Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901,
Das Gesammtergebnifs der Prüfung kann leider nicht als ein besonders
günstiges bezeichnet werden; man erkennt dies am besten aus der folgenden
Uebersicht, welche die procentische Vertheilung der Chronometer auf die einzelnen
Klassen während der letzten Konkurrenz-Prüfungen enthält,
AN
Klasse
Konkurrenz-Prüfung
lı
38%
‘4
‘5
22
6
20
7
IX II
82 27
35 30
ER 23
I5
-
IV
19%
27
0
0
353
333
345
409
361
388
234
403
280
380
427
405
396
356
9
3
L0/,
a,
MM
D
a3
PA
“x
27
22
Di
+
38 7 7
42 12 7
54 20 5 0
329 29 20 2
‘2
26
AM
Zu der vorstehenden Zusammenstellung ist zu bemerken, dafs bei der Ver-
}heilung der Chronometer auf die einzelnen Klassen überall diejenigen Beurtheilungs-
aormen zu Grunde gelegt wurden, welche seit der 22. Konkurrenz-Prüfung ein-
geführt worden sind. Die Zahlen der am Schlusse angegebenen Kolumne % sind
aus der Gleichung
zZ = öp, + 4pı-F3Ps + 2P. EPs
hervorgegangen, wo p, bis pz die vorangehenden Procentzahlen bezeichnen.
Demnach stellt die Zahl X in gewisser Hinsicht eine Relativzahl für die Gesammt-
leistung während jeder einzelnen Prüfung dar. Es liegt natürlich, wie bei jeder
Klassificirung, eine gewisse Willkür in einer solchen Beurtheilung.
Die für die diesjährige Prüfung sich ergebende Zahl X = 356 ist also
kleiner als der entsprechende Werth in den sechs vorangehenden Prüfungen, und
es ist dieser nicht besonders befriedigende Ausfall, wie bereits in dem vorig-
jährigen Berichte betont, jedenfalls in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben,
dafs wegen des allseitig gesteigerten Bedarfes an Chronometern während der
letzten Jahre vorwiegend ganz neue Instrumente eingereicht worden sind, bei
welchen noch eine starke Acceleration vorhanden war. Bei der diesmaligen
Klassificirung hat wegen zu starker Acceleration in 12 Fällen die Versetzung
von Instrumenten in tiefere Klassen erfolgen müssen. — Es möge deshalb an
dieser Stelle nochmals die Ueberzeugung ausgesprochen werden, dafßs es sowohl
für die Kaiserliche Marine als auch für die Fabrikanten vortheilbaft sein würde,
wenn seitens der Letzteren ein größerer Vorrath an Chronometern beschafft
würde, so dafs einerseits eine sorgfältigere Auswahl für die Einlieferung zu den
Konkurrenz-Prüfungen stattfinden und andererseits der geeignete Zeitpunkt für
die Indienststellung der Instrumente wahrgenommen werden kann.
Abtheilung 1V der Deutschen Seewarte.
Dr. Stechert.
Notizen.
1. Wind und Barometerstand im Golf von Petschili. Der Reise-
bericht S. M. S. „Hertha“, Kommandant Freg.-Kapt. Derzewski, enthält darüber
Folgendes: Während der Monate Dezenber (1900) und Januar (1901) waren West-
und Nordostwinde vorherrschend, deren Stärke von dem jeweiligen Barometer-
stande in folgender Weise abhing:
Bei Westwind und fallenden Barometer nahm der Wind zu, überstieg aber
die Stärke 6 nicht; bei steigendem Barometer flaute dagegen der Westwind ab.
Bei Nordostwind und steigendem Barometer frischte der Wind auf und
erreichte bei sehr hohem Barometerstande die Stärke 9 bis 10; bei fallendem
Barometer wurde dagegen der Nordostwind schwächer.
Diese Erscheinungen wurden mit solcher Regelmäfsigkeit beobachtet, dafs
sie wohl als Norm für diese Jahreszeit gelten können.