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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1901.
gelangen können, da die Rhede gegen Winde von NO durch Ost und Süd bis
SW ungeschötzt liegt und bei diesen Winden leicht Seegang aufkommt, sogar
bei südwestlichen Stürmen steht daselbst hoher Seegang. In Nothfällen kann
man auch, wenn kein entgegenstehendes Signal gezeigt wird, in den Hafen ein-
laufen; Schiffe mit gutem Ankergeschirr können nöthigenfalls auch Stürme auf
der Rhede abreiten.
Gezeiten und Gezeitenströme. Die Hafenzeit bei der Insel Fayal ist
11° 25"; die Fluthhöhe beträgt bei Springlide 1,2 m.
Der Fluthstrom setzt im Fayal- Kanal nach NO, der Ebbstrom nach
SW, beide mit 1 bis 2 Sm Geschwindigkeit.
Die Hafenanlagen bestehen vornehmlich aus dem als Hafendamm aus-
geführten Wellenbrecher, der sich an der Südseite der Horta-Bucht von Queimado
Point in nördlicher Richtung, zuletzt in leicht gebogener Knieform, 640m weit
erstreckt, und dem davon rechtwinkelig abzweigenden, etwa 100 m langen Quer-
damme, wie aus dem beigegebenen Hafenplane (Tafel 20) näher ersichtlich ist.
Die Innenseite des etwa 20m breiten Hafendammes, wie auch beide Seiten des
Querdammes sind senkrecht, und in dem Mauerwerke sind Poller und Ringe ein-
yemauert zum bequemen Festmachen von Schiffen. Auch an seiner Süd- und
Westseite ist der vertiefte Hafen mit Kaimauern umsäumt, die, wie auch der
Wellenbrecher, an mehreren Stellen durch Landungstreppen zugänglich sind.
Der Hauptlandungsplatz befindet sich an der Westseite des Hafens beim Fort
Santa Cruz.
Der Hafen bietet Raum für 12 bis 15 grofse Schiffe, die innerhalb des
Wellenbrechers vertäut werden. Sie liegen mit dem Kopfe nach aufsen, haben
vorn zwei Anker aus und werden hinten ebenfalls an zwei Ketten befestigt, die
an festliegenden Ankern hängen und mittelst Leichter an Bord gebracht werden.
Für das Vertäuen zahlen Schiffe von 100 bis 300 t Gröfse 8000 reis, von 300 bis
700 t Gröfse 12 000 reis, von 700 bis 1000 t Gröfse 14 000 reis und Schiffe von
mehr als 1000 t Größe 16 000 reis. Nach dem Ankern wird von einem Taucher
erst nachgesehen, ob die Anker gut gefafst haben. Es ist gebräuchlich, für
Taucher, Leichter u. s. w. aufßser den Gebühren noch Gratifikationen zu zahlen.
Eine rothe Festmachetonne liegt nördlich vom Kopfe des Wellen-
brechers,
Trockendocks sind nicht vorhanden, sondern nur eine kleine Helling
für Leichter. Die hölzernen Seeschiffe wurden hier bislang gekielholt. Reparaturen
an hölzernen Schiffen nebst Takelung sowie auch kleinere Eisenarbeiten an eisernen
Schiffen und Maschinen können hier preiswerth ausgeführt werden.
Auszug aus den Hafenvorschriften. Art. l. Schiffsführer sind verpflichtet,
diese Vorschriften zu befolgen und verantwortlich für Uebertretungen derselben
seitens ihrer Schiffsbesatzung. Beschädigungen und Verluste, die sie im Hafen
verursachen, haben sie zu bezahlen.
Art. IL. Zum Ein- und Auslaufen muß ein Lootse genommen werden.
Zum Ankern auf der Rhede besteht kein Lootsenzwang.
Art. III. Während des Ein- oder Auslaufens ist stets die Flagge zu zeigen.
Art. IV. Die Einfahrt in den Hafen ist frei, wenn nicht auf der Lootsen-
station der Ball gehifst ist. Ausgeschlossen sind vom Einlaufen brennende Schiffe
und Schiffe mit Pulver oder feuergefährlichen Ladungen.
Art. V. Schiffe, die einlaufen wollen, können vor dem Hafen ankern,
sollen aber nicht versuchen, ohne Lootsen einzulaufen, falls nicht höhere Gewalt
es erfordert.
Art. VI. Den Vorzug des KEinlaufens haben 1. Schiffe mit schweren
Havarien, 2. Schiffe des Staates und für den Staatsdienst gemiethete Schiffe,
3. Dampfer, die Kohlenmangel haben und schnell weiter müssen, 4. portu-
giesische Schiffe,
Art. VIL_ Jeder Schiffsführer mufs 12 Stunden vor dem Einlaufen dem
Hafenmeisteramte mittheilen den Schiffsnamen, Tonnengehalt, Namen des Kapitäns
and Rheders, Ladung, Tiefgang des Schiffes, Herkunft und Bestimmung, Zahl der
Besatzung u. A. m.
Hafenkosten. Schiffe, die wegen Havarie, wegen Mangel an Proviant
oder Kohlen oder Order halber einlaufen, haben aufser Lootsengebühren keine
Hafenkosten zu zahlen. Im Uebrigen richten sich die Kosten nach der Menge