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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Die Witterung an der deutschen Küste im März 1901. 
der Küste ostwärts fortschreitenden Ausläufers niedrigen Luftdruckes. Eine durch- 
reifende Wandlung erfuhr die Wetterlage am 6. bis 8., indem ein tiefes Minimum 
unter Abnahme an Tiefe nördlich von Schottland her durch die Nordsee und den 
Westen Kontinentaleuropas nach Südeuropa schritt, begleitet von starkem Steigen 
des Luftdruckes in seinem Rücken, im Westen und Norden, so daß die Wetter- 
lage am Abend des 8, ein hohes Maximum westlich von Irland zeigte, das sich 
in einem Rücken hohen Luftdruckes über Centraleuropa nach Russland hin fort- 
setzte, während Depressionen über dem Norden und Süden des Erdtheiles lagerten. 
Bis zum 7. wehten die Winde bei niederschlagsreichem Weiter an der Ostsee 
meist schwach aus südöstlicher Richtung, an der Nordsee aber aın 6. und 7. 
vielfach steif und zum Theil stürmisch aus dem Südwestquadranten; der. 8, 
brachte ein Umgehen der Winde nach NO und Nachlassen der Niederschläge bei 
ausgebreitetem Nebel. Im Bereiche hohen Druckes erhielt sich diese trockene 
Witterung am 9. und auch am 10. bei südwestlichen Winden auf der Nordseite 
des südwärts verlagerten Rückens hohen Luftdruckes, 
Am 10. bis 12. erfolgte eine seltene Druckumlagerung, indem eine Theil- 
depression von dem Mittelmeere nordwärts gegen den Rücken hohen Druckes 
nach Norddeutschland schritt und sich von hier am 12. unter Abnahme an Tiefe 
nach Westrussland verlagerte. Bei Winden aus östlichen Richtungen fielen am 
1l. an der ganzen Küste und am 12, an der Nordsee verbreitete Niederschläge; 
am 11. wurde in Hamburg bräunlich gefärbter Schnee beobachtet, der seine Färbung 
der Beimengung von feinem, vermuthlich aus der Sahara stammenden Staube 
verdankte. 
Eine selten starke Aenderung erfuhr die Wetterlage vom 12, zum 13. März, 
indem über Nacht ein intensives Hochdruckgebiet über ganz Centraleuropa zur 
Entwickelung gelangte. Dieses verlagerte sich schnell nach Nordeuropa, und es 
erhielt sich bis zum Morgen des 16. März hoher Luftdruck über Nord- und Ost- 
guropa gegenüber einer Depression, die sich von Südwesten her über Kontinental- 
europa ausdehnte. Bei Winden aus östlichen Richtungen war das Wetter stark 
neblig, sonst vielfach trocken, nur der 14. brachte der ganzen Küste und der 
16. und 17. der Ostsee-Küste Niederschläge. Die Morgentemperaturen über- 
schritten am 16. und 17. wie noch am 18. fast überall die Normale. 
Im Laufe des 16. erfuhr der Luftdruck über Skandinavien eine starke Ab- 
nahme, und es stellte sich bei hohem Luftdruck über dem Ozean im Nordwesten 
über dem ganzen Gebiet mit Ausnahme des Südostens niedriger Luftdruck in 
gleichmäfsiger Vertheilung her, der sich bis zum 18. erhielt; leichte, mehr ver- 
änderliche Winde und weitverbreiteter Nebel charakterisirten diese Tage, die zu- 
nächst an der Ostsee und am 18. wieder an der ganzen Küste Niederschläge 
herbeiführten. 
Das Hochdruckgebiet im Nordwesten breitete sich dann zunächst über 
Nordeuropa aus gegenüber einer Depression über Kontinentaleuropa, und diese 
wurde in der Folge ostwärts zurückgedrängt, während sich das Hochdruckgebiet 
unter Verlagerung seines Kernes nach den Britischen Inseln zunächst über die 
Nordwesthälfte Europas und bis zum 23. über ganz Centraleuropäa ausdehnte. 
Bei starken Winden aus dem Nordostquadranten, die vielfach, wie angegeben, 
stürmisch auftraten, hatte am 19. noch die ganze Küste, am 20. noch die Ost- 
see-Küste östlich von der Oder Niederschläge, dann trat trockenes, am 21. bis 
23. im Westen heiteres Wetter ein. . 
Eine mit ihrem Centrum im hohen .Norden erscheinende Depression er- 
streckte ihren Einfluß am 24. zunächst über Skandinavien und rasch weiter über 
ganz Centraleuropa, indem Theilminima aus nordwestlichen Richtungen hier 
vordrangen, und bis zum 29. blieb Centraleuropa wesentlich von Depressionen 
bedeckt; bei mehr veränderlichen, vorwiegend schwachen Winden fanden über 
dem gröfsten Theile der Küste fast täglich Niederschläge statt, und es traten 
die niedrigsten Temperaturen des Monats ein. 
Ein am 29. vom Ozean nahendes tiefes Minimum breitete seinen Einflufs 
in den letzten Tagen des Monats ostwärts bis Russland aus und rief bei seinem 
Andrängen gegen den hohen Luftdruck im Osten stark auffrischende, an der 
Nordsee aın 30. vielfach steife und stellenweise stürmische Winde aus südlichen 
Richtungen hervor, die die höchsten Temperaturen des Monats an den meisten 
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