Die Noth- und Orderhäfen der Azoren,
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dann in östlicher Richtung noch etwa 400 m weiter erstreckt und in völlig
fertigem Zustande insgesammt ungefähr 1300 m lang sein wird.
Der Bau eines Hafendammes wurde bereits im Jahre 1860 beschlossen,
Man beabsichtigte ursprünglich, Schutz durch den Bau eines kleinen Hafendammes
für die kleinen Schiffe zu schaffen, die damals den Verkehr der Stadt und Insel
vermittelten. Der zunehmende Verkehr, besonders der gröfserer Schiffe und
Dampfer, machten aber bald eine Erweiterung des ursprünglichen Planes noth-
wendig, und der Bau des jetzigen Hafendammes entstand daraus. Der Grund-
stein des zuerst geplanten Dammes wurde bereits im Jahre 1861 gelegt; die
Arbeit litt dann aber mehrere Jahre sehr durch heftige Winterstürme und wurde
dann nach den bewährten Principien, die beim Bau der Wellenbrecher von
Plymouth, Holyhead und Portland in Anwendung gekommen waren, weitergeführt,
Aus den etwa 1 Sm entfernten Steinbrüchen wurden riesige Blöcke, bis zu 18 t
Gewicht, gewonnen und auf besonders dazu eingerichteter Eisenbahn nach der Bau-
stelle geschafft und dort regelrecht versenkt. Die Zwischenräume wurden mit
kleineren Steinen und Concret ausgefüllt und so eine massive Masse geschaffen,
deren Basis mehr als 180 m breit ist und deren Scheitel unter dem Niedrig-
wasserspiegel liegt. Auf diesem Fundament erhebt sich eine 10 m hohe massive
Mauer aus demselben Material, deren Krone 5 bis 6 m breit ist und eine vor-
zügliche Promenade bildet.
An der Innenseite der Mauer befinden sich auf dem Fundamente Kai-
anlagen, die bis zu ungefähr 550 m Länge fertiggestellt und mit Kohlenschuppen
und Lagerhäusern bebaut und mit kräftigen Krähnen ausgerüstet sind. An der
Hälfte dieser Anlage ist die Wassertiefe so grofs, dafs Schiffe bis zu 6,4 m Tief-
gang auch bei Niedrigwasser dort flott liegen, während die andere Hälfte für
Schiffe von geringerem Tiefgange hestimmt ist. Man beabsichtigt, auch den
westlichen Theil der Innenseite des Hafendammes mit Kaianlagen zu versehen,
and zwar mit solchen für die gröfsten und am tiefsten gehenden Schiffe. Der
Kopf des Hafendammes wurde bis zur Wassertiefe von 22 m hinausgebaut, umd
man kann aus diesen Verhältnissen ermessen, welche gewaltige Arbeitsleistung
der Bau dieses Dammes ist. An Steinmaterial wurden insgesammt etwa 5000 000 t
dazu verwandt, das ist mehr als das Doppelte, was zum Bau des Wellenbrechers
von Plymouth verbraucht worden ist. Die Gesammtkosten bleiben trotzdem er-
heblich unter 20000 000 Mark, weil der Arbeitslohn an Ort und Stelle verhältnifs-
mäfsig niedrig ist und namentlich in den letzten Jahren aufserordentlich ökonomisch
gearbeitet wurde,
Am 7, Dezember 1894 wurde durch einen schweren Sturm ein Theil des
Hafendammes in etwa 65 m Länge zerstört. Dieser Rifs befand sich etwa 45 m
von seinem: damaligen Kopfe entfernt und erweiterte sich bis zum Jahre 1897
auf etwa 200 m Weite, doch ist derselbe inzwischen vollständig wieder reparirt.
Dieser Hafendamm bildet einen geräumigen Hafen, der etwa 70 Schiffen
verschiedener Gröfse vollkommen Schutz gewährt bei allen Winden, selbst bei
südöstlichen, hei denen ziemlicher Seegang hineinläuft. Die Wassertiefe nimmt
von der 1!% Kblg. breiten Einfahrt zwischen dem Kopfe des Hafendammes und
den vor Ponta San Pedro liegenden Untiefen, wo sie 10 bis 20 m beträgt, nach
innen und dem Lande zu allmählich ab. In dem flachen Wasser vor der Stadt
liegen auch felsige Untiefen. Der Grund besteht aus Sand, der über (elsigem
Untergrunde lagert und guten Haltegrund bildet.
Das Fahrwasser in der Hafeneinfahrt und im Hafen selbst wird durch zwei
Reihen von Tonnen begrenzt, die an seiner Nord- und an seiner Südseite liegen.
Vor dem Kopfe des Hafendammes liegt die bereits unter Leuchtfener erwähnte
Leucht- und Glockentonne. Beim Einsteuern mufßs man den Kopf des Hafen-
dammes in größerem Abstande passiren, damit man nicht auf die denselben um-
gebende Steinschüttung geräth.
Die Schiffe müssen im Hafen vertäuen. Sie liegen entweder am Kai vorn
and hinten befestigt oder frei im Hafen vor vier Ankern, die nöthigenfalls zu
miethen sind. Man bezahlt dafür eine Grundtaxe für die ersten 100 cbm Raum-
gehalt der Schiffe, wozu für jede ferneren 100 cbm Raumgehalt ein Zuschlag
kommt, der für Anker und Kette zusammen !/s, für Kette allein */s0 der Grund-
taxe beträgt und tageweise, mindestens jedoch für drei Tage, berechnet wird.
wie folgt: