Krebs, W.: Luftwogen über Mitteleuropa am 7, Juli 1894.
Die Temperaturabnahme auf 100 m berechnet sich daraus
für die Schichten 835— 2800m zu — 0,369
2800 — 4550m - —0,57°
4550 — 6600m . —0,59°
6600— 8550m —0,51°
8550— 10600m „ —049°
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Setzt man, den früheren Ausführungen entsprechend, den Temperatur-
sprung höchstens auf 4500 m Höhe an, also innerhalb der Schicht 2800—4550 m,
so gilt noch bis zu dieser Höhe die Abnahme um etwa 0,36° auf 100m weiter,
Die Abnahme um 0,57 m ist lediglich veranlaßt durch die wesentlich niedrigere
Temperatur oberhalb der Sprungfläche bei 4550 m Höhe. Thatsächlich scheint auch
der Lichtdruck des Registrirstreifens, der den „Luftfahrten“ beigegeben ist, an
der schwach S-förmigen Krümmung des ersten stark absteigenden Astes der
Temperaturkurve an der Stelle, wo etwa 0° passirt wird, eine Verstärkung des
Absteigens erkennen zu lassen.!)
Berechnet man nun die Temperaturen erstens mit der Abnahme -— 0,36
von 2800 m aufwärts, zweitens mit der Zunahme 0,57 von 4500 m abwärts bis
zu der Sprungfläche von 4500 m Höhe, so erhält man an dieser Grenze
in der unteren Schicht +7° — 6,1° = +0,9°
in der oberen Schicht — 3° +0,3° = —2,7°
Die Temperaturdifferenz würde also hier betragen 3,6°C.
Das ist genau derselbe Werth, wie ihn oben die Berechnung aus der
Wogenlänge und der Geschwindigkeitsdifferenz unabhängig ergeben hat.
Diese vielfältigen Uebereinstimmungen, die bei der Schwierigkeit und
Neuheit der ihnen zu Grunde liegenden Vorstellungen von besonderem Werthe
erscheinen, stützen einander gegenseitig und bezeugen so die Richtigkeit dieser
Vorstellungen. .
Doch sei gestattet, trotzdem auf die wichtigsten Einwände einzugehen,
auf die nach den bisher schon vorliegenden sehr gegensätzlichen anderen Be-
arbeitungen zu rechnen sein möchte.
Zunächst die Abweichung der von mir berechneten Geschwindigkeit der
oberen Luftströmung von der in den „Luftfahrten“ angegebenen, 46 gegen 28Sem.®)
Diese Geschwindigkeit von 28 Sem ist in den „Luftfahrten“ lediglich aus der Zeit
bis zur Landung berechnet, die ohne weiteren Kommentar als „gegen 3 Uhr
nachmittags“ angeführt ist bei dem Kloster Tavna, nahe der serbischen Grenze
bei Zwornik.®) Ihr Anfangspunkt ist 4" 5" vormittags, als der Ballon „fast
senkrecht“ wieder über dem Ballonplatz erschienen war. Auch diese Angabe ist,
wie oben ausgeführt. recht ungenau. Also weder Anfang noch Ende der Fahr-
zeit liegen fest. Wenn der Ballon, was bei jener dürftigen Angabe keineswegs
ausgeschlossen werden kann, nicht sogar stundenlang vor seiner Auffindung bei
Tavna geruht hat, liegt ein Zurücktreiben, ähnlich wie es Dworak auf seiner
von Tavna nur etwa 80 km entfernten Landung erlebte,*) oder auch eine Ab-
nahme der früheren Geschwindigkeit der tragenden Oberströmung in diesem fernen
Südosten durchaus im Bereiche der Wahrscheinlichkeit. Die Berliner Berechnung
auf 28 Sem kann also keineswegs einen ernstlichen Einwand begründen.
Ebenso wenig Werth dürfte auf einen Einwand uelegt werden, der von
der Voraussetzung der Baschinschen Darstellung der Lufiwogen ausgeht, dafs
die obere Schicht wärmer war. Bis jenseits 6600 m, also in Schichten, die der
„Cirrus“ erreicht hatte, als er auch nach Baschin längst in den Südsüdostkurs
amgeschwenkt war, lassen die Registrirungen für eine solche wärmere Oberschicht
A. a. O., Bd. II, Lichtdrucktafel zu Seite 680, Abb, No. 34.
A. a. O., Bd. II, Seite 681.
} A. 8a. O., Bd. IT, Seite 681.
‘) Der Ballon „Hannover“ mit Leutnant DwoFak flog nach zuletzt fast südlicher Richtung
bis fast über Gracanica (73 km von Tavna) und wurde danach nach NNO bis jenseits Zupanje
zurückgetrieben, wo er landete. [Nach der amtlichen Lichtdruckkarte des K. u. K. Militär-Aero-
nautischen Curs betr. die „9. Freifahrt am 29. August 1894“, Dieses Datum ist unrichtig, vielmehr
durch den 28. August 1894 zu ersetzen, wie mir der Chef genannter Anstalt, damals Herr Haupt-
mann Trieb. durch Brief vom 21. September 1895 (J.-No. 35) bestätigt hat]