Zur Küstenkunde des‘ Bismarck-Archipels.
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Die Tiefenverhältnisse sind unregelmäßig, und der schroffe Ueber-
gang von grofsen Tiefen zu vollkommen flachem Wasser oder Riffen gestattet
den Schiffen fast nirgends die Benutzung des Handlothes. Die 100 m-Grenze
zieht sich jedoch um die ganze Inselgruppe aufserbhalb der Korallenriffe entlang.
Häfen und Fahrwasser, Die Gruppirung der Inseln bildet drei ge-
trennte Häfen oder Rheden, die verschiedene Einfahrten haben, und aufser-
dem befindet sich auf dem Nordende der Hauptinsel eine Bucht als Ankerplatz,
Der Hafen von Mioko liegt zwischen Neu-Lauenburg, Muarlin, Mioko,
Utuan und Ulu, Derselbe hat zwei Haupteinfahrten, die Nordwestdurchfahrt
zwischen Neu-Lauenburg und Ulu sowie die Osteinfahrt zwischen Muarlin und
Mioko, die Levinson-Durchfahrt genannt wird. Kleine Fahrzeuge können auch
noch die Durchfahrt zwischen Neu-Lauenburg und Muarlin als Einfahrt benutzen
oder, vom Kerawara-Hafen kommend, die Durchfahrt zwischen Utuan und dem
dort vorgelagerten Barrier-Riffe,
Die Nordwestdurchfahrt ist unrein infolge verstreut liegender flacher
Stellen und Klippen; sie ist aufßserdem von der Niederlassung auf Mioko durch
ein Flach mit steinigem Grunde und Korallenblöcken getrennt, auf dem weniger
als 10 m Wasser steht. Es wurde rechts in der Einfahrtslinie kürzlich noch eine
flache Stelle gefunden, auf der nur 5m Wasser steht. Die Benutzung dieses
Fahrwassers ist für Schiffe von mehr als 4m Tiefgang, sofern sie nicht von
Ortskundigen geführt werden, gefährlich. Auch Fahrzeuge mit noch geringerem
Tiefgang müssen mit besonderer Vorsicht geführt werden, unter gutem Ausguck
nach Brandung und Untiefen. Segelschiffe, die Mioko-Hafen bei Südostwind ver-
lassen oder bei Nordwestwind erreichen wollen, sind jedoch auf die Nordwest-
durchfahrt angewiesen. Bei Nordwestwind läuft die See und Dünung in der
schmalen Einfahrt hoch auf. , ;
Die Osteinfahrt ist tiefer und rein, aber schmäler und kürzer. Sie
kann von den tiefgehendsten Schiffen benutzt werden,
Die beiden andern Einfahrten werden vorläufig nur von Ortskundigen
mit Booten und kleinen Segelfahrzeugen benutzt.
Der Hafen von Kerawara, der zwischen Kerawara, Kabakon und Ulu
liegt, hat drei Einfahrten, Eine führt von W zwischen Kabakon und Ulu hin-
durch, eine von Osten als schmale Bootsdurchfahrt zwischen dem Ostende von
Kerawara und dem Barrier-Riffe, und als dritte kommt noch die Durchfahrt
zwischen Utuan und dem Barrier-Riffe vom Mioko-Hafen her in Betracht. Diese
Fahrwasser können, solange sie nicht betonnt oder bebakt sind, nur von Orts-
kundigen mit kleinen Fahrzeugen benutzt werden. .
]m Kerawara-Hafen liegt die kleine Insel Wunerun, .
Der Hafen von Makada zwischen Neu-Lanenburg und Makada ist von
Norden und Süden zugänglich. In ibm giebt es zwar einige flache Stellen mit
weniger als 6 m Wassertiefe, aber er kann trotzdem wegen seiner grofsen Aus-
dehnung von Schiffen bis zu 6 m Tiefgang befahren und nach Kurs und Peilung
erreicht werden,
Der Hunter-Hafen (Balanawang), an der Nordostseite der Hauptinsel,
ist eine nach N offene Bucht, die gegen Nordwest- und Südostwinde geschützten
Ankerplatz bietet, allerdines nur auf grofser Wassertiefe oder dicht am Straude.
Landmarken, Ansteuerung. Auf gröfsere Entfernungen bietet die Insel-
gruppe infolge ihrer geringen Höhe und ihrer gleichmäfsigen dichten Bewaldung
fast keine Landmarken; auch die einzelnen Inseln sind noch nicht von einander
zu unterscheiden. Aus einigen Richtungen kann man Makada an dem hohen
Lande seines Nordwesttheiles erkennen, und Mioko an einem in der Mitte dieser
Insel stehenden auffallend hohen Baum. .
Bei klarem Weıter kann man sich indessen unbedenklich der Inselgruppe
nähern, um die einzelnen Inseln und Huken auszumachen. Bei trübem, un-
sichtigem Wetter ist Vorsicht geboten, weil man, wenn man mit dem Loth Grund
bekommt, sich schon dicht vor den Riffeu befindet.
Für die Osteinfahrt zum Hafen von Mioko giebt es zwei Ansteue-
rungsbaken, die, in Eins gehalten, frei von den aufserhalb der Levinson-
Durchfahrt liegenden Riffen führen. Die hintere Bake bei Kabirtelir ist ein mit
Latten bekleidetes Dreibein, die vordere auf einem freiliegenden Felsblock an
der Südwestseite von Muarlin stehend, eine Stange mit Kegeltoppzeichen.: *‘’-