Die Noth- und Orderhäfen .der Azoren.
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der zu ladenden oder löschenden Güter, und zwar beträgt das Hafengeld für jede
gelöschte Tonne Stückgüter 300 reis, für Kohlen, Coke oder Schwefel 100 reis
die Tonne. Für jeden zu landenden Passagier hat ‘das Schiff 300 reis und für
jeden wegzubefördernden 1000 reis zu zahlen.
Die Stadt Horta liegt an der Horta - Bucht unmittelbar am Strande und
auf dem dabinter ansteigenden Lande. Sie hat etwa 6900 Einwohner, unter
denen sich 33 Deutsche befinden, meistens Beamte der Deutsch - Atlantischen
Telegraphen - Gesellschaft. Ihre hervorragendsten Bauten sind das Kloster San
Francisco mit seinen beiden Thürmen, das Carmeliten - Kloster auf der Anhöhe
hinter der Stadt und das nahe am Strande in der Mitte der Stadt befindliche
Jesuiten-Seminar.
Der Handelsverkehr ist nicht bedeutend; der Werth der Einfuhr er-
reichte im Jahre 1900 den Betrag von 148000 Milreis oder 481000 A, die
Ausfuhr nur den Betrag von etwa 150 000.4. Die Einfuhr besteht hauptsäch-
lich aus Baumwollstoffen, Wollwaaren, Posamentierarbeiten, Kurzwaaren, Kohlen,
Holz, Eisen, Farbe und. Petroleum, die Ausfuhr aus Getreide, Butter, Wein,
Schlachtvieh, Häuten und Strohgeflechten.
Der Schiffsverkehr umfafßste in demselben Jahre einkommend mit
Ladung 98 Dampfer und 42 Segelschiffe, in Ballast 31 Dampfer und 2 Segler,
Von den erstgenannten führten 6 Dampfer und 1 Segler die deutsche, 24 Dampfer
und 1 Segler die englische Flagge; von den letztgenannten führten 6 Dampfer
die deutsche, 7 die englische Flagge. Das gröfste den Hafen in demselben
Jahre besuchende Schiff war 10000 t grofs.
Postdampfer gehen regelmäfsig am 14. und 29, jeden Monats nach
Lissabon; aufserdem laufen die portugiesischen Postdampfer der Linie Lissabon—
Amerika in unregelmäfsigen Abständen hier an,
Telegraphenkabel führen von Horta nach Emden und New York, nach
Lissabon und Canso auf Neuschottland sowie nach den‘ Inseln Pico, Terceira,
San Jorge, Graciosa und San Miguel. .
Seefischerei wird nur in geringem Umfange an der Küste betrieben.
Schiffsausrüstung aller Art ist vorhanden, sowohl was frischen wie
Dauerproviant und alle anderen Schiffsbedürfnisse anbetrifft, Dauerproviant und
sonstige Schiffsbedürfnisse sind jedoch theuer. Kohlen sind gewöhnlich 2000
bis 3000 t bei zwei verschiedenen Firmen vorräthig. Sie sind englischen und
amerikanischen Ursprunges und werden in Leichtern längsseit der Schiffe gebracht.
Wasser kann man durch eigene Schiffsboote zum Preise von etwa 4 .M das
Kubikmeter vom Lande holen, wo es in Cisternen aufbewahrt wird. Durch
Wasserboote an Bord gebracht, kostet es 5 bis 6 M.
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat be-
lindet sich in der Rua do Conseilheiro Medeiros No. 7, rechts vom Anlegeplatz
für Boote. Ein Agent des Germanischen Lloyd sowie ein Vertreter des Vereins
Hamburger Assekuradeure sind am Orte vorhanden wie auch ein Agent für den
Norddeutschen Lloyd. Deutsche Schiffsmakler und Schiffshändler sind nicht vor-
handen wie auch kein deutscher Arzt, jedoch ein deutscher Prediger für die
Beamten der Deutsch-Atlantischen Telegraphen-Gesellschaft. Es sind drei Banken
am Orte vertreten. Die Zoll-, Hafen- und Hafenpolizeibehörden befinden sich
alle in der Nähe des Hafens.
Seemannsheim, Seemannsmission und Seemannskrankenhaus sind nicht vor-
handen, doch ein allgemeines Krankenhaus, in dem auch kranke Seeleute be-
handelt werden. .
Zeitsignal und Sturmsignale werden nicht gegeben, doch ist die mitt-
lere Greenwich-Zeit wie auch mitteleuropäische Zeit auf den Telegraphenämtern
zu erhalten. Einrichtungen zur Bestimmung der Deviation oder zum Vergleich
nautischer und meteorologischer Instrumente sind nicht vorhanden. Kinzelne
Seekarten und Segelhandbücher sind zu haben.
Ponta Delgada,‘) die bedeutendste Stadt der Azoren, liegt an der
Südküste der Insel San Miguel, etwa 11 Sm von deren Westende entfernt, un-
mittelbar östlich von der Delgada-Huk. Sie ist die Hauptstadt des östlichen
\y Brit. Adm.-Karte No. 1854: San Miguel mit Plan von Ponta Delgada.