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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Krebs, W.: Luftwogen über Mitteleuropa am 7. Juli 1894. 263 
Möglichkeit eines Ablesefehlers, und zwar gemeinsam für die Temperatur- und 
Feuchtigkeitswerthe, zu. Hierfür kann noch geltend gemacht werden, dafs die 
„Phönix“-Fahrt vom 7. Juli 1894 erst die dritte der wissenschaftlichen Luftfahrten 
war, an denen Baschin theilgenommen hat, und dafs seine vorhergehende als 
„Schleiffahrt bösester Art“ nach Bersons Zusammenstellung endete,!) also wohl 
geeignet erscheint, auf die Nerven zu schlagen. Wie aus dem Fahrtbericht des 
gleichen Verfassers hervorgeht, wurde bei der Fahrt vom 7. Juli 1894 damals 
besonders gefürchtet, auf das Meer getrieben zu werden.“) Auch mochte nach 
dem mehr als zwölfstündigen ununterbrochenen Beobachtungsdienste eine erklärliche 
Abspannung eingetreten sein. Nicht unerheblich erscheint in dieser Hinsicht der 
Umstand, dafs gerade in der ersterwähnten bestimmteren Mittheilung von Baschin®) 
die später liegende 9 Uhr- Beobachtung übergangen, auf sie also weniger Werth 
gelegt worden ist. Bei scharfer Anspannung des Beobachtungsvermögens sollte 
doch für diese Beobachtung, nachdem durch die vorhergehenden die Aufmerksamkeit 
auf die auffallenden Anomalien gelenkt war, umgekehrt eine höhere Bewerthung 
als für die anderen erwartet werden. 
Von jenen beiden Beobachtungen ungewöhnlich hoher Temperatur und 
Feuchtigkeit aus, 6" 56" und 7°a, schliefst Baschin auf eine Wogenbewegung 
an der Grenzfläche zweier Luftschichten, in der Art, dafs die Ballonfahrer sich 
„zu der betreffenden Zeit in dem unteren Theile einer Woge befunden hatten, 
die einem in größeren Höhen befindlichen wärmeren und feuchteren Luftstrome 
angehörte“, °) 
Als „Vorbedingung“ dieser Wogenbildung zieht er den Umstand heran, 
daß der während der „Phönix“-Fahrt von Charlottenburg 3" 40” a aufgelassene 
Registrirballon „Cirrus“ in größerer Höhe fast die entgegensetzte Richtung ein- 
schlug und mit großer Geschwindigkeit nach Bosnien getragen wurde. Die 
Grenzfläche dieser oberen Strömung, nach SSO, gegen die untere in den nord- 
westlichen Quadranten hinein gerichtete nimmt Baschin in den „Luftfahrten“ 
deshalb „weit unterhalb 6600 m“ an, weil nach seiner Meinung einige Zeit ver- 
streicht, ehe mit Sicherheit die direkte Umkehr eines ziemlich weit entfernten 
Ballons festgestellt werden kann.*) Diese Feststellung war erst 3" 56” a, also 
16 Minuten nach der Auffahrt, geschehen, zu einer Zeit, als die Aufzeichnungen 
des Ballon-Barographen weniger als 340 mm Luftdruck, also mehr als 6600 ın 
Höhe ergaben. ®) 
Dem Einwande Baschins kann ich aus einem Grunde beipflichten, der 
von der Beobachtung selbst geboten wird. Nach dem Wortlaute des endgültigen 
Fahrtberichtes vom 7. Juli 1894 schlug der „Cirrus“ „zuerst einen nach WNW 
gerichteten Kurs ein, kehrte indefs schon um 3* 56”a nach SSO zurück und 
befand sich um 4° 5“ a wieder fast senkrecht über dem Ballonplatze“.°) 
Die beiden Richtungen, zwischen denen sein Hin- und Rückweg in dieser 
Zeit wechselte, WNW und SSO, ‘besitzen einen kleinsten Winkelunterschied von 
22'/ Bogengraden. Flog der „Cirrus“ mit der aus der „Phönix“-Fahrt hinreichend 
bekannten Geschwindigkeit der unteren Luftschicht wirklich 16 Sekunden lang 
nach WNW, so mufste die horizontale Komponente dieser Fahrt 7 bis 9 km be- 
tragen. Wenn seine Fahrt dann nach SSO umschlug, so mufste er sich beim 
nochmaligen Passiren des Ballonplatzes um etwa 3 km südwestlich von der 
Zenithlinie seines Aufstiegortes befinden. Auch bei seiner damals. erreichten 
Meereshöhe von 10600 m berechnet sich diese seitliche Abweichung auf etwa 
17 Himmelsgrade und ist also zu grofs, als dafs die neue Stellung „fast senkrecht 
über dem Ballonplatze“ erscheinen könnte. Man vermag sich leicht in dieser 
Hinsicht durch den Versuch zu überzeugen, indem man in Meterentfernung vom 
Auge einen Mafsstab von 30 cm senkrecht zu der Zenithlinie nach SW hält. 
Nur erst etwa 15 cm Abstand würden die Bezeichnung „fast senkrecht“ einiger- 
mafsen rechtfertigen, Das führt aber auf den Schlufs, dafs nach höchstens 
8 Minuten anstatt nach 16 die Versetzung des Registrirballons nach WNW ihr 
„Wissenschaftliche Luftfahrten“, Bd. I, Abth. III, Seite 76. 
A. a. O., Bd. IT, Seite 340. 
- „Meteorologische Zeitschrift“, Wien 1900. Seite 231, 232 
A. a. O., Bd. IT, Seite 346. 
‚ A. a. O., Bd. I, Abth. III, Seite 143. 
N A. a. O., Bd. II, Seite 681.
	        
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