Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1901
Auf der Weiterfahrt wurde der Schiffsort außer durch eine Mittagsbreite
beständig durch Kreuzpeilungen nach Nord-Sohn, . Duportail und Kap Lambert
bestimmt. Während die Peilungen nach Nord-Sohn und Duportail alle in eine
Linie, die aber auf eine fortschreitende östliche Versetzung gedeutet hätte, fielen,
schlugen die Peilungen nach Kap Lambert westlicher. Es wurde ferner beob-
achtet, dafs der Kurs, welcher infolge der scheinbaren östlichen Versetzung auf
Nord-Sohn gesetzt worden war, mitten in die Hizon-Bucht führte, Was sich
hier schon vermuthen liefs, fand sich auf dem Ankerplatz nach einer astro-
nomischen Ortsbestimmung bestätigt: Die Bucht, und somit auch die vom Nord-
Sohn gebildete West-Ecke derselben, liegen in den Karten Titel XII 114b, 119
und 119a um 6 bis 8‘ Länge zu östlich.
Nach Peilungen liegt ferner in diesen Karten Duportail etwa 3 bis 4' zu
südlich. Auf dem langen Kurse Sz01%0 passirte S, M. S. „Möwe“ auf 4° 45' Süd
1 Sm östlich von einer Sandbank, welche in der Karte Titel XII No. 119 und
119a nicht angegeben ist. Die Lage dieser Sandbank ist unter Berücksichtigung
der gemachten astronomischen Ortsbestimmung 151° 29' O-Lg. In der Küsten-
aufnahme des Vize-Admirals a. D. Frhrao. v. Schleinitz ist Hixon-Bucht und Nord-
Sohn ebenfalls in Länge unrichtig, Duportail dagegen in Breite ziemlich richtig
angegeben; auch die Sandbank ist dort verzeichnet und zwar in Breite ziemlich
richtig, in Länge 4‘ zu östlich. Wahrscheinlich sind auch damals Nord-Sohn
und Duportail als Peilobjekte benutzt worden, wobei selbstverständlich die Peilung
nach dem in der Karte zu östlich liegenden Nord-Sohn eine falsche, nach Osten
verschobene Länge der Sandbank geben mufste. Da, wie schon erwähnt, die
Peilungen nach Kap Lambert westlicher fielen, scheint dessen Länge in der
Karte richtig angegeben zu sein,
Hixon-Bucht
ist nur halb so tief gestreckt, wie bisher in den Karten angedeutet. Sie bietet
einen vorzüglichen Ankerplatz in der Zeit des SO-Passates infolge ihres guten
Ankergrundes und ihrer langsam abnehmenden Wassertiefe, Westlich von der
Hixon-Bucht erhebt sich die Vulkangruppe von „Vater und den beiden Söhnen“,
östlich von ihr steigt das Land anfangs sanft, später in einer schroffen Wand
zu einem hohen Gebirgszuge an. Dazwischen liegt eine weite Ebene, Auf der-
selben erheben sich zwei kleine, schon von Weitem erkennbare bewaldete Kegel-
berge. Diese steuere man mit einem Kurse zwischen SO und S an und beginne
etwa 3 Sm vom Strande, sich auf die gewünschte Tiefe anzulothen. Die 10 m-
Linie verläuft hier etwa 1 Sm vom Lande; Grund ist grauer Sand. Der Anker-
platz S. M. S. „Möwe“ war nach astronomischer Ortsbestimmung 4° 54,2‘ S-Br und
151° 32,9' O-Lg, nach Peilung dagegen auf Grund der Karte XII 119 4° 48,5‘ S-Br
and 151° 39’ Ö-Lg. nach Karte XII 114b 4° 485‘ S-Br und 151° 41‘ O-Lg.
Die Insel Deslacs und Peterhafen.
Deslacs ist in Nord — Südrichtung lang gestreckt, dicht bewaldet und gebirgig.
Die höchste Erhebung beträgt 300 u. Die Insel ist von Korallenriffen umgeben,
die mehr oder minder weit vom Lande abliegen, an der Nordspitze fast ganz
fehlen und an der SO-Spitze sich etwa 2 bis 3 Sm weit hinaus erstrecken.
Deslacs besitzt an der Ostseite den sehr guten, auch von grofsen Schiffen benutz-
baren Peterhafen, an der Westseite soll ein kleinerer für Boote brauchbarer
Hafen sich befinden.
Peterhafen ist ein gesunkener Kraterkessel, dessen Wände im Norden,
Westen und. Süden sehr steil ansteigen. Der höchste Punkt dieser Kraterwand
liegt 112 m über Wasser. Im Osten schliefst eine flache, mit Bäumen bestandene
Landzunge den Hafen nach See zu ab, nur eine etwa 250 m breite Einfahrt frei-
lassend. Auf der Landzunge befindet sich auch die Handelsstation.
Vor der eben erwähnten Einfahrt liegen mehrere grofse Korallenriffe halb-
kreisförmig gruppirt, auf diese Weise vor dem Binnenhafen einen Aufsenhafen
bildend. Durch die Korallenriffe führen drei Durchfahrten, von denen die
nordöstliche und die südöstliche wegen der Enge nur für Boote, die vom Osten
hereinführende Haupteinfahrt jedoch sowohl in Bezug. auf Tiefe, wie auch Breite
für grofse Schiffe benutzbar ist; sie ist 180 m breit bei 30 bis 70 m Wassertiefe: