accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

230 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901. 
Vergleichen wir die von Jahr zu Jahr sich zeigenden Variationen des 
Mittelstromes bei „Gjedser Riff“ mit dem von „Drogden“, so werden wir finden, 
dafs der Strom an den beiden Orten auf einigermaflsen gleiche Weise varilirt, 
aber auch nur einigermafsen, und nehmen wir den von „Lappegrund“ hinzu, 
schwindet die Gleichheit völlig. Wir lernen daraus, dafs die bei den Leucht- 
schiffen gemessenen Stromstärken nicht entfernt als genauer Ausdruck für die 
die Ostsee wirklich verlassenden Wassermassen betrachtet werden können; leider 
haben wir keinen besseren dafür. 
Aus der untersten Zeile, wo die Mittelzahlen für die verschiedenen Quartale 
aller Jahre berechnet sind, ersehen wir jedoch, dafs der Mittelwerth der Aus- 
strömung in den zwei letzten Quartalen am geringsten ist, was der stärkeren 
Verdunstung zuzuschreiben ist, am gröfsten dagegen in den Monaten März, April, 
Mai, weil Eis und Schnee dann in den die Ostsee einschliefsenden Ländern 
schmelzen. Diese Umstände rufen jedoch keinen grofsen Unterschied in den 
Mittelwerthen hervor. Im Winterquartal ist die Ausströmung beinahe gleich dem 
Mittelwerth für den ganzen langen Zeitraum 1881 bis 1897. Der Umstand, dafs 
der Frost grofse Wassermassen in den Ostsee-Ländern festhält, macht sich also 
nicht in der Weise bemerkbar, dafs der Mittelwerth der Ausströmung im Winter 
besonders gering ist. Eine andere Sache ist, dafs die erwähnte Erscheinung in 
den einzelnen Jahren einen bedeutenden Einflufs ausüben kann; ist der Winter 
ungemein mild oder ungemein streng, so ist eine starke bezw. schwache Aus- 
strömung die Folge. (Hier ist nicht zu vergessen, dafs es in den zwei ersten 
Quartalen des Jahres an Beobachtungen fehlt, weil die Leuchtschiffe zu dieser 
Zeit wegen Eis in den Fahrwassern eingeholt worden sind. Infolgedessen sind 
die Mittelzahlen für diese beiden Quartale vermuthlich zu hoch angesetzt, indem 
wir davon ausgehen dürfen, dal die Monate, für welche die Beobachtungen 
fehlen, besonders kalt gewesen sein müssen und dafs dies eine geringe Aus- 
strömung zur Folge gehabt haben wird.) 
Dafs im Winter die Oberflächen-Isohalinen im Kattegat sich 
gegen die Ausflufsöffnungen der Ostsee zusammenziehen, müssen wir 
deshalb wahrscheinlich vor Allem der Konvektion zuschreiben; in 
nächster Reihe wirkt die stärkere oder schwächere Ausströmung als 
Ursache mit. So mufs die Regel ganz im Allgemeinen lauten. In den 
einzelnen Fällen wird das Verhältnifs ein anderes. Die Werthe für die 
Ausströmung können nämlich, wie es aus der Tabelle hervorgeht, in den ver- 
schiedenen Vierteljahren sehr verschieden sein und so grofsen Schwankungen um 
die Mittelwerthe herum unterworfen sein, dafs es unmöglich wird, eine gemein- 
gültige Regel für die Größe der Ausströmung im Verhältnifs zur Jahreszeit auf- 
zustellen, in welchen Quartalen sie am gröfsten und in welchen sie am geringsten 
ist. So viel wird hervorgehen, dafs die Variationen in der Ausströmung 
von einem Vierteljahr zum anderen in der Lage der Oberflächen- 
Isohalinen Verschiebungen hervorrufen können, welche im Vergleich 
zu den von der Konvektion verursachten Verschiebungen überwiegend 
sind. Das Jahr 1892 liefert dafür ein interessantes Beispiel. Im ersten Quartal 
(Dezember, Januar, Februar) war die Ausströmung ungemein stark und stärker 
als in den übrigen Quartalen; dies bewirkte, dafs das Oberflächenwasser im 
Kattegat und in der westlichen Ostsee (siehe die Quartalsmessungen) einen un- 
gewöhnlich geringen Salzgehalt erhielt, welcher trotz der Konvektion geringer 
war als in den folgenden Quartalen. 
Man könnte nun fragen, was die bedeutenden Veränderungen in der Aus- 
strömung von einem Quartal zum anderen verursacht, oder richtiger, welches der 
Grund zu den so starken und unregelmäfsigen Variationen der in der Tabelle 
aufgeführten Zahlen sein kann. Als eine der Ursachen und zwar als eine viel- 
leicht sehr wesentliche muß, wie oben hervorgehoben, angeführt werden, dals 
die berechneten Zahlen kein sicheres Mafs für die Ausströmung bilden. Aber 
auch andere Ursachen können sich geltend machen, so z. B. Veränderung theils 
in Niederschlag, Verdunstung und Zuströmung aus den Ostsee-Ländern, theils in 
Salzwasserzuströmung. Wenn nämlich die äufseren Meere solche hydrographische 
Veränderungen erleiden, dafs grofse Mengen Salzwasser in die Ostsee getrieben 
werden, ohne daß die Einströmung durch irgend eine Veränderung in dem hydro-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.