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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901,
Orten herbeiführten; im Bereiche der neuen Depression dauerten die bereits seit
dem 24. März über dem Westen der Küste täglich erfolgenden Niederschläge
fort, während die seit dem 26. wesentlich trockene Witterung an der östlichen
Ostsee-Küste in diesen Tagen noch bestehen blieb.
Bücherbesprechung.
Die Expedition nach der Bären-Insel im Jahre 1900. Bericht, erstattet von dem
Leiter der Expedition, Professor Dr. Henking, Generalsekretär des Deutschen
Seefischerei-Vereins. Mit 4 Tafeln und 1 Karte. Sonderabdruck aus den
„Mittheilungen des Deutschen Seefischerei-Vereins“, Berlin 1901. W.Möser,
Buchdruckerei.
Die von dem Deutschen Seefischerei-Verein ausgerüstete Expedition, an der sich auch die
Firma Knöhr & Burchard Nchfl. in Hamburg betheiligte, hatte den Zweck, eine Revision der
in den beiden vorhergehenden Jahren geschaffenen Anlagen vorzunehmen und gleichzeitig neue
Untersuchungen über eine Reihe von Fragen anzustellen, aie in jenen Jahren nicht oder nur zum
Theil hatten erledigt werden können. Aufgabe des Dampfers sollte insbesondere sein, eine Besich-
gung der ganzen Inselküste und eingehendere lokale Untersuchungen in der Hafenfrage zu ermög-
lichen. Aufserdem sollte erprobt werden, wie sich die Uebernahme der auf der Insel geförderten
Kohlen unter den jetzigen Verhältnissen gestaltet, Soweit es die sonstigen Aufgaben gestatteten,
sollte ferner der Dampfer Fischereiversuche anstellen. Schliefslich war zu prüfen, wie der Winter
auf die auf der Bären-Insel errichteten Anlagen und die dort zurückgelassenen Geräthe eingewirkt
hatte, um mit Sicherheit den Weg zu ihrer zweckmäfsigen Nutzbarmachung erkennen zu lassen.
Die Expedition verliefs am 25. Juni 1900 auf dem Fischdampfer „St. Johann“ Geestemünde,
ging nach Anlaufen von Hammerfest am 4. Juli bei der Bären-Insel zu Anker, verliefs am 13, Juli
die Insel und traf nach abermaligem Besuch von Hammerfest am 21. Juli wieder in Geestemünde ein,
Ueber die Hafenfrage wird vom Herrn Baumeister Hagen ein besonderer Bericht vor-
gelegt werden.
Die Uebernahme von 7 t geförderter Kohle nach dem Fischdampfer nahm bei denkbar
günstigstem Wetter 6l/g Stunden in Anspruch. Dabei wurden 15 Mann beschäftigt und zwar
5 Mann zum Füllen der Säcke und Körbe an Land und Beförderung derselben in Schiebkarren bis
zum Prahm, 3 Mann auf dem Prahm, der an zwischen Schiff und Land gezogenem Seil entlang-
lief, und 6 Mann zum Löschen der Kohlen an Bord. Zur Erzielung einer Rentabilität müssen also
besondere Lösch- und Ladeeinrichtungen hergerichtet werden. Um die besten Flötze auszunutzen,
bedarf es umfangreicher Sprengungen und durch Anlage von Schächten nicht unbedeutender Opfer.
Die Fischereiversuche ergaben, dafs innerhalb der ersten Seemeilen von der Insel kaum zur
Grundschleppnetzfischerei geeignete Gründe vorhanden sind, dafs hierfür vielmehr die im Vorjahre
ermittelten Gründe zwischen den Peilungen Vogelberg in Nord bis Ost aufgesucht werden müssen.
Der Befund der in früheren Jahren errichteten Gebäude ergab, dafs dieselben einer starken
Konstruktion bedürfen, um den dortigen Witterungsverhältnissen Widerstand zu leisten. Die Eisen-
heile an denselben waren völlig verrostet. Die überwinterten Konserven und getrockneten Efs-
waaren (Kartoffeln, Gemüse) hatten sich meist gut erhalten. Kartoffehi offen in einer Kiste und in
ässern waren innen verfault. An einem im Blockhause aufbewahrten Gewehre war der Trag-
tiemen durch massenhaften Schimmel völlig grün gefärbt, so dafs die Auffassung, dafs es im Winter
auf der Bären-Insel nicht schimmle, nicht aufkommen kann.
Wegen der weiteren Einzelheiten des Berichtes mufs auf den Bericht selbst verwiesen
werden, Dieselben beziehen sich aufser auf die bereits angedeuteten Theile auch auf den Verlauf
der Reise, die Witterungsverhältnisse, die Eis- und Schneeverhältnisse auf dem Lande, die Wasser-
bewegung, aufgefundene schriftliche Nachrichten auf der Bären-Insel, die Eisverhältnisse im Gebiet
ler Bären-Insel, Spitzbergen, Franz Joseph-Land bis Nowaja Semlja im Jahre 1900, eine Uebersicht
über eine Zugänglichkeit der Bären-Insel in früheren Jahren, die Thiere und Pflanzen auf der
Bären-Insel, die Beschaffenheit des Treibeises, eine Uebersicht über die auf der Bären-Insel derzeit
vorhandenen Anlagen,
Ueber die Zugänglichkeit der Bären-Insel wird aus den bisherigen Erfahrungen gefolgert,
dafs das ganze Jahr hindurch Perioden völliger Isolirung mit Zeiten Jleichterer oder schwererer Er-
reichbarkeit wechseln, Die gröfste Wahrscheinlichke t haben die Monate Juni bis Dezember, Wie
aber selbst in der eigentlichen Winterzeit die Insel für geeignete Dampfer oft erreichbar sein wird,
so mufs man andererseits auch in den Hochsommermonaten auf das Erscheinen von Kis gefalst sein,
Besonders bemerkenswerth ist der rasche Wechsel in den Kismenger bei der Insel, H.
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