264 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901.
Ende erreicht, und dafs die Ueberwindung des sogenannten todten Punktes, bei
der Umkehr in die fast entgegengesetzte Richtung, die weitere Zeitdifferenz bis
zur Rückkehr ausgeglichen hat.
Daraus ergiebt sich, daß der Beginn der Umkehr keinesfalls nach 3" 48" a
angesetzt werden darf. Die Meereshöhe des Ballons betrug nach den barographischen
Aufzeichnungen um diese Zeit etwa 4500 m. Hier würde also die wahrscheinlich
mittlere Meereshöhe der Grenzfläche liegen.
Für diese Schlufsfolgerung spricht auch der Wechsel der Geschwindigkeit,
mit der die Aufwärtsbewegung des „Cirrus“ in jener Zeit erfolgte. Folgende
Tabelle enthält die Geschwindigkeit der Aufwärtsbewegung, wie ich sie für die
Zeiträume von 5 zu 5 Minuten aus den in den „Wissenschaftlichen Luftfahrten“
yeyvebenen Werthen!) berechnete.
Zeit
3b 40 — 3h 45ma
83h 458 — 3h 50m
3h 50m — 3h 550
zb 55m — 4b 0m
4b Om .— 41 3m
Höhenstufe
m über N. N.
35 bis 2800
2800 „ 4550
4550 „ 6600
5600 „ 8550
8550 . 10600
Vertikalgeschwindigkeit
Sem
2765 m : 3008 = 9,2 Sem
1750 m : 300° = 5,5Sem
2050 m : 300° = 6,8 Sem
1950 m : 3005 = 6,5 Sem
1950 m : 3005 —= 6,5 Sem
An dieser Tabelle fällt sogleich das erhebliche Minimum auf, das die
Vertikalgeschwindigkeit zwischen 2800 und 4550 m über dem Meeresniveau zeigte,
Sie ist also diesseits 4550 m Höhe irgendwo so stark beeinträchtigt worden, dafs
ihr Durchschnitt fast auf die Hälfte des vorhergehenden Durchschnittswerthes
herabsank und dafs er um mehr als 20% von den folgenden Geschwindigkeits-
werthen überholt wurde. Bis über die doppelte Meereshöhe hinaus blieben
hberdies die letzteren Werthe fast konstant. Wenn man bei der Seltenheit der
Beobachtungen vom „Schwimmen“ eines Ballons auf einer strömenden Luftschicht
auch vorläufig von der Annahme einer Oberflächenspannung solcher Schichten
absieht, so wird die annehmbarste Erklärung jener auffallenden Verzögerung des
Aufstieges von der Abkühlung des Ballongases in einer wesentlich kälteren
Luftschicht geboten, die später vielleicht durch den gehäuften Einfluß der Sonnen-
strahlung ausgeglichen wurde. ?)
Das von Baschin als Vorbedingung angeführte Vorhandensein zweier in
fast entgegengesetzter Richtung strömenden Luftschichten war der Ausgangspunkt
meiner älteren Untersuchung gewesen, die sich, wie einige schon veröffentlichte
Arbeiten ähnlicher Art, mit dem Nachweis grofser Luftwogen durch Vergleich
zenauer Luftdruckkarten mit einem Barogramm aus demselben Zeitabschnitt be-
schäftigte. 3)
Das Barogramm stand mir für den 6. und 7. Juli 1894 von dem Baro-
graphen der Deutschen Seewarte zur Verfügung.
Die Luftdruckkarte (Abb. 1) für 8a des 7. Juli wurde nach dem Beob-
achtungsmaterial der deutschen Wetterkarten, aber in Millimeter-Intervallen, ent-
worfen. Sie läßt in der Richtung von NNW nach SSO gerade über das durch
centrale Lage bevorzugte Hamburg hin an den Isobaren 765, 766 und 767 die
für ausgeprägte Luftwogen charakteristische Schlängelung erkennen. Das von
mir Wogenschnitt genannte Profil*) wurde durch die Barographenstation Hamburg
in der angegebenen Richtung hindurchgelegt (Abb. 2). - ;
Handelte es sich wirklich um eine Wogenbewegung aus nordnordwestlicher
nach südsüdöstlicher Richtung, so mußte von Hamburg aus nach SSO liegen,
was an Luftdruckänderungen die Station schon passirt hatte. Zwischen Wogen-
schnitt und Barogramm stellte sich eine beweiskräftige Uebereinstimmung that-
1) A. a O., Bd, I, Abth., III, Seite 143,
2) Das Thermogramm des „Cirrus“ wies in der Folge auffallende regelmäfsige Schwankungen
auf, die Alsmann selbst auf einen „häufig und stark wechselnden Strallungseinflufs“ zurückführt.
A. a. O., Bd. II, Seite 683.
3) „Meteorologische Zeitschrift“, 1894, Seite 465; 1895, Seite 154. „Annalen der Hydro-
graphie und Maritimen Meteorologie“, Berlin 1900, Seite 551 bis 554.
4) „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“, Berlin 1900, Seite 553.