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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901.
Notizen.
i. Das Nichtvorhandensein der Insel Ardassier vor der Gillolo-
Passage („Nachr. f. Seef.“ 1900, No. 1544) wird durch den nachstehenden Bericht
des Kapt. C. Oltmann vom Schiffe „Emilie“ bestätigt. Das meteorologische
Journal dieses auf der Reise von Barry nach Nagasaki befindlichen Schiffes ent-
hält unter dem 1. März 1900 folgende Eintragung:
Um 1 Uhr mittags passirten die drei nahe zusammen liegenden Catherines-
Inseln, von denen zwei mit Bäumen bewachsen sind. Ich schätze sie etwa
60 Fuß (etwa 18 m) hoch. Ihre Lage in der Karte scheint richtig zu sein. Als
wir uns südwestlich davon befanden, peilten wir auch die kahle Klippe Recovery
Rock, die von Weitem wie ein Fahrzeug aussieht. Wir steuerten ferner beim
Winde nordwestwärts, konnten aber die in der Karte angegebene Insel Ardassier
von der Vorobermarsraa aus nicht sehen, weshalb ich annehme, daß diese Insel
nicht existirt.
2. Küstenlinie bei Mostardas, Süd-Brasilien, Von Kapt. F. Bode,
Führer des Dampfers „Buenos Aires“ der Hamburg - Südamerikanischen Dampf-
schiffahrts-Gesellschaft, ging der Seewarte am 30. August 1900 ein Schreiben zu,
das unter anderen Berichten auch die kurze Mittheilung enthielt: Bei Mostardas-
Leuchtthurm ist die Küste in der Karte um etwa 45Sm zu östlich eingezeichnet.
Obwohl nun im Oktober 1899 von dem Kommando des englischen Schiffes
„Severn“ eine ähnliche Angabe gemacht und veröffentlicht worden war („Nachr.
(. Seef.“ 1899, No. 3299), wurde Kapt. Bode doch zunächst um nähere Angaben
wegen dieser kurzen Mittheilung ersucht, die leider erst am 1. März d. J. bei der
Seewarte eingingen mit einem Lissabon, 25. Februar 1901, datirten Brief. Der-
selbe enthält die näheren Angaben und stellt die östlichere Lage des Küsten-
striches beim Mostardas-Leuchtthurm aufser Zweifel.
Inzwischen ist diese östlichere Lage auch von dem Kommando des britischen
Kriegsschiffes „Swallow“ bestätigt. Letzteres wurde auf Grund des oben an-
yeführten Berichtes in der Nähe des Leuchtthurmes verankert („Nachr. f. Seef.“
1900, No. 2349), und nach sorgfältigen astronomischen Beobachtungen ist die
Lage des Leuchtthurmes auf 50° 54‘ 3“ W-Lg festgestellt worden, was um 6,9’
östlicher ist, als die britischen Admiralitäts-Karten und Leuchtfeuer-Verzeichnisse
bisher angaben.
3. Bericht über ein eigenartiges Schneegestöber. Von Kapt.
F. Bode, Führer des Dampfers „Buenos Aires“:
Auf der Reise von Hamburg nach Antwerpen hatten wir in der Nacht
vom 17. auf den 18, Februar 1901, in der Nähe von Terschelling, ein dichtes
Schneegestöber bei fast vollständiger Windstille. Der Schnee schien nur niedrig
über das Meer hinzutreiben, da man während des gröfsten Theiles der Zeit die
Sterne, theilweise recht klar, durch denselben sehen konnte. Zwischen 2 und
3 Uhr am Morgen des 18. Februar zeigte sich bei noch immer anhaltendem
dichten Schneetreiben ein intensives Elmsfeuer im Vortopp. Es herrschte während
der ganzen Zeit fast Windstille. In Antwerpen angekommen, wurde mir mit-
getheilt, dafs es von dort bis nach England hinüber in der vergangenen Nacht
stürmisch aus ONO geweht habe,
Angaben, welche sich auf den obigen Bericht beziehen, besonders solche
von Schiffen, liegen auf der Seewarte nicht vor. Nach der Wetterkarte der
Seewarte zu schließen, haben in der Nacht vom 17. zum 18. Februar d. J. in
der südlichen Nordsee und den Hoofden nordöstliche bis östliche Winde geweht,
die am Abend des 17. meistens steif, am Morgen des 18. leicht bis mäfsig oder
ganz bis zur Windstille abgeflaut waren. Die Lufttemperatur betrug am Morgen
des 18. Februar um 8 Uhr an der Küste etwa —1°C,, in Borkum und Gris Nez
war Schnee gefallen.
Möglicherweise haben wir es in dem von Kapt. Bode mitgetheilten Er-
eignißfs — soweit das Schneegestöber in Betracht kommt -— mit einer Erscheinung
zu thun, die zuweilen zur Winterzeit im Golfstrome beobachtet wird, nämlich
mit der Verdichtung des aufsteigenden warmen Wasserdampfes zu Schnee in den