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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Knudsen, M.: Der baltische Strom und der Salzgehalt im Kattegat. 227 
es in der Regel von 11 bis 15m Tiefe eine Veränderung des Salzgehaltes von 
etwa 10%o0o, und diese scharfe Grenze hielt sich 1897 bis Ende September; im 
Oktober, zu welcher Zeit die Temperatur von der Oberfläche nach der Tiefe hin 
abnimmt, ist die ‘scharfe Grenze schon verschwunden, und im November und 
Dezember, wenn die Oberflächen- 
Abkühlung besonders schnell vor 
sich geht, wird der Uebergang 
zwischen dem Salzgehalt der obersten 
Schichten noch unmerkbarer. 
Um dies zu illustriren, stellt 
Fig. 1 zwei Salzgehaltskurven für 
den Schultz-Grund dar, die eine für 
den Juli, die andere für den No- 
vember. Die Abscissen bezeichnen 
die "Tiefe in Metern, die Ordinaten 
den Salzgehalt. Um nicht von un- 
gefähr zwei besonders günstige Fälle 
herauszugreifen, ist für jede Tiefe 
der Mittelwerth des Salzgehaltes 
während des ganzen Monats benutzt; 
da die Grenzfläche zwischen den 
beiden Wasserschichten im Laufe 
des Monats sich etwas auf und ab 
verschiebt wird die Steigerung durch 
das angewandte Verfahren minder 
schroff. Der Unterschied zwischen 
den beiden Kurven tritt jedoch deut- 
lich vor Augen; dieser Unterschied 
des Zustandes zwischen Sommer- 
und Wintermonat ist typisch, und 
zwar nicht nur für die hier benutzten 
Mittelwerthe, sondern in noch höhe- 
rem Grade für die einzelnen beob- 
achteten Werthe. 
Es muß zugegeben werden, dafs es sich, nach der Lage der beiden 
Kurven zu urtheilen, gut denken läfst, dafs ausschliefslich Mischung die von Juli 
bis November eingetretene Veränderung in den Wasserschichten bewirkt hat; die 
Veränderung kann allmählich dadurch hervorgerufen sein, dafs Salzwasser von 
einer Schicht in die andere geführt wird. Wenn es danach möglich ist, die 
erwähnten Zustände durch die Konvektion zu erklären, so darf man 
nicht als gegeben annehmen, dafs die Veränderung des Oberflächen- 
Salzgehaltes von dem baltischen Strom allein verursacht wird, und 
ferner nicht aus dem Oberflächen-Salzgehalt schliefsen, dafs besagter 
Strom im Juli stärker ist als im November. Die beiden Kurven zeigen 
im Gegentheil, dafs der Strom in den beiden Monaten eher dieselbe 
Stärke gehabt hat. Den nämlichen Fehler würde man begehen, wenn 
man an anderen Orten einem Vergleich des baltischen Stromes zu den 
verschiedenen Jahreszeiten den Oberflächen-Salzgehalt allein zu 
Grunde legte. 
Die Konvektion wirkt auf eine solche Art und Weise, dafs immer salzigeres 
Wasser allmählich zur Theilnahme an der von der Oberfläche nach unten gehenden 
Vertikalcirkulation gebracht wird; außerdem wird in der unteren Schicht 
Vertikalcirkulation hervorgerufen, wodurch der Mischungsprocefs stark befördert 
wird. Durch die Konvektion läfst sich dann zum Theil erklären, dafs 
im Winter das Wasser in der Tiefe der westlichen Ostsee einen so 
geringen Salzgehalt, das Oberflächenwasser einen verhältnifsmäfsig 
hohen Salzgehalt hat. Zu dieser Jahreszeit ist der baltische Strom meistens 
am schwächsten, so dafs seine Wirkung theils in Bezug auf die direkte Herab- 
setzung des Oberflächen-Salzgehaltes, theils in Bezug auf die Hervorrufung eines 
Reaktionsstromes, der salziges Wasser in die westliche Ostsee hineinführt, am 
geringsten verspürt wird. Im Frühling dagegen rufen die grofsen Wassermassen 
Ann, d. Hyvädr. eto., 1901, Heft Y,
	        
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