Die Noth- und Orderhäfen der Azoren.
253
Es giebt regelmäßige zweimalige Postverbindung im Monat mit Lissabon
durch portugiesische Postdampfer, aufserdem laufen noch mehrere zwischen Europa
und Amerika verkehrende Postdampfer den Hafen an.
Telegraphische Verbindung besteht direkt mit Lissabon, außerdem
mit den übrigen Inseln und über Horta auch mit Nordeuropa und Nordamerika,
Schiffsausrüstung aller Art ist stets in genügender Menge vorhanden
und zu gangbaren Preisen zu haben.
Kohlen sind gewöhnlich 10000 t in zwei Händen vorräthig. Sie werden
in grofsen Leichtern längsseit der Schiffe gebracht, und es können durchschnittlich
60 t, bei gutem Wetter auch bis zu 80 t in der Stunde geliefert werden. Schiffe
bis zu 6 m Tiefgang können auch direkt am Kai Kohlen nehmen oder anderen-
falls aus Kohlenhulks. Als Signal für Kohlenbedarf ist die Flagge N mit dem
Signalbuchwimpel darüber gebräuchlich.
Frischer und Dauerproviant sind ebenfalls stets reichlich vorhanden
und die Preise dafür den jeweiligen Marktverhältnissen entsprechend.
Wasser kommt in vorzüglicher Qualität mittelst Wasserleitung von den
Bergen und wird in Wasserbooten längsseit gebracht, die von 4 bis 10 cbm fassen
und das Wasser durch Pumpen in die Schiffe liefern. Der gewöhnliche Preis
dafür beträgt 3000 reis die Tonne.
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat befindet
sich in der Rua da Altandega No. 9. Der Verein Hamburger Assekuradeure
und der Verein Bremer Seeversicherungs- Gesellschaften sind durch Agenten am
Orte vertreten, ebenfalls die Hamburg — Amerika - Linie und der Norddeutsche
Lloyd. Eine deutsche Schiffsmaklerfirma, die gleichzeitig auch Schiffshändler ist,
befindet sich ebenfalls dort. Es giebt zwei Banken am Orte. Das Hafenamt
befindet sich in der Stadt, das Lootsenamt bei der Signalstation beim Fort Santa
Cruz und das Zollamt in der Rua da Alfandega, Seemannsheim, Seemannsmission
und Seemannskrankenhaus sind nicht vorhanden, doch giebt es ein grofses sehr
gesund gelegenes und gut eingerichtetes allgemeines Krankenhaus, in dem auch
kranke Seeleute Aufnahme finden. Vorrichtungen zum Vergleiche meteoro-
logischer Instrumente sind vorhanden.
Zur Küstenkunde der Philippinen.
Nach „Notice to Mariners“ No. 368, 369, 370, 372, 373, 375, 407, 432. Washington 1901.
(Hierzu Tafel 22.)
Bemerkungen über die West- und Nordküste von Luzon.”)
Masinlok- (Masingluk-) Hafen. Die Skizze auf Tafel 22 stellt einen
Theil dieses Hafens dar. Eine ausgedehnte Sand- und Koralleubank mit 0,9 m
geringster Wassertiefe liegt an einer Stelle, wo die Karten 29 m Wasser zeigen.
Lingayen-Golf. Ankerplatz findet man auf 11 m Wasser über Sand-
grund, wenn man Lingayen-Kirche rw. S5412°W (mw. SW°/4W) und Dagupan-
Leuchtthurm S 44,5°O0 (mw. SO) peilt. Die Barre in der Mündung des Sinokalan-
Flusses verändert sich häufig, doch kann man sie im Allgemeinen mit 1,8 m
Tiefgang passiren. Lootsen kann man mit der Dampfpfeife aus dem Fischer-
dorfe an der Mündung herbeirufen.. Diese Lootsen sorgen für die Betonnung
des Barrefahrwassers und verlegen die Seezeichen nach Bedarf. Die Seezeichen
bestehen aus Bambuspfählen mit einem federartigen Palmblatte an der Spitze;
sie sind so gelegt, dafs man sie einlaufend dicht an St. B. lassen muß, Nach
dem Passiren der Barre wird. die Fahrt flufsaufwärts keine Schwierigkeiten
bieten. Man halte sich mehr am westlichen Ufer und, wenn man nach den
Landungsanlagen in. Dagupan abbiegt, dicht am Ufer beim Hauptquartier, um
ein gesunkenes Wrack zu meiden. Eine auffällige Landmarke bildet eine scharf
gezackte Hügelkette, die sich von Toko nach dem Ramon-Flusse hinzieht. Die
Dörfer an der Ostseite des Lingayen-Golfes sind unauffällig, bis man nach Bauang
+ Vgl. „Nachr. f. Seef.“ No. 752/1901.