accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

41.0 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 
1901 
Anjer. 
Nach einem Berichte des Kapt. H. Otto, Führer des Vollschiffes „R, C. Rickmers“, vom Juli 1900. 
Ansteuerung, „R. C. Rickmers“ lief, nach Hongkong bestimmt, am 
20. Juni 1900 in die Sunda-Strafse ein. Vorher war die Christmas-Insel an ihrer 
Westseite gesichtet worden. Der Wind war recht frisch aus 0OSO, deshalb wurde 
auf etwas westlichen Strom gerechnet: 10° p kamen jedoch die Kelapa-Inseln in 
Lee in Sicht. Nachdem diese passirt waren, wurde zwischen ihnen und Java 
westwärts gesegelt, bis das Feuer von First Point in NNW gesichtet wurde. 
Nun wurde in die Princes-Durchfahrt eingesteuert. Die Kelapa-Inseln wurden 
trotz der sehr dunklen Nacht zeitig genug erkannt. Die Inseln sind zwar niedrig, 
der schwarze Streifen der Palmen und anderen Bäume hebt sich aber scharf 
gegen den Horizont ab, deshalb erscheint es ungefährlich, bei gutem Ausguck 
auf die Inseln zu zu halten. 
Das First Point-Feuer steht für Schiffe, die vom Süden her in die Sunda- 
Strafse einsegeln wollen, ungünstig, weil es in dieser Richtung zuviel vom Lande 
verdeckt wird. Zahlreiche Klagen sind hierüber schon von Schiffsführern beim 
Hafenmeister von Anjer gemacht worden. Nach der Durchsteuerung der Princes- 
Durchfahrt gelangte „R. C. Rickmers“ schnell bis nach Anjer. 
Ankerplatz, Nach Ansicht des Kapt. H. Otto wählen die meisten Schiffe 
einen viel zu nordöstlichen Ankerplatz, und zwar infolge der Angaben in der 
Karte über Old Anjer und New Anjer; das bei der Insel Merak liegende New 
Anjer ist von den Einwohnern wieder verlassen worden, alle, auch der Agent 
für die Schiffshändlerfirma H. A. Sem & Co. (in Batavia) sind nach Old Anjer 
übergesiedelt. Nur der Hafenmeister wohnt noch ungefähr halbwegs zwischen 
Old und New Anjer. Der beste und der Ansiedelung nächste Ankerplatz liegt 
auf etwa 22 m Wasser 1'/ Sm nordöstlich vom Fourth Point-Leuchtthurm. Will 
man nicht ankern, sondern nur Briefe an Land geben oder von da empfangen, 
so setze man die Flagge S des internationalen Signalbuches im Vortopp; dann 
kommt der Agent für die Firma H. A. Sem & Co., Herr L. Stürmer, an Bord. 
„R. C. Rickmers“ ankerte auf dem falschen Ankerplatz, in den Peilungen Merak- 
Insel in NO%N und Toppers-Insel in NW!/AW auf 18m Wasser. Bei der 
Wahl des Ankerplatzes wird man nachts leicht dadurch irregeführt, dafs die 
Lichter aus den Häusern von Old Anjer von Bäumen und Gebüsch verdeckt 
sind. Als „R. C. Rickmers“ in die Nähe von New Anjer kam, waren längs des 
Strandes viele kleine und grofse Lichter zu sehen, die man für eine Ortschaft 
halten konnte; später stellte es sich aber heraus, dalßs es nur Fischerfeuer 
gewesen waren. 
Schiffe, die auf der Rhede zu Anker gehen, bezahlen keine Abgaben, 
nur kommt das Hafenmeisterboot an Bord, für das ein Fragebogen ausgefüllt 
werden mufs. 
Schiffsmeldung. Schiffe, die ihre Unterscheidungssignale zeigen, werden 
sämmtlich telegraphisch nach Batavia gemeldet. Im Leuchtthurmgebäude befindet 
sich die Post- und die Telegraphenstation. „R. C. Rickmers“ wurde vom Agenten 
sofort, frei von Kosten für das Schiff, telegraphisch an die „Standard Oil Co.“ 
gemeldet, Dieser Agent (Stürmer) hat neben seinem Bootshafen am Strande 
ein Ausguckhäuschen mit Fernrohr, Schiffslisten u. s. w., worin auch nachts von 
seinen Leuten Wache gegangen wird, um passirende Dampfer melden zu können. 
Landungsplätze. Kapt. H. Otto landete an einer ganz öden Stelle 
nördlich von der Lening-Huk, wo eine Praue zu Anker lag, deren kleines flaches 
Boot zur Landung benutzt wurde. Um bis zu der längs des Strandes führenden 
und sehr gut in Stand gehaltenen Fahrstrafse zu gelangen, mufste noch eine 
Strecke durch Sumpf und Gebüsch zurückgelegt werden. Die Strafse ist sehr 
belebt von kleinen Frachtwagen und Trägern. Eine Landungsbrücke ist nirgends 
vorhanden. Herr Stürmer hat seine Boote in einem kleinen Wasserlauf, nord- 
östlich vom Leuchtthurme liegen; sie werden mit Rollen über eine vor dem 
Wasserarm liegende Sandbank durch die Brandung in See gebracht, Nachts 
werden auf Pfählen auf dem Sande zwei Laternen als Leitfeuer gezeigt, wenn 
das Boot einläuft, um die dem Wasserarm vorgelagerten Felsblöcke meiden zu
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.