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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Der Cyklon von Portorico im Jahre 1899 
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weit im Osten entstanden ist, und zwar mindestens auf dem Längengrade der 
Kap Verdischen Inseln.!) Die westindischen Cyklone sind seit der Entdeckung 
Amerikas beobachtet und in tabellarischen Verzeichnissen niedergelegt worden. 
Es war aber erst im verflossenen Jahrhundert, dafs Redfield genügende Beob- 
achtungen zusammenstellte und so uns in den Stand setzte, diese Cyklone auf- 
zuzeichnen und ihren Verlauf annähernd sicher anzugeben. Die Zeit zwischen 
der Entstehung dieser tropischen Stürme, welche östlich von den westindischen 
Inseln ihren Ursprung haben, und ihrem Verschwinden vom Nordatlantischen 
Ozean schwankt von 10 zu 20 Tagen, der Durchschnitt ist weniger als 15 Tage. 
Die Bahn des letzten Cyklons von Portorico zeigt, dafs seine Dauer bei Weitem 
die irgend eines anderen, von dem genügende Beobachtungen zur Vergleichung 
vorhanden waren, übertraf, dafs sie fast dreimal so lange währte als die durch- 
schnittliehe Zeitdauer. Vom 3. August, als der Sturm von dem Dampfer 
„Grangense“ angetroffen wurde, bis zum 7. September, als er vom Nordatlan- 
tischen Ozean die Ostküste Frankreichs berührte, ist ein Zeitraum von.36 Tagen. 
Diese merkwürdig lange Dauer steht in engem Zusammenhange mit der außer- 
gewöhnlichen Bahn und der langsamen Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Cyklons. 
Als der Sturm zuerst von dem „Grangense“ berichtet wurde in 12° 40‘ N-Br und 
35° W-Lg, bewegte er sich WzN. Sein Weg wurde allmählich nördlicher, er 
erreichte bei den Bahama-Inseln eine nordwestliche Richtung. Auf der Höhe der 
Küste von Florida bog der Sturm um und bewegte sich nordöstlich längs der 
Küste von Südkarolina. Vom 3. bis zum 7. August hatte der Cyklon eine Ge- 
schwindigkeit von 20 Meilen in der Stunde und von den Kleinen Antillen nach 
Portorico nur 16 Meilen. Zwischen Portorico und den beiden Karolinas am 
Morgen des 16. August war seine Geschwindigkeit 9 Meilen in der Stunde, da 
er die gewöhnliche Verlangsamung durch die amerikanische Küste erlitten hatte, 
Bis zu diesem Punkte kann die Geschwindigkeit und die Bahn des Sturmes als 
normal angesehen werden, und es war zu erwarten, dafs er in einer nordöst- 
lichen Richtung sich fortsetzen, an Schnelligkeit und Areal bedeutend zunehmen 
und sich schnell über die grofßsen Bänke fortbewegen würde, um dann nördlich 
vom 50. Breitenparallele zu verschwinden. Statt dessen änderte der Sturm seine 
Bahn nach NzW, verlangsamte während des 16. bis 19. August seine Ge- 
schwindigkeit auf 3 Meilen in der Stunde und blieb in der räumlichen Aus- 
dehnung unverändert... Das Zurückbiegen des Cyklons brachte sein Centrum 
nahe der Küste bei Kap Hatteras und vernrsachte hier gröfseren Schaden als 
irgendwo anders längs der Küste der Vereinigten Staaten. Während der August- 
woche vom 24. bis 30. blieb er fast stationär nahe dem 45. Längengrade, das 
Centrum ging vom 26. bis 28. August west- und nordwärts. Am 9. September 
war das Centrum an der Küste der Provence in Frankreich, bis zum 12. Sep- 
tember herrschten hier Stürme vor, an welchem Tage sich der Cyklon offenbar 
mit einem Gebiete niedrigen Luftdruckes vereinigt hatte, welches über dem süd- 
östlichen Europa lag. Barometerablesungen unter 736,6 mm und Winde von 
Cyklonstärke wurden häufig berichtet, während der Sturm die westindischen Inseln 
berührte nnd längs der Küste der Vereinigten Staaten heraufging. Beobachtungen 
der Bahn des Cyklons, als er den Atlantischen Ozean wieder überschritt, zeigen 
nur eine geringe Abnahme in der Windstärke und eine Abnahme in der Tiefe 
der barometrischen Depression. Nur eine Ablesung unter 736,6 mm wurde be- 
richtet, jedoch wurden immer noch vollständige Stürme und Winde von Sturm- 
stärke angetroffen. San Miguel auf den Azoren hatte ein barometrisches Minimum 
von 738,6 mm; der Sturm verursachte auf dieser Insel viel Schaden an Eigenthum 
und den Verlust mehrerer Menschenleben.‘ Das Schiffstagebuch des französischen 
Dampfers „Chäteau Lafitte“, welcher den Sturm am 6. September in 46° N-Br 
und 8° W-Lg antraf, zeigt, dafs er an diesem Tage nur wenig von der Heftigkeit 
verloren hatte, welche er in den Tropen entwickelt hatte, Der Dampfer berichtet: 
„Um Mittag wehie der Wind fast mit Orkanstärke aus SW, die See aus dieser 
Richtung sehr schwer, das Barometer 749,3 mm.“ — 
Während das Centrum des Cyklons über den Kleinen Antillen war, betrug 
der Radius des Sturmgebietes annähernd 100 Meilen. Längs der Küste der Ver- 
1) In den vielen Journalen, welche die Seewarte aus der Umgebung der Kap Verdeschen 
Inseln erhält, findet sich für den Anfang August 1899 keine Andeutung über einen Orkan oder über 
lie. ersten Anfänge eines Orkans. D. Red,
	        
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