PP
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1901.
Von S oder N kommend, kann man unbedenklich in 1 Sm‘ Abstand von
der Riffkante daran entlang steuern, bis man die Einfahrt und die Ansteuerungs-
baken sieht.
Für die Nordwestdurchfahrt giebt es ebenfalls zwei Ansteuerungs-
baken, von denen eine auf Ruruan-West, eine auf Kabimkurru-Huk steht. Die
vordere ist ein roth-weißer Schild mit Rhombustoppzeichen, die hintere eine
rothe Pyramide mit weifsen Streifen und Toppzeichen,
Von S und W kommend, bleibe man zunächst westlich von der Linie
Nakukur -—-Uraputput. Von N und NW kommend, nähere man sich dem Lande
nicht eher, als bis die Westenden der Inseln Ruruan und Mioko in etwa SO!A40-
Peilung in Eins sind. .
Gezeiten und Gezeitenströme, Regelmäfsige Gezeiten finden nicht statt.
[m Allgemeinen findet man während der Zeit des Südostwindes tagsüber niedrigen,
nachts hohen Wasserstand; zur Zeit des Nordwestwindes ist es umgekehrt. In-
dessen erfährt diese Erscheinung Verschiebungen in den Uebergangszeiten der
Monsune sowie durch heftige und anhaltende oder umspringende Winde, und zwar
sowohl bezüglich der Regelmäfsigkeit wie auch der Fluthhöhe. Die größte beob-
achtete Fluthhöhe betrug 1.01 m. .
Der Strom ist ebenfalls unregelmäfsig und vom Winde abhängig. Er
erreicht aber zwischen den Inseln, in den Durchfahrten und vor den Huken Ge-
schwindivkeiten von 2 bis 3 Sın.
Einsteuerung, Die Osteinfahrt von Mioko steuere man zunächst in
der Deckpeilung der Baken ein, bis das Ostende von Neu-Lauenburg (Kap
Berard) hinter Kabatirai-Huk verschwindet. Alsdann steuere man je nach dem
Tiefgang WNW!AW bis WNW'4W solange, bis das ÖOstende von Utuan frei
kommt vom Nordwestende Miokos; An Letzterem steuere man in reichlich 100 m
Abstand vorbei und von dort nach dem Ankerplatz vor der Niederlassung auf
Mioko. Wenn das Wohnhaus Süd peilt, findet man in etwa 250 m Abstand vom
Strande auf 15 m Wasser über Sandgrund einen guten Ankerplatz. Schiffe bis
zu 4 m Tiefgang können auch an die Brücke holen.
Vor der Nordwestdurchfahrt suche man aufserhalb der oben an-
gegebenen Grenzlinien in die Deckpeilung der ebenfalls bereits beschriebenen dortigen
Baken zu gelangen und steuere dann auf dieser Leitmarke weiter, bis man an
St. B. die Nordwesthuk von Ulu dwars hat. Dann biege man hart auf Südkurs,
am die in der Deckpeilung der Baken liegende 5 m-Stelle zu vermeiden. Diesen
südlichen Kurs behalte man bei, bis das Wohnhaus der Niederlassung auf Mioko
über das Ostende von Utuan kommt, und biege dann in die Durchfahrt ein, durch
die man mit südöstlichem Kurse so hindurch steuert, dafs man sich stets gut
frei vom Lande, aber der Insel Ulu etwas näher hält als Neu-Lauenburg. So-
bald das Nordwestende von Utuan mit dem Ostende von Ulu in Berührung
kommt, ändere man den Kurs auf OzS, der nach dem Ankerplatze führt. ;
Niederlassungen. Auf Mioko befindet sich eine Zweig-Niederlassung der
„Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee“. Auf Ulu befindet
sich eine Niederlassung der „Wesleyanischen Mission“; dieselbe hat Stationen
auf der ganzen Gruppe vertheilt, denen aber farbige Missionare vorstehen.
. Ausrüstung. Bei der Niederlassung in Mioko kann man Proviant in
kleinen Mengen, Wasser stets von 6 bis 30 t, in regenreicher Zeit auch noch
mehr, und Ausrüstungsgegenstände für Segelboote erhalten.
Zur Lage der Gilbert-Inseln. )
Von Kapt. O0. Kessler, Führer des Schoners „Neptun“ aus Jaluit, ging
der Seewarte von dort ein Schreiben vom 21. Dezember 1899: zu mit der
britischen Admiralitäts-Karte No. 731, Gilbert Islands, London 1892, cor. VH 92.
Diese Karte wurde seit dem Jahre 1894 von Kapt. Kessler auf seinen gewöhn-
kKchen Fahrten in dieser Gegend stets benutzt und mit einer Anzahl von Hand-
2) Karten B. No.: 731 und 7832, Gilbert Islands und Pläne. London 1899. Segelhandbuch:
Pacifie Islands, Bd. II, 1891. Seite 237 ff.