272 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901.
einigten Staaten hatte sich der Radius vergrößert, er schwankte zwischen 150 und
250 Meilen. Mitten im Ozean war der Radius im Mittel 200 Meilen und nahm
wesentlich ab, als der Cyklon die Küste von Frankreich erreichte. Die täglichen
Wetterkarten des Atlantischen Ozeans zeigen, dafs sowohl an der Küste der
Karolinas in den Vereinigten Staaten als zwischen dem 40. und 50. Längengrade,
wo die Bewegung des Sturmcentrums langsam und unregelmäfsig war, Gebiete
hohen Luftdruckes im Norden lagen. Am 15. August lag ein Gebiet hohen Luft-
druckes über den großen Seen und Ontario mit einem Maximum von 770,9 mm,
Wie die synoptischen Karten zeigen, fiel die Abnahme in der Schnelligkeit der
Bewegung des Sturmes mit dem Vorüberziehen dieses hohen Luftdruckes nach
SO zusammen. Am 17. August ist der hohe Luftdruck gerade nördlich von dem
Sturmgebiete, am 20. August hatte er an Höhe abgenommen und bewegte sich
östlich vom 50. Längengrade. Der Sturm hatte nun sich von der amerikanischen
Küste abgewandt und nahm an Geschwindigkeit zu. —
Berlin, 26. März 1901. Jachmann, Korv.-Kapt. a. D.
Die neuen meteorologischen Karten der Seewarte. )
Kaum haben wir die Wichtigkeit regelmäfsig und lange durchgeführter
meteorologischer Beobachtungen für die Schiffahrt gezeigt, so wird auch schon
ein neues Beispiel auf diese Arbeitsart gegründeter Veröffentlichungen bekannt.
Infolge der Gefälligkeit des Herrn Professor Neumayer, Direktor der Deutschen
Seewarte zu Hamburg, sind wir im Besitz der neuen meteorologischen Karten
des Atlantischen Ozeans, welche dieses Institut seit dem 1, Januar 1901 unter
dem Titel „Nordatlantische Wetterausschau“ herausgiebt. Schon heute meinen
wir, dafs diese Karten durch die Reichhaltigkeit ihres Inhalts, die Genauigkeit
ihrer Auskünfte, die Knappheit ihrer Ausführung den Herausgebern die größte
Ehre machen und berufen sind, allen Schiffen, die den Norden des Atlantischen
Ozeans befahren, die größten Dienste zu erweisen. Unsere Seefahrer von
Bordeaux nach Canada, New York, Central-Amerika, den Antillen und dem
Senegal werden das gröfste Interesse an ihrer Benutzung haben und wir glauben
ihnen von Nutzen zu sein, wenn wir sie an ihrem Erscheinen Theil nehmen
lassen. Sie bilden keine unnütze Wiederholung der amerikanischen Pilot-Charts
die Sie Dank Herrn Hautreux und der Gesellschaft für Handelsgeographie in
Bordeaux bereits kennen; sie unterscheiden sich von jenen durch verschiedene
Einzelheiten im Inhalt und der Ausführung, wenngleich schliefslich die Grundsätze
Jieselben sind,
Unter Benutzung des gewaltigen Materials der Beobachtungen, die seit
1884 durch die deutsche Haudelsmarine gewonnen sind, hat die Deutsche See-
warte die Veröffentlichung monatlicher Karten für den Atlantischer Ozean unter-
nommen, dieselbe, die schon die rückblickenden meteorologischen Karten für
den nördlichen Atlantischen Ozean veröffentlichte, die einen Atlas des Atlantischen
Ozeans herausgegeben hat und soeben eine neue Auflage davon erscheinen läßt,
und die kürzlich eine neue Ausgabe ihres Segelhandbuches für denselben Ozean
veröffentlichte. Und wenn man bedenkt, dals diese Beobachtungen nur freiwillig
sind, kann man nur den Eifer und das Verständnifs bei den Seeleuten, die sie
liefern, bewundern und der Arbeit der Unserigen und ihren in unzugänglichen
Archiven vergrabenen Schiffsjournalen einen ähnlichen Nutzen wünschen.
Betrachten wir nun, an der Hand der Auskünfte, die diese Karten geben,
den Nutzen ihrer Anwendung für die Schiffahrt.
Nach Mercatorprojektion entworfen, wie alle Seckarten, reichen sie vom
{1, Meridian Ost bis zum 82. Meridian West von Greenwich und vom 15, bis
zum 66. nördlichen Breitengrade; der dargestellte Raum ist in Rechtecke von
je 5° auf jeder Seite eingetheilt. Für jedes dieser Rechtecke sind die Be-
obachtungen der Schiffe, die sie durchfahren haben, zusammengefafst.
4) Uebersetzung aus der „Revue Commereiale et Coloniale de Bordeaux et du Sud-Ouest“,
No. 93 (18. annee) vendredi 16 Mars 1901,