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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901.
überhaupt keinen Raum. Ihre Annahme führt thatsächlich auf eine Utopie, auch
wenn man von den deutlichen absoluten Kältezahlen absieht und relative Er-
wärmung herauszurechnen sucht. Dieser Versuch führt im direktesten Sinne zu
negativen Ergebnissen, indem die oben berechneten Temperaturabnahmen auf
100 m bis 6600 m noch anwachsen. Auch im Hinblick auf diese Zahlenreihe
kann der einzige irgendwie erhebliche Temperatursprung unterhalb 6600 m übrigens
nur diesseits 4550 m angenommen werden.
Ein Grund wird hier allerdings in Bereitschaft sein zu einem letzten
Versuch, den vorhergehenden Einwand zu halten, eine Variation des Schlufswortes
vom zweiten Bande der „Wissenschaftlichen Luftfahrten“:
„Baut brauchbare Instrumente und führt, bis wir solche haben, lieber eine
»bemannte« Fahrt als drei Aufstiege mit dem »Ballon-sonde« aus!“*)
Wenn diese Aufforderung berechtigt wäre, dann würde allerdings eine
wichtige Grundlage meiner Ausführungen, die Beobachtungsreihe des „Cirrus“,
ins Wanken kommen,
Wenige Seiten vorher ist jedoch der Vorschlag des Strafsburger Aeronauten
Hergesell als sehr beachtenswerth bezeichnet, „ausschliefslich denjenigen Theil
des Thermogramms auszuwerthen, der während schneller Vertikalbewegung des
Ballons gezeichnet wurde.“ Afsmann giebt selbst zu: „Ohne Zweifel lassen
sich die gröbsten Irrthümer auf diese Weise vermeiden.)
Die Ventilation des Registrirapparates belief sich aber beim Aufstieg des
„Cirrus“ thatsächlich auf 5,5 bis 9,2 Sem, und zwar bis 10 600 m Meereshöhe.‘)
Für ein Aspirationsthermometer werden von Afsmann selbst nur 2 bis 3 Sem
Ventilationsgeschwindigkeit beansprucht. *)
Die Temperaturabnahme mit der Höhe, wie sie einerseits auf dem „Phönix“
mit dem Aspirationsthermometer, andererseits auf dem „Cirrus“ durch Selbst-
vegistrirung festgelegt ist, läfst gerade bei den Fahrten vom 7. Juli 1894 einen
genaueren Vergleich zu, als bisher ausgeführt. Um die noch sehr wenig ge-
klärte Frage der täglichen Periode der Temperatur in höheren Regionen von
vornherein auszuschalten, ist nöthig, die Temperaturänderung mit der Höhe, wie
sie sich genau zur Zeit des Vergleiches herausstellte, auch für den bemannten
Ballon zu berechnen,
Für diesen Zweck steht vom 7. Juli 1894 eine eingehende Beobachtungs-
reihe der meteorologischen Elemente an den Fufspunkten der Ballonbahn zur
Verfügung. ©)
Sie ermöglicht folgenden Vergleich:
Ballon
„Phönix“ ‚..
„Cirrus“ ....
Zeit
3b 411/am a
ah 40m — 3h 45m a |
Höhenstule
m über N. N.
1316
2765
Temperatur
unten ; oben
+16,6° | +12,2°
+4+17,0° + 7,0°
Temperaturabnahme
auf 100 m
44° : 13,16 m = 0,34°
10,0° ; 27,65 m = 0,37°
Es stellt sich also eine nahezu vollkommene Uebereinstimmung heraus
zwischen den beiderseits berechneten Temperaturabnahmen mit der Höhe. Die
Abweichung um 0,03° kann den „Cirrus“-Registrirungen sogar noch gutgeschrieben
werden, da die anerkanntermalsen wichtigsten Fehlerquellen einerseits in der
Trägheit der der Temperaturwirkung ausgesetzten Medien, andererseits in dem
erwärmenden Einfluß des Ballonkörpers zu suchen sind. Der Ablesung stärkerer
Temperaturabnahme mufs in beiden Hinsichten die gröfsere Gewähr der Richtig-
keit beigemessen werden.
„Wissenschaftliche Luftfahrten“, Bd. II, Seite 706.
° A. a. O., Bd. II, Seite 703.
Siehe Seite 263. S
„Wissenschaftliche Luftfahrten“, Bd. T, Seite 171.
A. a. O.. Bd. II, Seite 342.