2592 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901.
Grundtaxe für
3 Tage ' 5 Tage | 10 Tage
Anker und Kette | 2% 250 |8% 600! 6$ 825
Kette allein | 1$ 875 ! 36 000 | 5% 688
' 20 Tage | 30 Tage | 40 Tage | 50 Tage
12$ 450 17$ 700 | 218 450 ) 25$ 200
|10$ 373 | 146 750 | 178 874 | 206 999
Reparaturen an hölzernen und eisernen Schiffen sowie an Kesseln und
Maschinen können ausgeführt werden, obwohl bislang kein Dock vorhanden ist.
Es giebt indessen gute Reparaturanstalten und Eisengiefsereien, in denen Stücke
bis zu 2'/a t Gewicht gegossen und alle sonstigen Arbeiten in Eisen und Stahl
ausgeführt werden.
Die Hafenvorschriften sind ähnlich wie in Horta.
Hafenkosten. Alle Schiffe, die wegen Havarie, wegen Mangel an Proviant
oder Kohlen oder Order halber einlaufen, sind frei von allen Hafenkosten, und
es ist ihnen aufserdem gestattet, bis zu 12 Passagiere an Bord zu nehmen. Alle
anderen Schiffe in grofser Fahrt haben zu zahlen an Tonnengeld: bei einem
Aufenthälte bis zu drei Tagen 6 reis für jede Tonne und Tag, für die nächsten
auch nur angefangenen fünf Tage 10 reis für jede Tonne als Zuschlag, für den
längeren Aufenthalt von acht Tagen bis zu einem Monat für jeden Tag 10°%
des für die ersten drei Tage gezahlten Betrages, und bei einem längeren Auf-
enthalte als ein Monat ferner für jeden Tag 5° des für die ersten drei Tage
gezahlten Betrages. Portugiesische Walfischfänger und Segelschiffe bis zu 400 t
Gröfse erhalten von der obigen Taxe einen Rabatt von 20°.
An Feuergeld ist zu zahlen 1 reis für jede Tonne Raumgehalt. Aufser-
dem Lootsengeld, Schlepplohn und Miethe für Anker und Ketten wie bereits
früher angegeben.
Die Stadt, der bedeutendste Handelsplatz der Azoren, dehnt sich am
Strande 2 Sm weit aus, doch liegt der Haupttheil auf einer sanft ansteigenden
Kbene zwischen dem Fort Santa Clara und dem Hügel Santa Madre. Sie bietet,
von See aus gesehen, ein schönes Bild mit den weißen Häusern und zahl-
reichen Kirchen sowie den schön bewachsenen Hügeln im Hintergrunde, und
kann aus grofser Entfernung gesehen werden. Die Häuser sind gut gebaut, die
Strafsen reinlich und nachts mit Gaslicht beleuchtet. Die Stadt hat 22 000 Ein-
wohner und ist jetzt im raschen Aufblühen begriffen. Deutsche giebt es ungefähr
20 am Orte. In der Stadt sind 20 Schiffe als Eigenthum vorhanden; dieselben
sind jedoch in Lissabon registrirt.
Der Handelsverkehr gewinnt ebenfalls zusehends an Bedeutung. Der
Hauptverkehr findet wit dem Mutterlande, mit Portugal, statt. Im Jahre 1897
betrug der Werth der Einfuhr insgesammt rund 3 600 000 Mark, davon aus Portugal
2 400 000 Mark; der Werth der Ausfuhr 7250000 Mark, davon gingen nach
Portugal für 6 500 000 Mark. Die Hauptartikel der Einfuhr sind Eisen, Petroleum,
Zucker, -Reis, Malz, Kurz- und Manufakturwaaren, Glas und Papier; die der Aus-
fuhr Alkohol, Ananas, Apfelsinen, Bohnen, Mais und Getreide, Mineralwasser
und Thonerde.
In demselben Jahre liefen ein 131 Segelschiffe und 368 Dampfer mit
Ladung sowie 67 Dampfer in Ballast, insgesammt von 1 035 644 Brutto-Register-
tonnen Raumgehalt. Unter diesen befanden sich 8 Dampfer mit 23 934 t und
3 Segler mit 2121 t Raumgehalt unter deutscher Flagge, Unter portugiesischer
Flagge waren davon 157 Schiffe mit 159492 t und unier englischer Flagge
263 Schiffe mit 580512 £ Raumgehalt. Die deutsche Flagge wurde aufser von
diesen beiden noch von der norwegischen mit 62 285 t, der österreich-ungarischen
mit 58 100 t, der französischen mit 36039 t und der italienischen mit 29 149 t
Raumgehalt übertroffen.
Viele sehr grofse Schiffe liefen in demselben Jahre den Hafen an, darunter
der englische Dampfer „Algoa“ von 7575 t und die deutschen Dampfer „Augusta
Victoria“ von 7148 t und „Spree“ von 6883 t Gröfe als die gröfsten Schiffe.
£igene Industrie giebt es aufser den Tabakfabriken, Alkoholbrennereien
und Bierbrauereien kaum. Seefischerei wird nur mit kleinen offenen Fahr-
zeugen in der Nähe der Küste betrieben.