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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

DB6 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901. 
zu derjenigen der Wogenbewegung addirt zu werden, um ein Minimum des 
Strömungsunterschiedes zu ergeben, durch die der Wogenschlag auf der unteren 
Schicht hervorgerufen war. In dieser Weise berechnet, betrug dieser Unterschied 
der unteren und der oberen Geschwindigkeit oder, wie man noch genauer sagen 
kann, die relative Geschwindigkeit, mit der sich ein Lufttheilchen der oberen 
Luftschicht von einem eben erst benachbarten der unteren an der Grenzfläche 
entfernte, mindestens 54 Sem, 
Das ist zugleich der absolute Werth der Geschwindigkeit, mit der sich 
der Wogenschlag auf der unteren selbst strömenden Luftschicht vollzieht. Die 
früher gefundenen 47 Sem sind nur diejenige Geschwindigkeit, mit der die langsam 
nach NW zurückversetzten Wogen wegen ihrer viel schnelleren Bewegnng nach 
SSO über die Beobachtungsstationen hin nach dieser südsüdöstlichen Richtung 
passiren. Da aber die bewegte Schicht ebenso wie die bewegende aus atmo- 
sphärischer Luft besteht, ist der Unterschied ihrer Dichte aufserordentlich gering. 
Deshalb hat die Annahme grofse Wahrscheinlichkeit für sich, dals die letztere 
Geschwindigkeit von 47 Sem thatsächlich zugleich diejenige des oberen Sturmes, 
die andere von 54 Sem der wirkliche Unterschied zwischen den Geschwindigkeiten 
der beiden Luftschichten ist. Die Geltung dieser Annahme wurde gelegentlich 
einer anderen Luftfahrt, derjenigen des Leutnants Dworak von Wien nach 
Zupanje in Kroatien, durch Nachberechnung bestätigt.!) - 
Nimmt man den von H. v. Helmholtz aufgestellten Satz von der 
mechanischen Aehnlichkeit der Wasser- und Luftwogen?) als geltend an auch bei 
Luftschichten von jenem Unterschied der Geschwindigkeiten, so ginge die Gleichung 
desselben Physikers L: 549,65 = 02: 10? 
in unserem Falle über in die Form: 
345 000 : 549,65 + 54% : 102%, 
falls der Temperaturunterschied der beiden Luftschichten 10 Centigrade betragen 
würde, Da dann die rechte Seite aber viel gröfser ist als die linke, kann die 
Gleichung nur unter der Voraussetzung erhalten bleiben, dafs der Temperatur- 
unterschied geringer ist. Die Wellenlänge von 549,65 m läfst sich aber, nach 
anderen Ausführungen von H. v. Helmholtz, auf jedes andere Dichteverhältnifs 
der Schichten zurückführen, da sie sich in dem direkten Verhältnisse der Kubik- 
zahlen dieser Dichten ändert. Für das direkte Verhältnifs der Dichten kann 
man hier aber unbedenklich das umgekehrte Verhältnifs der Temperaturen setzen, 
da in nahe benachbarten Luftschichten der Atmosphäre Dichtigkeitsunterschiede 
lediglich von Temperaturunterschieden bedingt zu sein pflegen. 
Dann erhält man anstatt jener Ungleichung die wirkliche Gleichung: 
345 000 : AED — 542: 102 
in welcher t den wirklichen Temperaturunterschied an der Grenzfläche der beiden 
strömenden Luftschichten bedeutet. Daraus ergiebt sich 
1/2916 - 549650 _ nor 
t — 28.349050 — 3,6 c. 
Dieselbe Gröfse ist auf ganz anderem Wege aus den direkten Abmessungen 
zu berechnen, die den auf dem „Cirrus“ registrirten Kurven von dem Bearbeiter 
dieses Theiles der „Luftfahrten“, Berson, von 5 zu 5 Zeitminuten ermittelt sind. °) 
Da das doch wohl unter schärfster Ausnutzung der Originalkurven geschehen ist, 
übernehme ich hier diese Zahlen bis 4 5" 3. 
7 ei 
Luftdruck red. | Seehöhe | Lufttemperatur 
ID 
m 
da 
3b 400 & | 
3b 450 a 
3h 50m a 
3h 550 a 
4h 0m a 
4b 5mga 
764 35 
550 2 800 
440 4550 
340 6 600 
260 8 550 
200 10 600 
+17 
+ 7 
— 3 
— 35 
— 25 
= 35 
S 
„Meteorologische Zeitschrift“, 1894, Seite 465; 1895, Seite 154. 
„Sitzungsberichte der Königl. Preufsischen Akademie der Wissenschaften“, Berlin 1888, S. 661. 
„Wissenschaftliche Luftfahrten“, Bd. I, Abth., III, Seite 143.
	        
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