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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901. 
des baltischen Stromes einen niedrigen Salzgehalt direkt an der Oberfläche und 
wegen seiner gröfseren Geschwindigkeit einen stärkeren Reaktionsstrom von 
salzigem Wasser in der Tiefe hervor, während man zu dieser Jahreszeit fast 
völlig von der Wirkung der Konvektion absehen kann. Also wirken im Winter 
Konvektion und Strom in derselben Richtung. 
Dal die bloße Konvektion indessen nicht im Stande ist, die Verände- 
rungen des Salzgehaltes in der westlichen Ostsee zu erklären, läfst sich daraus 
ersehen, daß es im Winter zuweilen vorkommt, daß ein grofser Theil der west- 
lichen Ostsee sich mit Wasser von einem Salzgehalt von etwa 10% füllt, wo- 
durch die Salzmenge in ganz bedeutendem Grade verringert wird. Aber eine 
Veränderung der Salzmenge kann niemals den durch Konvektion hervorgerufenen 
Vertikalströmungen zugeschrieben werden, sondern nur Horizontalströmungen, in 
diesem Falle dem baltischen Strom. Dafs der Reaktionsstrom im Winter seine 
Kraft zum Theil einbüßt, äufsert sich darin, dafs das baltische Wasser sich zu 
einer dicken Schicht in der westlichen Ostsee und dem Kattegat ansammelt. 
Dies ergiebt sich besonders deutlich aus den Salzgehaltmessungen in den 
fraglichen Fahrwassern und im Grofsen Belt. Im Mai und August (1891 bis 1897) 
hat die oberste Schicht im Grofsen Belt eine Dicke, die zwischen 10 und 20 m 
schwankt; der Uebergang zu der untenliegenden Schicht ist sehr schroff. Im 
November ist die Grenze zwischen den Schichten minder scharf, oft fehlt sie 
ganz, so dafs der Salzgehalt von der Oberfläche bis zum Boden ziemlich un- 
bedeutend variirt. Dasselbe scheint im Februar der Fall zu sein; für diesen 
Monat aber besitzen wir nur Messungen von 1892, 1894 und 1896; der Salz- 
gehalt am Boden ist nämlich niedrig, 1892 21%/0o und 1894 28%. Im Mai und 
November, den Uebergangszeiten zwischen Sommer- und Winterzustand, ist der 
Salzgehalt am Boden sehr veränderlich, zwischen 24°/0o und 32° 0o. Im August 
dagegen hält sich der Salzgehalt des Bodenwassers fast immer über 30°/oo. 
Die Wirkung, welche die Konvektion in Verbindung mit der 
Variation des baltischen Stromes auf die Wassermassen der west- 
lichen Ostsee ausübt, ist 1. die, dafs der Mittelwerth des Salzgehaltes 
der Wassermassen im Winter verringert wird; zuweilen giebt es zu 
dieser Jahreszeit gar keine salzige Unterschicht, und 2. wenn eine 
solche vorhanden ist, wird ihr Salzgehalt bedeutend geringer sein 
als im Sommer, wogegen 3. das Oberflächenwasser seinen gröfsten 
Salzgehalt im Winter erhält. 
Man kann sagen, dafs die Wirkung im Kattegat ein erhöhter Salz- 
gehalt des baltischen Wassers im Winter ist unter gleichzeitiger 
Verdickung dieser Wasserschicht. Diese Verdickung tritt jedoch nur im 
südlichen Kattegat stark hervor, so bei dem Schultz-Grund, minder bei Anholt 
Knob; während die baltische Wasserschicht beim Schultz-Grund im Sommer ge- 
wöhnlich nur 11 bis 15m dick ist, reicht sie im Winter oft bis zum Boden bei 
dem daselbst befindlichen Leuchtschiff. Wo die Tiefe im südlichen Kattegat 
nicht größer ist, als dafs das baltische Wasser im Winter den Boden erreichen 
kann, wird der Minimalwerth der Bodentemperatur daher bedeutend herabgesetzt 
werden. Im südlichen Kattegat mufs bei Tiefen zwischen 20 und 30m 
die Mitteltemperatur am geringsten sein, weil das warme salzige 
Wasser aus dem Skagerrak im Sommer so viel Zeit braucht, um die 
Strecke zurückzulegen, dafs es auf dem Wege abgekühlt wird, und im 
Winter, wenn es dort angelangt ist, von dem kalten baltischen 
Wasser wieder hinausgetrieben wird. 
Wie schon hervorgehoben, sind die Salzgehalt- Veränderungen in der west- 
lichen Ostsee und im Kattegat keine sichere Grundlage, um daraus auf die im 
Laufe eines Jahres zu Tage tretenden Variationen des baltischen Stromes zu 
schliefsen. Die Strombeobachtungen an den Ausflufsöffnungen der Ostsee werden 
ein besseres Bild davon geben. Der baltische Strom bildet sich im Anfang aus 
den Wassermassen, welche die Ostsee durch die Ausflufsöffnungen derselben ver: 
lassen oder, richtiger gesagt, aus dem Unterschied zwischen den in der Ober- 
flächenschicht aus- und einströmenden Wassermassen. Für diese Wassermassen 
können wir einen Ausdruck erhalten, indem wir für einen längeren Zeitraum den 
Mittelwerth /M,, M,, M,) des Stromes in der Oberfläche bei den Leuchtschiffen 
„Drogden“, „Gjedser Riff“ und „Lappegrunden“ ansetzen. Diese Mittelwerthe
	        
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