältnifsmäfsig geringe Wassertiefen aufweisen. Beide Ein-
senkungen erstrecken sich auf Montevideo zu; während die nördliche längs der
Nordküste zwischen dieser und der Englischen Bank hindurchführt, erstreckt
sich die südliche etwas nach innen eingebuchtet entsprechend der Küstenrichtung
der Samborombon-Bucht, in Nordnordostrichtung innerhalb der Archimedes-Bank.
Oberhalb von Montevideo sehen wir ungefähr dieselbe Erscheinung wie in der
Mündung. Mitten im Flusse lagert sich eine Gruppe von Bänken, die in der
Hauptsache aus der grofsen und kleinen Ortiz- Bank besteht und ein östliches
und westliches Tief voneinander scheidet. Das letztere erstreckt sich von der
Rhede von Buenos Aires parallel zum rechten Ufer bis zur Indio- Huk und hat
Tiefen von 6 bis 9 m bei Niedrigwasser. Das östliche Tief, dessen gröfste Tiefe
nur etwa 7,5 m bei Niedrigwasser beträgt, ist weniger ausgeprägt; es reicht in
Keilform von der San Gregorio - Bank bis nach Montevideo und ist von dem
westlichen Tief durch eine schmale Bank getrennt, welche die Piedras-Bank vor
der gleichnamigen Huk mit der kleinen (Chico-) Ortiz-Bank verbindet.
Diese eigenthümliche Gestaltung des Flufsbettes, die für die La Plata-
Häfen von grofser Bedeutung ist, führt der Ingenieur J. Figueroa, der im Auf-
irage des Ministeriums für öffentliche Arbeiten die Ergebnisse von Vermessungen
and Untersuchungen an der argentinischen Küste bearbeitete, auf die Einwirkung
der Gezeitenströme zurück und sucht dies, wie im Folgenden gezeigt werden soll,
auf eine Weise zu erklären, die von der bisher üblichen völlig abweicht.
„Der durch das vorspringende Kap Colonia beeinflufste Ebbstrom ergiefst
den gröfsten Theil seiner Wassermassen in das westliche Tief und erreicht dort,
gewöhnlich durch die vorherrschenden nördlichen bis nordwestlichen Winde ver-
stärkt, schnell seine gröfste Geschwindigkeit. Der kleinere Theil des Ebbstromes,
der unter dem Schutze des linken Ufers wenig von der Einwirkung der vor-
herrschenden Winde verspürt, vertheilt sich mit geringer Geschwindigkeit zwischen
der Westkante der Ortiz-Bank und dem linken Ufer von Colonia bis zur Santa
Lucia-Mündung. Der in der entgegengesetzten Richtung laufende Strom hat hier
natürlich eine noch geringere Geschwindigkeit, wodurch die gröfseren Ablagerungen
und die geringen Tiefen an dieser Seite des Flusses erklärlich sind. Von der
Santa Lucia-Mündung dagegen bis nach Montevideo und darüber hinaus macht
sich eine Vertiefung des Fahrwassers aufserhalb der 3,7 m-Linie bemerkbar. ')
1) Dieser für den Hafen von Montevideo überaus wichtige Vorgang ist auch durch die
Untersuchungen von Franeciseo Ros nachgewiesen worden, der durch Vergleich der in den Jahren
1789, 1831, 1849, 1870, 1872, 1873, 1881 und 1895 aufgenommenen Pläne des Hafens von Monte-
video zu diesem Schlusse gelangte. Das westliche Tief ist nach der Annalıme des Ingenieurs
3. Fixgueroa beständig in seinen Tiefen.