256 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901
Deckpeilung des Thurmes der S. Pedro - Kirche mit dem Bogen nach Osten zu
nähert, desto sandiger.
Fischereigeräthe, In der oben erwähnten Deckpeilung, auf 9 m Tiefe
bei Niedrigwasser, ist eine Vorrichtung zum Hummernfang verankert, die im
Winter eingezogen wird. Unmittelbar östlich von ihr erstreckt sich eine Reihe
von anderen Vorrichtungen in rw. Nord — Südrichtung auf die Klippen des
Portinho de reves (Kleiner hinterer Hafen) zu.
Innerer Ankerplatz. Kleine Dampfer finden östlich von den genannten
Fischereigeräthen auf Sandgrund guten Ankerplatz, indem sie in rw. Nord—Süd-
richtung mit dem Leuchtthurme im Fort sich halten. In dieser Richtung findet
man 1 Kblg. vom Lande entfernt 6 m Wasser bei Niedrigwasser. Querab peilt
nan die Kreuzkapelle (Ermida da Cruz) im Westen der Stadt südlich frei von
dem Fort. Dieser Ankerplatz ist jedoch besonders im Winter wegen seiner
zrofsen Nähe am Lande nicht empfehlenswerth.
Portinho de reves (Kleiner hinterer Hafen). Etwa in der Mitte der
Einfahrt zu diesem Hafen liegt eine Klippe, die bei Niedrigwasser oder bei
starkem Seegange sehr gefährlich werden kann; man thut daher gut, sich näher
an der Südseite der Einfahrt zu halten, darf aber die nöthige Vorsicht wegen
der nahe an dieser Seite liegenden Klippen nicht aufser Acht lassen, die bei
Niedrigwasser eben in die Wasserlinie kommen oder nur wenig unter Wasser
liegen. Bei Niedrigwasser und bei Seegang findet der erste Anprall des Meeres
eben südlich vom Hafen statt, worauf beim Binlaufen in den Hafen zu achten ist.
Wrack. Das eben westlich von dem Fort befindliche Wrack bildet eine
zrofse Gefahr für die Küstenschiffahrt; in der neu aufgenommenen portugiesischen
Karte ist seine Lage angegeben. Es liegt etwa 150 m südlich von der Klippe
Alto da Vella. Wenn man den Leuchtthurm im Fort frei von der Südostecke
des Forts hält, vermeidet man dus Wrack.
Insel Berlenga (Burling).
Ankerplatz. Der Ankerplatz südöstlich vom HLeuchtthurme, vor dem
Carreiro do Mosteiro, bietet guten Schutz gegen Wind und See von Nord über
West bis SW. Kleinere Schiffe können 1 Kblg. vom Lande entfernt auf 23 m
Wasser bei Niedrigwasser ankern, wenn der westliche Theil des Carreiro sichtbar
wird; von diesem Ankerplatze aus peilt man das Kastell S. Joxo Baptista an der
nächsten Bucht in rw. Ost, während man die Insel Velha im Norden von Berlenga
zur Hälfte frei von dem nächsten Lande (Berlenga) erblickt. Zu beiden Seiten
des Gebietes vor dem Carreiro hat der Grund viele felsige Stellen, während er
gerade davor bis mindestens 25 m Tiefe aus Sand besteht,
Zweifelhafte Untiefe. Etwa 180 m westlich von dem soeben beschriebenen
Ankerplatze wurde während der Vermessungsarbeiten beim Verankern einer Tonne
zweimal eine verhältnifsmäfsig geringe Wassertiefe gefunden. Die darauf an dieser
Stelle angestellten Lothungen ergaben ziemlich unregelmäfsigen und felsigen Grund
und das Vorhandensein einer kleinen Erhebung, die man als unterseeische Fort-
setzung des Bergrückens an der Ostseite des Carreiro betrachten kann. Kin
zweimaliges Draggen zeigte ebenfalls eine Erhebung; beim zweiten Mal kam
die Dragge fest, so dafs sie nicht wieder aufgeholt werden konnte. Einige Fischer
behaupteten, dafs an dieser Stelle keine Felsen vorhanden seien, sondern dafs
der Grund aus Sand bestände; die letztere Behauptung trifft jedoch nicht zu.
Andererseits ist es kaum anzunehmen, dafs eine bedeutende felsige Erhebung
vorhanden sein könnte, ohne den Fischern bekannt zu sein. Die Farbe des
Wassers an dieser Stelle deutete auch nicht auf das Vorhandensein einer Untiefe
hin; allerdings war zur Zeit der Untersuchung gerade Hochwasser, und es stand
ctwas Seegang. Es bleibt also nur noch die Annahme, dafs der Anker der Tonne
vielleicht auf irgend einen schwimmenden Gegenstand gerathen ist.
Allgemeine Bemerkungen. Auf der Insel giebt es nur Regenwasser,
das in Cisternen gesammelt wird; nur eine kleine Quelle mit wenig, aber gutem
Wasser entspringt in dem oberen Theile einer Höhle an der Bucht bei dem Fort.
Wasservögel und zahme Kaninchen sind auf der Insel im Ueberflufs vorhanden.
Bei der Insel Velha findet man Muscheln von ausgezeichneter Beschaffenheit in
grofser Menge, die Percebes genannt werden, Hauptsächlich werden jedoch in