Die neuen meteorologischen Karten der Seewarte,
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Zunächst ist die mittlere Temperatur des Oberflächenwassers während der
betrachteten Monate zu erwähnen. Es giebt keine Beobachtungen, die leichter
anzustellen und an Bedeutung wichtiger sind.
In der That lassen sich durch Vergleichung der Temperaturen des Wassers
mit denen der benachbarten Gewässer die Meeresströmungen erkennen, denn die
Meeresströmungen sind weit wichtiger als wirkende thermische Kraft denn als
dynamische Kraft; eben dieses Wärmeverhältnifs der Gewässer erlaubte es in
verschiedenen Zeiträumen des Jahres die Ausdehnung des Golfstromes durch den
Atlantischen Ozean zu verfolgen. Ihrerseits beeinflussen die Temperaturen des
Meerwassers die der Luftschichten, welche die Oberfläche des Meeres berühren;
lauen Luftschichten entsprechen niedrige barometrische Depressionen, und 80
entstehen zu den Zeiten, in denen der Gegensatz zwischen lauen und kalten
Luftschichten der ausgeprägteste ist, besonders im Winter, die stärksten De-
pressionen, So erklären sich die häufigen Stürme, welche sich namentlich im
Januar auf der Oberfläche des Golfstromes dahinbewegen. Diese schon von Maury
bemerkte Wechselbeziehung ist seit Langem durch Beobachtung?) bestätigt worden,
und man ist heutzutage im Stande, den Grad der Wahrscheinlichkeit der Stürme
im Iunern der Rechtecke der Karte festzustellen.
Zum Beispiel betragen die Aussichten auf Sturm im Januar 37,6°% zwischen
45° und 50° N-Br- und 35° bis 40° W-Lg, 35,2% zwischen 40° und 45° N-Br
und 40° bis 45° W-Lg; diese beiden so vom Wind erregten Rechtecke liegen auf
der Route der transatlantischen Linien ‘nach New York, und man braücht sich
dann nicht mehr zu wundern, wenn die transatlantischen Schiffsgesellschaften im
Winter. ihre Ueberfahrtspreise ermäfsigen. Andererseits sind zur selben Zeit die
Aussichten auf Sturm fast gleich Null im Norden von S. Domingo bis zum
25, Breitengrade.
Die Unterschiede in der Wassertemperatur sind zum grofsen Theile die
Ursache der Entstehung der dicken Nebel. Da der Winter die Zeit ist, in der
diese Unterschiede am schwächsten sind, so erreichte die Nebelhäufigkeit an den
Küsten Amerikas dann ihr Minimum, während ihr Maximum im Juli und August
beobachtet wird. Wenn man nun bedenkt, welche Unglücksfälle die Nebel ver-
anlassen können — der Zusammenstofs der „Bourgogne“ mit der „Cromartyshire“
während des Nebels ist noch in aller Gedächtnis — so begreift man das Interesse
an Einzelheiten über die Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit dieser Erscheinung.
Die Karte giebt die mittlere Zahl der Stunden mit Nebel im Monat in den ver-
schiedenen Rechtecken an: die längste mittlere Dauer, im Januar, beträgt weniger
als 59 Stunden, auf der Grofsen Bank; auf der Dampferroute beträgt sie im
selben Monat kaum 46'/2 Stunden,
Diesen Angaben entspricht natürlich diejenige der atmosphärischen Nieder-
schläge (Regen, Hagel, Schnee). Die Dauer, nach Stunden im Monat angegeben,
erreicht ihr Maximum selbstverständlich, wenn die Stürme am häufigsten sind;
dasselbe Rechteck, das im Januar 37,6% Sturmwahrscheinlichkeit angiebt, hat
Regen von einer mittleren monatlichen Dauer von 203'/2 Stunden.
Die herrschenden Windrichtungen sind in die Rechtecke vermittels Längs-
pfeilen, der Häufigkeit dieser Winde proportional eingezeichnet worden. Die
Nützlichkeit dieser Angaben ist offenkundig für Segelschiffe, welche oft Zeit ge-
winnen, indem sie Umwege machen, um widrige Winde zu vermeiden. Sie ist
nicht unwesentlich auch für Dampfschiffe, denn wenn ihnen auch die günstigen
Winde nicht helfen, so können doch widrige Winde ihnen ernstliche Ver:
zögerungen bereiten. ?)
Die Winterstürme bringen zahlreiche Unglücksfälle mit sich; besonders
am Ende dieser Jahreszeit wird der Atlantische Ozean auch von Wracken durch-
kreuzt, von denen manche lange umherirren, ehe sie zerschellen. Den Untergang
der „Ville-de-Saint-Nazaire“ hat der Zusammenstoß mit einem dieser Wracke ver-
schuldet; für die Schiffahrt ist es auch nützlich, die Punkte, wo die Wracke be-
troffen werden, anzugeben; das thut auch nach dem Beispiel der amerikanischen
1) Vgl. „Die Stürme des Nordatlantischen Ozeans und des Golfstroms.“ („Petermanns
Mittheilungen“, 1862, Seite 229 bis 233.) — K.F. R. Andrau:’ „Sturmkarten‘ des Atlantischen
Ozeans“ (Ibid., 1862, Karte 15).
2) „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“, 1899, Seite 34 bis. 37.