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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Die Noth- und Orderhäfen der Azoren. 
westlich von der Klippe entlang. Die Aufsenkanten von Guia Head und Castello 
Branco in etwa NWzW*/W-Peilung in Eins gehalten, führen etwa 4 Kblg. 
nördlich von der Klippe entlang, und der.133 m hohe Gipfel Monte, der in 
unmittelbarer Nähe des Westendes der Insel Pico bei der Pe do Monte-Huk 
liegt, führt, wenn in S0z0?/40-Peilung gehalten, südlich von der Klippe entlang. 
Leuchtfeuer. 1. Ein weifses festes Feuer, das alle 30 Sekunden 
einen rothen Blink zeigen und 24 Sm weit sichtbar sein wird, soll demnächst auf 
dem Westende der Insel auf Capuchinos Point brennen in 90,0 m Höhe über 
Hochwasser auf dem daselbst erbauten 30,5 m hohen weifsen achteckigen T’hurme. 
Ob und wann das Feuer angezündet wird, läfst sich im Voraus wohl kaum sagen. 
9. Ein rothes festes Feuer von 3 Sm Sichtweite brennt in 14,5 m 
Höhe über Wasser auf einem 4,0 m hohen Krahne auf dem Kopfe des Wellen- 
brechers von Horta. Mit dem Weiterbau des Wellenbrechers wurde auch der 
Krahn nach dem Kopfe des Wellenbrechers verschoben, 
Die Lootsen kommen den ansteuernden Schiffen in einem offenen Boote 
oder in einer Dampfpinnasse, die die Flagge P des internationalen Signalsystems 
führen, bis etwa 1 Sm aufserhalb des Wellenbrechers oder bis zum Ankerplatze 
auf der Rhede entgegen, falls die ansteuernden Schiffe das Lootsensignal zeigen. 
Nachts zeigen sie, auf der Rhede wartend, den ansteuernden Schiffen den Anker- 
platz durch Blaufeuer an. . 
Bevor der Lootse an Bord kommt, fragt er den Kapitän, woher das Schiff 
kommt. Falls dasselbe aus einem verseucht erklärten Hafen kommt oder keinen 
reinen Gesundheitspafs hat, darf der Lootse nicht an Bord kommen, sondern mufs 
das Schiff, mit seinem Boote dirigirend, nach dem Ankerplatze bringen. Der 
Lootse gilt als Vertreter der Gesundheits- und der Zollbehörden, bis diese selbst 
Vertreter an Burd senden. 
Der Lootsenausguck befindet sich bei der Anlegestelle im Hafen, 
Lootsenzwang besteht nicht für die Rhede, wohl aber für den Hafen. 
Es besteht eine feste Lootsentaxe, und zwar zahlen Schiffe bis zu 200 t Größe 
10000 reis, von 200 bis 400t Gröfse 13 000 reis, von 400 bis 800 t Gröfse 
14 000 reis, von 800 bis 1200t Gröfse 16 000 reis und Schiffe von mehr als 
1200 t Größe 18 000 reis. Das 1952 Brutto-Registertonnen grofse deutsche Voll- 
schiff „Ostara“ zahlte eingehend 2 £ Lootsengeld. . 
Falls das Schiff in den Hafen soll, darf der Lootse dasselbe nicht eher 
verlassen, als bis es ordnungsmäfsig vertäut und befestigt ist. 
Schleppdampfer waren im Jahre 1900 noch nicht vorhanden, sondern nur 
eine Dampfpinnasse, deren Annahme zur Hülfeleistung Segelschiffen empfohlen wird. 
- Eine Lloydssignalstation befindet sich auf dem Gipfel des Küstenabhanges 
südwestlich von Espamalaca Point. Ein Ball am Maste der Lootsenstation ge- 
zeigt bedeutet, dafs das Einlaufen in den Hafen verboten ist. 
Quarantäne, Die Quarantäneverordnungen sind strenge und werden auch 
strikte durchgeführt. Es wird stets ein Gesundheitspafs verlangt. Falls derselbe 
nicht vorhanden, kommt der Lootse nicht erst an Bord, sondern dirigirt das 
Schiff von seinem Boote aus direkt nach dem Quarantäne-Ankerplatze aufserhalb 
des Wellenbrechers, den es erst mit Genehmigung der Gesundheitsbehörde wieder 
verlassen darf. Sobald der Lootse an Bord kommt, läfst er im Vortopp einen 
gelben Wimpel setzen zum Zeichen, dafs das Schiff noch nicht von der Gesundheits- 
behörde untersucht ist. Von dieser wird das Schiff dann entweder freigegeben 
oder in Quarantäne gelegt, worauf der gelbe Wimpel niedergeholt und letzteren- 
falls die Flagge Q gehifst wird. Falls in Nothfällen Personen vorher an Bord 
müssen, dürfen dieselben das Schiff ebenfalls nicht eher wieder verlassen, als bis 
es von der Gesundheitsbehörde freigegeben ist. 
Die zollamtliche Behandlung ist sehr umständlich, wenn auch die Zoll- 
beamten sehr zuvorkommend sind. Die zu befolgenden Zollvorschriften sind 
eben zahlreich; sie werden dem Schiffsführer auf dem Ankerplatze bereits 
übergeben, 
Die Rhede aufserhalb des Wellenbrechers bietet bei Winden von SW 
durch West bis NO gute Ankerplätze für grofse Segelschiffe auf 30 bis 45 m 
Wassertiefe mit gut haltendem Sandgrunde; Dampfer und kleinere Segler können 
näher unter Land auf geringeren Tiefen ankern. Grofse Segler sollten indessen 
so weit vom Lande entfernt bleiben, dafs sie bei umlaufendem Winde nach. See 
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