Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1900—1901,
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Die Instrumente von A. Kittel sowie das Chronometer L. Jensen No. 1
sind mit Wippenhemmung versehen; die übrigen Chronometer besitzen die be-
kannte Hemmung von Earnshaw (siehe „Lehrbuch der Navigation“, II, Seite 244,
Fig. 141). Was die Temperatur-Kompensation der Instrumente betrifft, so ist die
einfache Kompensationsunruhe nur bei dem Chronometer Diedrich No. 55 an-
gewendet worden, dagegen sind alle übrigen Instrumente mit Hülfskompensation
versehen. Am häufigsten wurde die von Kullberg angegebene Hülfskompensation
für Kälte (siehe „Lehrbuch der Navigation“, II, Seite 265, Fig. 154) benutzt,
nämlich bei sämmtlichen Chronometern von W. Bröcking, L. Jensen,
Th. Knoblich Nehflgr., A. Lange & Söhne, F. Lidecke, F. Schlesicky
sowie bei den Instrumenten von H. Diedrich No. 49, 50, 56 und 57; das
Chronometer Sackmann No. 2610 ist mit Pooles Hülfskompensation für Kälte
(siehe „Lehrbuch der Navigation“, II, Seite 261, Fig. 148) versehen, und die
Chronometer von A. Kittel enthalten verschiedene von dem Fabrikanten erfundene
Hülfskompensationen. — Die Chronometer Lidecke No. 255 und Sackmann
No. 2610 besitzen Palladium-Spiralen; alle übrigen Spiralen sind aus Stahl.
Als Chronometer rein deutschen Ursprunges (mit Ausnahme von Zugfeder
und Kette) waren die folgenden elf Instrumente bezeichnet worden:
L. Jensen
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A, Kittel
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10. F. Lidecke »
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A Lange & Söhne
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Gemäfs der im August v. J. erlassenen Aufforderung zur Betheiligung an
der Konkurrenz-Prüfung wurde seitens der Direktion der Seewarte auf den
5, November v. J. eine technische Kommission zusammenberufen, um die zuletzt
erwähnten Chronometer einer Inaugenscheinnahme zu unterziehen. Diese Kom-
mission bestand aus folgenden an der Prüfung unbetheiligten Herren:
Chronometerfabrikant F. Dencker in Hamburg,
Direktor der Uhrmacherschule L. Strasser in Glashütte i./Sa.,
Chronometerfahrikant J. Sehnoor in Kiel.
Nach sorgfältiger Durchsicht der Instrumente gaben die Mitglieder der
Kommission die Ueberzeugung zu Protokoll, dafs kein Grund vorhanden sei, den
deutschen Ursprung der einzelnen Theile der Chronometer (mit Ausnahme von
Zugfeder und Kette) in Zweifel zu ziehen; die Instrumente wurden demgemäfs
mit der Anwartschaft auf Prämiirung in die Prüfung eingestellt.
In gleicher Weise wie bei den früheren Prüfungen wurden die Chrono-
meter während der Untersuchungszeit an jedem zweiten Tage um 10 Uhr mit
den Normaluhren der Abtheilung IV der Seewarte auf chronographischem Wege
verglichen. Zur Herstellung einer unabhängigen Kontrole wurde aufserdem an
jedem Dekadentage eine zweite Vergleichung der zu prüfenden Chronometer in
unmittelbarem Anschluß an die erste vorgenommen. —
Bis zum Ende des Jahres 1900 wurden sowohl die Uhrvergleichungen als
auch die Zeitbestimmungen vom Unterzeichneten ausgeführt; von Neujahr 1901
ab übernahm der Hülfsarbeiter Herr Dr. A. Schwaflsmann diese Arbeiten.
Während der beiden ersten Dekaden der Prüfungszeit (1900 Oktober 30
bis November 19) wurden die Instrumente allmählich bis auf 30°C erwärmt. Alsdann
wurden dekadenweise die Temperaturen
20° 25° 20° 15° 10° 5° 5° 10° 15° 20° 25° 3BO°
möglichst innegehalten, und zwar wurden beim Uebergange von Dekade zu
Dekade stets allmähliche Temperatur-Veränderungen vorgenommen. Während
der beiden letzten Dekaden der Prüfung (1901 März 19 bis April 8) wurde die
Ann. d. Hyär. eto.. 1901. Heft VI.