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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901 
Distriktes der Azoren und der Sitz der Civil- und Militärverwaltung dieses 
Distriktes. 
Landmarken. San Miguel, die gröfste Iusel der Gruppe, ist in westnord- 
westlicher Richtung etwa 35 Sm lang, gröfstentheils 6 bis / Sm, doch’an einer 
Stelle 81/2 Sm und an einer anderen Stelle nur 4'/2 Sm breit. Sie ist vulkanischen 
Ursprunges und hat eine ganze Anzahl von Bergen, Hügeln und Thälern, die den 
Ursprung nicht verkennen lassen. 
Der östliche Theil der Insel ist am höchsten, dort erreicht sie in dem 
weniger als 4 Sm vom Ostende liegenden Berge Pico da Vara mit 1088 m 
ihren Höhepunkt. Aber auch die Gipfel der übrigen hohen Berge liegen hier 
sämmtlich mehr als 600 m, einige noch mehr als 900 m über dem Meeresspiegel. 
Der mittlere Theil der Insel ist am niedrigsten. Hier giebt es die drei 
Gipfel Pico do Fogo, Pico do Pedra und Serra Gorda, die in der Längen- 
richtung der Insel je etwa 2 Sm voneinander entfernt sind und von denen der 
am westlichsten gelegene 480 m hohe Serra Gorda der höchste ist. Derselbe 
liegt von der Delgada-Huk NNO'/40, 31/4 Sm entfernt. Der westliche Theil 
der Insel ist wiederum höher, und der etwa 5 Sm vom Nordwestende der Insel 
entfernte Pico da Cruz bildet mit seinem 846 m hohen Gipfel hier den Höhe- 
punkt. Dieser Berg bildet bis zu einem gewissen Grade den südöstlichen Rand 
eines gewaltigen kreisartigen Kraters, Kessel der sieben Städte genannt, in dem 
sich 264 m über dem Meeresspiegel der Binnensee Lagoa Grande befindet, in 
dem die gröfste Wassertiefe 25m beträgt. 
Im Allgemeinen fällt das Land an der Nordseite der Insel allmählich ab 
bis zum Meere, während die Küste an der Südseite wie auch an den West- und 
Ostenden unregelmäfsiger geformt ist und meistens steil abfällt. 
Wenn man die Insel von Westen her ansteuert, erscheint ihr Westende 
wenig versprechend; die Berge sind kahl und auf den aus Basaltpfeilern be- 
stehenden Küstenabhängen giebt es nur vereinzelt Bäume. Ponta de Ferraria, 
Jas Nordwestende der Insel, ist eine dunkel aussehende niedrige schroffe Huk, 
die sich unmittelbar vom Fufse des Camarinhas-Gipfels ausdehnt. Der nur 
3 Kblg. von der Küste entfernt liegende 209 m hohe Giprel war der letzte 
thätige Vulkan auf der Insel. Die etwa 2'/a Sm südöstlich davon liegende Huk 
Candelaria ist stumpf, aber hoch und steil, denn ihre Abhänge sind unzugäng- 
lich. Auch die Küstenabhänge östlich und westlich davon sind hoch und steil; 
sie nehmen bei der Stadt Relva etwas an Höhe ab und endigen in der Delgada-Huk. 
Auf Ponta de Ferraria befindet sich eine Lloydssignalstation. Relva- 
Huk ist an einer einem Leuchtthurme ähnlich sehenden Windmühle kenntlich 
und Delgada-Huk an dem grofsen weilsen Schornstein der Brennerei wie auch an 
drei Windmühlen. 
Von Süden kommend, erscheint die Insel aus grofser Entfernung häufig 
wie zwei getrennt liegende Inseln, weil das niedrigere Land häufig durch Nebel 
verdeckt wird. Näher kommend, macht sie einen freundlichen Eindruck mit 
ihrem Ackerlande, ihren Kornfeldern und Weinbergen, zwischen denen Apfelsinen- 
bäume emporragen. Auch eine Anzahl von Städten und Dörfern liegen an der 
Südküste der Insel. Ponta de Calera, der südlichste Punkt der Insel, ist eine 
steile schroffe Huk und liegt etwa 8 Sm östlich von der Delyada-Huk. Die 
Küste zwischen diesen beiden Huken ist buchtenreicher als im westlichen Theile 
der Insel, und es giebt hier mehrere Landungsplätze. Die etwa 3 Sm östlich 
von Ponta de Calera und nur 3 Kblg. von der Küste entfernt liegende Insel 
Villa Franca ist 55m hoch und bildet eine gute Landmarke. Sie ist vulka- 
nischen Ursprunges. Ihr Kraterkegel ist eingestürzt, und der Kessel, in dem 
11m Wasser steht, bildet einen vorzüglichen Hafen für kleine Fahrzeuge, da an 
der Nordostseite eine schmale Oeffnung durch den Rand des Kraters führt. Ihr 
gegenüber an der Küste liegt die schon zweimal durch Erdbeben zerstörte Stadt 
Villa Franca, 
Die Stadt Ponta Delgada selbst bietet manche gute Landmarken. Das 
am meisten ins Auge fallende Gebäude ist das kasernenartige gelb gestrichene 
Gefängnifs im östlichen Theile der Stadt, das nach der Seeseite in der Mitte 
einen weißen Vorbau hat. Die auf einem Hügel im östlichen Stadttheile stehende 
Mutter Gottes-Kirche und die nahe am Strande stehende Petri-Kirche sind eben- 
falls auffällig, wie auch ein gröfserer Häuserkomplex im westlichen Stadttheile,
	        
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